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Härtere Strafen: Handy am Steuer wird jetzt richtig teuer

Schwerin/Neubrandenburg Härtere Strafen: Handy am Steuer wird jetzt richtig teuer

Jeder zehnte Unfall durch Ablenkung / ADAC zweifelt an Maßnahme

Schwerin/Neubrandenburg. Rotes Licht für Handysünder am Steuer: Autofahrer, die ihr Smartphone während der Fahrt nutzen, müssen zukünftig mit härteren Strafen rechnen. Laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) soll das Bußgeld statt 60 Euro künftig 100 Euro kosten – in schwereren Fällen drohen sogar 200 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern steigt das Unfallrisiko durch unzulässige Handynutzung. 8830 Ordnungswidrigkeiten sind nach vorläufigen Zahlen des Innenministeriums in Schwerin im vergangenen Jahr registriert worden. Damit bleiben die Verstöße zwar unter dem Stand von 2015 (9265). Aber: „Die Polizei stellt oft fest, dass im Auto gesurft, gemailt und gesimst wird. Mit dramatischen Folgen für die Verkehrssicherheit“, sagt Ministeriumssprecher Michael Teich.

Denn wer bei einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde zwei Sekunden auf sein Telefon blickt, legt 45 Meter im Blindflug zurück. „Damit steigt das Unfallrisiko um das Zwei- bis Fünffache“, bestätigt Katrin Kleedehn, Sprecherin des Polizeipräsidiums in Neubrandenburg.

Die Dunkelziffer liegt aber deutlich höher. Denn die „unzulässige Handynutzung“ ist derzeit nicht explizit als Ursache in der Unfallstatistik aufgenommen, betont Teich. Verstöße würden so meist nur bei allgemeinen Verkehrs- oder Geschwindigkeitskontrollen registriert werden. Kleedehn pflichtet ihm bei: „Die Beweiserhebung gestaltet sich ohne Zeugen im Falle eines Unfalls schwierig.“ Rechtliche Hürden würden zudem die Sicherstellung der Telefone erschweren.

Künftig sollen auch andere technische Geräte wie Tablets und E-Book-Reader in die Straßenverkehrsordnung (StVO) aufgenommen werden. Bislang müssen nur die ein Bußgeld zahlen, die während der Fahrt mit dem Telefon am Ohr erwischt werden. Von Tablets und Co. ist in der StVO keine Rede. Auch das SMS-Tippen wird bisher nicht ausdrücklich erwähnt. Dabei schätzt der ADAC, dass jeder zehnte Unfall durch Ablenkung ausgelöst wird. So wurde zum Beispiel Ende September ein 20-Jähriger in Rostock von einem Auto angefahren und leicht verletzt, weil er während einer Straßenüberquerung laut Polizei mehr auf sein Handy als auf die Straße geachtet habe.

Der Automobilclub befürwortet die Ausweitung des Gesetzes, zweifelt aber, ob höhere Bußgelder der richtige Weg sind. „Denn was nutzen diese, wenn nicht auch mehr Kontrollen stattfinden?“, fragt Andreas Hölzel. Auch die Gewerkschaft der Polizei findet Dobrindts Vorhaben richtig. Ein Sprecher räumt aber ein, dass trotz der Verschärfung die Polizei nicht in der Lage sein werde, das Handyverbot durchzusetzen. Dafür gebe es nicht genügend Personal.

Die Landesverkehrswacht plädiert für die Nutzung einer Freisprechanlage. Doch auch diese sei nicht unbedenklich. „Wer telefoniert, ist immer abgelenkt“, betont Geschäftführerin Andrea Leirich.

Deswegen rät sie, das Telefon während der Fahrt auszuschalten. „Wir leben in dem Irrtum, immer erreichbar sein zu müssen. Aber kein Anruf ist so wichtig, dass man dafür Leben aufs Spiel setzt.“

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Ann-Christin Schneider

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