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Gutachter: Rebeccas Peiniger wusste, was er tat

Rostock Gutachter: Rebeccas Peiniger wusste, was er tat

Die 17-Jährige fordert von ihrem Vergewaltiger Schmerzensgeld. Urteil fällt am 23. April.

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In diesem Haus in Rostock-Dierkow wurde Rebecca tagelang festgehalten und misshandelt.

Quelle: Bernd Wüstneck

Rostock. Die juristische Auseinandersetzung zwischen Rebecca (17) und ihrem Vergewaltiger Mario B. geht nach dem Urteilsspruch Ende April weiter. Grund: Die Schülerin fordert von ihrem Peiniger Schmerzensgeld und Schadensersatz. Einen entsprechenden Antrag hat ihr Anwalt Jens Kasch gestern vor dem Landgericht Rostock gestellt. „Die Höhe ist noch offen“, sagt Kasch. Doch: Mario B. soll auch anfallende Behandlungskosten ersetzen sowie Rebeccas Sachen — ihr Handy und ihre Kleidung.

Mario B. hat das Mädchen im Oktober 2012 nachts überfallen, in seine Wohnung verschleppt und fast vier Tage lang misshandelt. Der 28-Jährige hat die Taten zu Prozessauftakt gestanden. Trotzdem sind eine Reihe von Zeugen gehört worden, um B.s Schuldfähigkeit zu klären. Denn er will zum Zeitpunkt der Tat unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben. Der medizinische Gutachter Fred Zack sieht das anders. Er hat den Anklagten gestern als schuldfähig eingestuft, da viele Indizien gegen einen zugedröhnten Zustand sprechen würden. Unter anderem habe B. nach dem Überfall auf dem Petridamm Rebeccas Handy eingesammelt. Zudem habe er problemlos zwei Haustüren öffnen können, obwohl er die ohnmächtige Rebecca stützen musste, und auch noch ihre Wunden gesäubert.

Dass Mario B. aggressiv ist, wenn er getrunken hat, bestätigt sein ehemaliger Mitbewohner Martin H. (25). Zu dem hat B. im Alkoholrausch mehrfach gesagt: „Frauen sind Schlampen“ und „man sollte sie von der Straße weggreifen“. Angegriffen auf der Straße hat B. Rebecca in der Nacht zum 13. Oktober. Sie ist zu Fuß unterwegs, will nicht eine Stunde auf den nächsten Bus warten. In der Nähe von drei großen Bäumen wird sie von hinten mit dem Rad angefahren, mit einem Messer angegriffen und ins Gebüsch gezogen. Dort fordert B.: „Mach deine Hose auf!“ Rebecca bietet ihm Geld und Handy an und wird zu einem Steinhaufen gezerrt. Dort lässt B. seine Hose runter und zwingt das schwer verletzte Mädchen zum Oralverkehr. In den nächsten Tagen wird Rebecca zweimal vergewaltigt, geschlagen und gefesselt. Aufgrund des enormen Blutverlustes wird sie immer schwächer, kann kaum noch gehen. Sie klammert sich an die Hoffnung, dass B. sie gehen lässt. Er sagt: „Du kannst gehen, sobald deine Sachen trocken sind.“ Die habe er gewaschen. Doch auf dem Wäscheständer liegen die Sachen nicht. Da realisiert Rebecca: Er wird sie nie gehen lassen. Als B. aus dem Haus ist, gelingt es ihr, die Fesseln zu lösen. Sie springt aus dem Fenster und kann fliehen.

B. sitzt derweil bei der Blutspende. Kurz zuvor hat er sich mit seiner Sozialarbeiterin getroffen. Deren Büro befindet sich in der Nähe von B.s Wohnung. Vom Fenster aus sehen sie die Suchaktion der Polizei. Die Sozialarbeiterin sagt: „Hoffentlich ist das Mädchen nicht tot.“ Und B. antwortet: „Ja, aber man kann nicht in die Köpfe der Leute gucken, die so etwas machen.“ Ein paar Stunden später wird B. verhaftet.

In den darauffolgenden Wochen befragt die Polizei Rebecca mehrfach. Als sie dann noch eine Videoaufzeichnung machen soll, um sich eine Prozessaussage zu ersparen, bricht sie in Tränen aus und sagt: „Ich will nicht noch mal darüber sprechen.“ Doch zwei Tage später ist sie dazu bereit. Kurz vor Gericht aussagen musste Rebecca trotzdem. „Mittlerweile geht es ihr relativ gut, sie hat eine Therapie gemacht“, sagt ihr Anwalt Kasch.

Am 18. April halten Anklage und Verteidigung ihre Plädoyers. Am 23. April soll das Urteil fallen. Mario B. drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Frauen sind Schlampen, . . . man sollte sie von der Straße weggreifen.“Angeklagter Mario B. (28)

Kerstin Schröder

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