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Grüne warnen: Ostsee erstickt in Gülleflut

Stralsund Grüne warnen: Ostsee erstickt in Gülleflut

Fraktionschef Anton Hofreiter fordert eine strengere Düngeverordnung für Landwirte

Stralsund. Spitzenpolitiker der Grünen warnen vor einer steigenden Verschmutzung der Ostsee durch die Landwirtschaft. „Die Ostsee ist aus dem Gleichgewicht“, mahnt Fraktionsschef Anton Hofreiter.

Wie aus einer Kleinen Anfrage seiner Fraktion an das Bundesumweltministerium hervorgeht, liegt die Konzentration von Nitrat und Phosphor in der Ostsee seit Jahren regelmäßig über den Grenzwerten. Die zulässige Obergrenze für die Konzentration von Phosphor im Wasser wurde von 2000 bis 2014 an den Messstellen Arkonasee und Mecklenburger Bucht kein einziges Mal eingehalten. Nur etwas besser sieht es beim Nitrat aus: Hier blieben im Schnitt zwei von drei Messwerten im Rahmen des Erlaubten.

Beide Stoffe stammen aus dem Dünger der Landwirtschaft und gelangen über Flüsse in die Ostsee. Sie gelten als Hauptverursacher von giftigen Blaualgen und sauerstofffreien „Todeszonen“ auf dem Meeresgrund. „Der Zustand der Gewässer ist alarmierend“, warnt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Steffi Lemke. 18 von 21 Zuflüssen, die in MV in die Ostsee münden, seien „in einem schlechten oder unbefriedigenden ökologischen Zustand“.

Erst vor einem Monat hatte der Europäische Rechnungshof „fehlenden Ehrgeiz“ der Anrainerländer, darunter die Bundesrepublik, bei der Verringerung der Nährstoffzufuhr kritisiert. Auch die EU macht die Landwirtschaft dafür verantwortlich, dass die Ostsee „eines der am stärksten verschmutzten Meere der Welt“ ist.

„Es ist ein Wunschdenken zu glauben, dass sich das Problem von alleine löst“, meint Steffi Lemke. Die Grünen werfen der Bundesregierung vor, notwendige Schritte zu verschleppen. Die neue Düngeverordnung von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ist laut Fraktionschef Hofreiter „so lasch, dass die Äcker weiter mit Gülle geflutet werden dürfen“.

Lemke und Hofreiter diskutieren heute bei einem Fachgespräch im Stralsunder Ozeaneum mit Wissenschaftlern, Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) und Detlef Kurreck vom Bauernverband über die Belastung der Ostsee durch die Landwirtschaft.

Auswirkungen kann es unter anderem beim Tourismus geben – wenn Urlauber nach Warnungen vor giftigen Blaualgen ausbleiben. „Manche Gäste haben Angst, dass sie oder ihre Kinder beeinträchtigt werden können“, meint Bernd Fischer, Geschäftsführer beim Landestourismusverband. Es komme darauf an, sachlich zu informieren.

Laut Minister Backhaus sanken seit der Wende die Einträge von Phosphor und Nitrat in die Ostsee massiv. Dennoch sei „unstrittig“, so der Politiker, „dass die diffusen Einträge aus der Landbewirtschaftung ein Problem darstellen“. An den vielen neuen Riesenställen liege das aber nicht. Wer mit Gülle düngt, brauche weniger Mineraldünger. Entscheidend sei letztlich, wie viel aufs Feld komme.

Gerald Kleine Wördemann

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