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„Haltung zeigen“: Linke will mit Bartsch in die Bundesregierung

Gägelow „Haltung zeigen“: Linke will mit Bartsch in die Bundesregierung

Landespartei wählt den Realo auf Listenplatz eins / Dämpfer für Parteichefin Bluhm

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Mit Sturm-Frisur an die Spitze: Dietmar Bartsch

Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa

Gägelow. . Die Linke in MV zieht mit Dietmar Bartsch (58) an der Spitze in den Bundestagswahlkampf. Der Faktionschef im Bundestag erhielt am Sonnabend beim Parteitag in Gägelow 93,2 Prozent der Stimmen für Listenplatz eins, einen Gegenkandidaten gab es nicht. In einer Kampfabstimmung um Platz zwei setzte sich Landeschefin Heidrun Bluhm (58, Schwerin) knapp gegen Kerstin Kassner (59, Rügen) durch.

Landesliste der MV-Linke zur Bundestagswahl

1. Dietmar Bartsch, Prerow, 2. Heidrun Bluhm, Schwerin, 3. Kerstin Kassner, Putgarten, 4. Toni Jaschinski, Neubrandenburg, 5. Susanne Krone, Bützow, 6. André Walther, Schwerin, 7. Thomas Wiencke, Rostock.

Rund 3800 Mitglieder hat die Linke derzeit in MV. Das Durchschnittsalter liegt etwa bei 69 Jahren.

Nach Kassners Kandidatur hatte es im Vorstand lange Gesichter gegeben. Wenn die Parteivorsitzende demontiert werde, „wer soll dann den Wahlkampf führen?“, monierte Kay Kröger, früherer Landesgeschäftsführer der Partei. Er hielt ein handgemaltes Schild hoch: „Heidrun, meine Nummer zwei“. Mit ihrem Vorstoß signalisiere Kassner, dass sie wohl nicht mit drei Mandaten der Partei wie 2013 rechne, murmelten Genossen.

Kassner ging mit der Kritik offen um. „Die Partei muss ein Signal setzen, dass uns Vorpommern wichtig ist“, sagt sie. Denn sie tritt im Wahlkreis Stralsund/Greifswald an. Gegner: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Leif-Erik-Holm, Spitzenmann der AfD. Viele Genossen folgten ihr, sie erhielt 43,1 Prozent, doch Bluhm errang Platz zwei (56,9). Das schlechte Ergebnis der Parteichefin war noch lange Thema auf dem Parteitag. Kassner reihte sich auf Platz drei ein. 2013 reichte das für den Bundestag. Da kam die Linke im Nordosten auf 21,5 Prozent.

Parteirealo Dietmar Bartsch stand unterdessen allein im Scheinwerferlicht. Sahra Wagenknecht, Co-Fraktionschefin im Bundestag und oft Gegenpol, hatte kurz vorher abgesagt. Bartsch riss seine Genossen in einer langen Rede mit, in der soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt stand. Die Welt sei aus den Fugen geraten, die Wahl so wichtig wie kaum eine zuvor. „Da ist ein Sexist und Rassist im Weißen Haus“, reflektierte er die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.

Heftige Kritik gab es an der Großen Koalition für den Anstieg von deutschen Waffenexporten in alle Welt und Auslandseinsätze der Bundeswehr. „Die Profite sind blutig“, so Bartsch. Ein düsteres Bild zeichnete er von Europa, das aufgrund neoliberaler Politik seine Werte vergessen habe. Er forderte eine Milliardärssteuer. Es gehe bei der Bundestagswahl auch „um einen Kurswechsel in der Europa-Politik“, so Bartsch. Klare Akzente müsse die Partei in den neuen Ländern setzen, wo sie am stärksten sei. In der OZ hatte er gar ein Ost-Ministerium ins Gespräch gebracht. Der Osten gehöre wieder ins Zentrum. „Wir wollen grundsätzlich diese Gesellschaft ändern.“ Dies sei in einer möglichen Regierung mit SPD und Grünen nur mit „einer starken Linken“ denkbar. Mit Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat seien die Chancen auf einen Politikwechsel gestiegen. Die Parteibasis jubelte.

Später traf Bartsch 15 Parteineulinge in einer Bar. Er sei besorgt um die Linke, so Bartsch, fürchte ein Erstarken am rechten Rand. Andreas März (50) aus Niedersachsen, der in MV Linke-Mitglied ist, wollte wissen, was er tun soll, wenn er als Linker ausgegrenzt werde. Bartsch wirkte wie ein väterlicher Dozent. „Haltung zeigen“, sagte er kurz.

Tosenden Beifall erntete André Walther (28), Student aus Schwerin, bei seiner Kandidatenrede („Make love great again“). Die aktuelle Politik von CDU und SPD gefährde „die Zukunft einer ganzen Generation“, sagt er. „Mann, sind wir radikal: Wir wollen, dass niemand arm sein muss.“ Am Ende landete er auf Platz sechs der Landesliste.

Später stiegen rote Luftballons in die Luft. Am Equal Pay Day, dem Tag der Lohngleichheit für Frauen, wollten die Linken ein Zeichen setzen. Dass Frauen bundesweit immer noch rund 20 Prozent weniger als Männer verdienen, sei „eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“, rief Wenke Brüdgam. Im Herbst will die Frau aus Tribsees neue Parteichefin werden. Ein scharfer Westwind ließ die roten Ballons zerplatzen.

Frank Pubantz

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