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MV aktuell Gülle macht Wasser teuer
Nachrichten MV aktuell Gülle macht Wasser teuer
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00:01 13.06.2017
Ein Traktor bringt Gülle auf einem Feld vor Europas größter Ferkelzuchtanlage in Alt Tellin (Vorpommern-Greifswald) aus. Quelle: Foto: Norbert Fellechner
Rostock

„Gut, dass endlich einmal deutliche Worte gefallen sind“, sagt Klaus Rhode, Vorsitzender von Kowa MV, Dachverband der Wasserbetriebe im Nordosten. Das Umweltbundesamt (UBA) hatte am Wochenende vor steigenden Wasserpreisen aufgrund von Nitratbelastungen durch die Landwirtschaft gewarnt. Weil der Aufwand für Aufbereitung und Reinigung zunimmt, könnte der Trinkwasserpreis bald um bis zu 45 Prozent steigen. Eine vierköpfige Familie müsste im Jahr 134 Euro mehr bezahlen, stellt die Behörde in einer Studie fest. Bundesweit drohten zusätzliche Ausgaben von 767 Millionen Euro im Jahr, damit das Wasser trinkbar bleibt.

Trinkwasser

Abwasser

Gesamt

Bad Doberan

157,40

308,80

466,20

Ribnitz-Damgarten

236,04

270,72

506,76

Stralsund

229,24

287,04

516,28

Grevesmühlen

206,04

329,00

535,04

Greifswald

337,24

216,00

553,24

Grimmen

225,20

355,32

580,52

Wismar

223,20

361,00

584,20

Zinnowitz

249,52

372,00

621,52

Rügen

298,72

406,00

704,72

Rostock

337,68

394,00

731,68

Bruttopreise bei einem Jahresverbrauch von 100 m3 Quelle: Zweckverbände, Stadtwerke/Eigene Berechnungen

Die Wasserbetriebe in MV klagen bereits seit Jahren über die Folgen der hohen Nitratbelastung. Die Wasserwerke müssen immer größeren Aufwand betreiben, um doch noch sauberes Trinkwasser liefern zu können. Indem sie tiefere Brunnen bohren, immer bessere Filter einsetzen und schlechtes Grundwasser mit gutem mischen.

Trotzdem steht MV noch vergleichsweise gut da: Knapp ein Fünftel (18 Prozent) der Grundwasserbrunnen befindet sich wegen überhöhter Nitratwerte in einem chemisch schlechten Zustand. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein gilt das für über 50 Prozent. Die Ergebnissse der UBA-Studie ließen sich deshalb nicht ohne weiteres auf MV übertragen, heißt es im Schweriner Landwirtschaftsministerium. Das Bundesamt habe Regionen untersucht, die „geprägt sind durch viel Tierhaltung, eine Intensivierung der Landnutzung beziehungsweise hohe Anteile an Sonderkulturen“, teilt das Landwirtschaftsministerium mit. Dies sei „mit der Situation in MV nicht vergleichbar“. Dennoch sei es aber auch in MV wichtig, die Nitrat-Einträge zu verringern.

Nach Ansicht von Wasser-Mann Rhode profitieren stets die Landwirte. Werden Düngeverbote in Trinkwasserschutzzonen verhängt, müssten die Wasserwerke den Bauern Entschädigungen zahlen. Finanzieren ließe sich das nur über höhere Trinkwasserpreise. Um 25 Cent je Kubikmeter würden die Gebühren steigen. Das hat Rhode für den Bad Doberaner Zweckverband Kühlung ausgerechnet, den er bis vor kurzem leitete. Schon jetzt zahlen viele Verbraucher in MV hohe Wasserpreise (siehe Tabelle). Rohde: „Es kann doch nicht sein, dass der Verbraucher zahlen muss, damit die Landwirte weiter düngen dürfen.“

Es sei aber wichtig, „im Gespräch zu bleiben“, appelliert der Verbandschef. In einigen Regionen sind Arbeitskreise entstanden, bei denen sich Zweckverbände und Landwirte regelmäßig austauschen. „Ein erster Schritt“ sei die neue Düngemittelverordnung, die Anfang des Monats in Kraft trat. Rhode warnt aber vor allzu großen Erwartungen. „Wir müssen abwarten, wie sich das auswirkt.“ Mehr Kontrollen seien nötig.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) setzt auf mehr Bio-Landwirtschaft und mehr Wasserschutzgebiete. Außerdem sollen Landwirte verstärkt geschult und beraten werden. Für Backhaus zählen auch Kleingärtner zu den Verursachern: „Jeder Bürger“ sei gefragt, „in seinem Garten nur soviel zu düngen, wie wirklich notwendig ist“, so seine Sprecherin.

Greenpeace fordert, die Produktion von Billigfleisch einzuschränken, damit weniger Gülle auf den Feldern landet. Die Düngegesetze sollten weiter verschärft und kontrolliert werden, verlangen die Umweltschützer.

„Für die Menschen im ländlichen Raum ist es nicht hinnehmbar, dass sie bereits heute mehr für sauberes Trinkwasser bezahlen müssen, weil die Reinigung des Grundwassers deutlich aufwändiger ist als in Gebieten ohne intensive Landwirtschaft“, kritisiert Mignon Schwenke, Umwelt-Sprecherin der Linken im Landtag. Das Nitrat-Problem ist schon seit Jahren bekannt. Im November hatte die EU Klage gegen Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof eingereicht, weil die Nitratbelastung nicht sinkt. Im Fall einer Verurteilung drohen Geldstrafen in bis zu sechsstelliger Höhe – für jeden Tag mit überhöhten Nitratwerten.

Gerald Kleine Wördemann

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