Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Grundschüler in MV am häufigsten Opfer von Verkehrsunfällen

Schwerin Grundschüler in MV am häufigsten Opfer von Verkehrsunfällen

Die Wahrscheinlichkeit, auf den Schulweg zu verunglücken, ist für Sechs- bis Zehnjährige im Nordosten am höchsten

Schwerin. In ein paar Tagen ist Schulanfang, Tausende Grundschüler nehmen wieder täglich am Straßenverkehr teil – entweder mit dem Schulbus, per Fahrrad oder zu Fuß. Die meisten sind jedoch auf dem Rücksitz von Mamas oder Papas Auto unterwegs. Die Gefahr, auf dem Hin- oder Rückweg Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, ist für Grundschüler in keinem Bundesland so groß wie in Mecklenburg-Vorpommern. Das geht aus dem Bericht „Kinderunfälle im Straßenverkehr 2015“ des Statistischen Bundesamtes hervor, der jetzt vorgestellt wurde.

Im Nordosten wurden demnach vergangenes Jahr 362 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren bei Unfällen im Straßenverkehr verletzt – bezogen auf 100000 Einwohner, so die Statistiker. Damit liegt MV in dieser Altersgruppe vor allen anderen Bundesländern, der bundesweite Schnitt beträgt 274. Auch bei den Unter-Sechsjährigen gehört das Land mit 194 verunglückten Kinder je 100000 Einwohner zur Spitzengruppe, bleibt aber hinter Brandenburg (210) und Bremen (197). Erst bei den Über-Zehnjährigen verliert MV seine Ausnahmeposition und nähert sich dem Durchschnitt an. Die gute Nachricht: Kein Kind starb 2015 im Nordosten bei einem Verkehrsunfall.

„Ich appelliere zum Schuljahresbeginn an alle Verkehrsbeteiligten, besondere Vorsicht walten zu lassen“, sagt Ulrike Berger. Der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen im Landtag war die besondere Gefährdung von Grundschülern im Nordosten in dem Bericht aufgefallen. Als besonders beunruhigend bewertet sie den Umstand, dass seit dem letzten Unfallbericht von 2011 deutschlandweit weniger Kinder im Grundschulalter verunglückten, während es in MV 13 Prozent mehr wurden.

„Am meisten gefährdet sind Kinder im Straßenverkehr als Mitfahrer im Auto“, betont Andrea Leirich, Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht. Im Pkw verunglücken laut Statistik doppelt so viele Grundschulkinder wie ihre Altersgenossen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Wegen der langen Schulwege im Flächenland MV gebe es oft keine Alternative zum Schulbus oder dem Auto der Eltern. Der Bus sei die sichere Alternative, auch wenn das manche Eltern anders sehen, so die Verkehrswacht.

Einen Grund für die hohe Zahl verletzter Kinder sieht Leirich darin, dass viele auf einen Kindersitz im Auto verzichten, sobald ihre Sprösslinge zur Schule gehen. Dabei sei der Extra-Sitz für alle unter zehn Jahre oder unter 1,50 Meter Körpergröße vorgeschrieben.

Ulrike Berger fordert anlässlich des Unfallberichts den Ausbau von Fahrradwegen und Schulbusbeförderung. Ein Anrecht auf den Bus zur Bildungsstätte besteht erst ab Mindestentfernungen von zwei Kilometern für Grund- und vier Kilometern für weiterführende Schulen. Das gehöre „auf den Prüfstand“, so die Grüne.

Das Schweriner Verkehrsministerium will sich zu der für MV ungünstigen Statistik nicht äußern – und zweifelt deren Aussagekraft an. Es sei „schwierig“, auf Grundlage von hochgerechneten Kennzahlen ein gültiges Bundesländer-Ranking zu erstellen, sagt eine Sprecherin. Sie verweist auf Angebote des Landes zur Verkehrserziehung und den „Schulwegeorden“, der heute an 20 Kitas verliehen wird, die mit den künftigen Erstklässlern bereits den Schulweg geübt haben.

Gerald Kleine Wördemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.