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MV aktuell Hartz IV reicht nicht: Höhere Darlehen an Bedürftige
Nachrichten MV aktuell Hartz IV reicht nicht: Höhere Darlehen an Bedürftige
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13:56 27.06.2017

Jobcenter müssen HartzIV-Empfängern in MV immer öfter aushelfen. Sie geben deutlich höhere Darlehen an die Bedürftigen weiter als noch vor einigen Jahren. Das belegen Zahlen der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, die der OZ vorliegen.

Waren es im Jahr 2011 etwa 696000 Euro, die den Bedürftigen in den elf Jobcentern gewährt wurden, so stieg der Wert 2016 um 30 Prozent an – auf 986500 Euro. Bemerkenswert: Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger landesweit um mehr als 30000 zurückgegangen. Die Summe der beantragten zinslosen Kredite ist dennoch auf dem höchsten Stand seit 2011.

Experten sehen die Gründe unter anderem in zu niedrigen Hartz-IV-Sätzen und darin, dass 2016 vermehrt Flüchtlinge in reguläre Wohnungen zogen.

Die Hilfen sind an strenge Vorgaben gebunden. Wenn eine Stromsperre oder Obdachlosigkeit durch Mietschulden droht, können Betroffene Geld beantragen. Auch Reparaturen von Waschmaschinen oder Erstausstattung für Winterbekleidung von Kindern gehören in Ausnahmefällen dazu. „Die Jobcenter- Mitarbeiter prüfen, ob ein ‚unabweisbarer Bedarf' und damit keine Möglichkeit besteht, die Kosten selbst zu tragen“, sagt Christian Schmitt, Agentur-Sprecher der Regionaldirektion Nord.

„Jeder Einzelfall ist besonders zu prüfen“, betont auch Karina Werner, Leiterin des einzigen Kommunalen Jobcenters im Land, aus Vorpommern-Rügen. Neben den von der Agentur angegebenen Bundesmitteln bewilligt das Jobcenter kommunale Darlehen. Vorpommern-Rügen streckte 2016 allein 800000 Euro für Darlehen zur Wohnungsbeschaffung vor – 270000 Euro mehr als im Vorjahr. Hintergrund sei die hohe Zahl der Flüchtlinge, die aus den Gemeinschaftsunterkünften in reguläre Wohnungen umgezogen sind. Sie benötigten Darlehen für die Mietkaution.

Der Trend zu mehr zinslosen Krediten lässt sich bundesweit verfolgen. Hartz IV reiche für viele kaum zum Leben, kritisieren die Linken. Der sozialpolitische Sprecher der Linksfraktion in MV, Torsten Koplin, betont: „Die Hartz-IV-Regelsätze sind fehlerhaft bzw. gar nicht ermittelt worden. Von den zu knapp gerechneten Regelsätzen sollen die Leistungsbezieher Rücklagen bilden, um Neuanschaffungen zu finanzieren – das ist absurd und völlig lebensfern.“ Die Sätze müssten auf monatlich 500 Euro für Erwachsene angehoben werden.

Wie knapp das Geld bemessen ist, weiß auch Bettina Sobkowiak, Leiterin der Schuldnerberatung Eibe Rostock. Darlehen würden vorrangig für existentielle Dinge wie Stromkosten oder Mietschulden bewilligt. Die Expertin sieht einen weiteren Grund für die steigenden Zahlen: „Die meisten Betroffenen sind Langzeitempfänger, haben ihr Restvermögen über Jahre aufgebraucht und nun keinerlei Reserven. Je mehr Jahre mit Hartz IV vergehen, desto weniger Geld ist da.“ Sie empfiehlt allen, denen berufliche Veränderungen oder Einschnitte drohen, vorher eine Budgetberatung zu machen. „Zu uns kann jeder kommen, auch ohne Schulden.“ Seite 5

Virginie Wolfram

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