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MV aktuell Gut für Gaumen und Geldbeutel: Obst-Ernte am Straßenrand
Nachrichten MV aktuell Gut für Gaumen und Geldbeutel: Obst-Ernte am Straßenrand
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00:18 26.08.2015
Erik Krohn (15) wurde neben der Skateranlage in der Rostocker August-Bebel-Straße fündig. Quelle: Frank Söllner

Sommerzeit, Erntezeit: Massen von Pflaumen, Äpfeln, Brombeeren hängen in Bäumen und Büschen und warten nur darauf, dass sie jemand pflückt und mitnimmt. Was aber oft nicht passiert. Die Internet-Initiative Mundraub.com geht gegen diese riesige Verschwendung vor. Die Nutzer tragen auf einer Online-Karte Stellen ein, an denen kostenlos geerntet werden kann — in öffentlichen Parks und Wiesen oder am Straßenrand. Knapp 1400 solcher Stellen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Die Seite hat insgesamt 25000 registrierte Nutzer und wichtige Unterstützer: Bei einer Mundraub-Aktion vor ein Tagen holte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) in einem Berliner Park medienwirksam Kirschen vom Baum.

Sogar professionelle Obstbauern, die davon leben, dass ihre Waren gekauft werden, können der Ernte-Offensive aus dem Internet Gutes abgewinnen. „Wenn auf diese Weise das Interesse für Obst geweckt wird, ist es okay“, sagt Rolf Hornig vom Verband Mecklenburger Obst und Gemüse. Klagen über die Straßenrand-Pflücker gebe es bisher nicht. Ihm sei kein Fall bekannt, bei dem eingezäunte Felder von Berufs-Obstbauern durch Mundräuber heimgesucht wurden. Hornig:„Es wird offenbar respektiert, das diese Früchte zur Erwerbstätigkeit dienen.“

Damit die Sache nicht aus dem Ruder läuft, haben sich die Mundräuber selbst strikte Regeln verordnet. Es dürfen nur Stellen in die Karte eingetragen werden, bei denen keine Eigentumsrechte verletzt werden. Bei öffentlichen Plätzen müssen vorher die zuständigen Ämter der Städte, Gemeinden und Landkreise gefragt werden. Tauchen berechtigte Zweifel an einem Fundort auf, wird dieser gelöscht.

Ist ein Hof oder ein Haus in der Nähe, sollte man immer fragen, empfiehlt Mundraub-Sympathisant Martin Hagemann (37) aus Sanitz (Landkreis Rostock). Damit ließen sich „schräge Blicke“ und Ärger vermeiden. „Es tut mir leid um die vielen Obstbäume am Straßenrand, die keiner anrührt“, sagt Hagemann. Er schafft es selbst nicht, alle Äpfel aus seinem Garten zu verarbeiten. Deshalb hat er einen Korb davon vor seinen Zaun gestellt, mit einen „Bitte Mitnehmen“-Schild. Tatbeihilfe für Mundräuber, sozusagen. Das Angebot kam gut an. Bald waren die Äpfel weg. Dafür lagen eine Schale Tomaten und Gurken auf dem Tischchen — in seiner Nachbarschaft ist Hagemann anscheinend nicht der einzige, der mehr erntet, als er essen kann. Fast 300-Facebook-Nutzer kommentierten die kleine Obsttausch-Episode per „Gefällt mir“-Klick.

Auch das Schweriner Landwirtschaftsministerium begrüßt die Initiative. „Es tut den Bäumen gut, regelmäßig abgeerntet zu werden“, sagt Sprecher Constantin Marquardt. Bleibt das Obst liegen, lockt das viele Schädlinge an, die dem Baum schaden.

Die Meinungen, ob man auch an stark befahrenen Straßen pflücken kann, gehen auseinander. Marquardt lehnt das ab, wegen möglicher Belastungen mit Schwermetall aus Abgasen. Obst-Experte Hornig sieht das lockerer: „Der Regen wäscht es ab.“ Die Mundraub-Aktivisten verweisen auf eine Studie der Technischen Universität Berlin. Demnach ist Obst von solchen Straßen nicht belastet, Kräuter und Gemüse aber schon und sollten nicht gegessen werden.

Vor allem Studenten pflücken

294 Pflückstellen verzeichnete Mundraub.org gestern in der Universitätsstadt Greifswald, in Rostock
waren es 291. Jeden Tag kommen neue dazu.

In anderen Städten und Regionen ohne Universitäten wird weniger eingetragen: Stralsund (72), Rügen (23), Usedom (22), Grimmen (33), Wismar (46), Nordwestmecklenburg (13), Fischland-Darß-Zingst (15).



Gerald Kleine Wördemann

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