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Hauptrolle für Hängeohr-Hasen

Roduchelstorf Hauptrolle für Hängeohr-Hasen

„Tier der Mela“ ist dieses Jahr das Widderkaninchen. Züchter aus ganz MV zeigen die schönsten Schlappohr-Tiere.

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Peter Kalugin (l./56) vom Rassekaninchenzüchterverband MV und Züchter Stefan Krüger (36) zeigen blaugraue Widderkaninchen.

Quelle: Elke Ehlers

Roduchelstorf. Die Widderkaninchen von Stefan Krüger sind etwas Besonderes: Sie haben blaugraues Fell – eine bei Deutschen Widdern äußerst seltene Farbe. Der 36-Jährige aus Roduchelstorf bei Schönberg (Nordwestmecklenburg) war 2009 der erste Züchter in Mecklenburg-Vorpommern, der mit der Zucht dieses „Farbschlags“ anfing.

In ganz Deutschland gebe es bisher nur etwa zehn solcher Langohr- Zuchten, berichtet Peter Kalugin, der Vorsitzende des Landesverbands der Rassekaninchenzüchter. „Alle kommen aus unserer Linie.“

Rund 50 dieser seltenen Zuchtkaninchen hält Stefan Krüger inzwischen. Und er ist erfolgreich. Bei Ausstellungen heimst der gelernte Tischler mit seinen Tieren regelmäßig Preise ein. Mit den Blaugrauen war er 2013 bundesweiter Rassemeister, mit wildfarbig-grauen Exemplaren schon vielfacher Landesmeister. „Klar, dass ich auf der Mela dabei bin“, sagt Krüger.

Denn vom 15. bis 18. September soll auf der Agrarmesse in Mühlengeez bei Güstrow (Landkreis Rostock) das Widderkaninchen als „Tier der Mela“ spezielle Beachtung finden. „Wir wollen damit den Züchtern von Kleintieren besondere Aufmerksamkeit schenken, die meist ehrenamtlich arbeiten und viel Freizeit investieren“, betont Agrarminister Till Backhaus (SPD). „Ohne das Engagement der Züchter wären viele Haustierrassen längst ausgestorben.“

In Mecklenburg-Vorpommern seien die Schlappohr-Kaninchen sehr beliebt, meint der Bützower Norbert Bissa, Ausstellungsleiter für die Kaninchenpräsentation auf der Mela. 153 Züchter halten die Tiere mit dem markanten Kopf und der platten Nase. Ihren Namen verdanken die Hängeohr-Hasen übrigens tatsächlich dem Schafbock. „Ihr Kopf erinnert im Profil dem Kopf eines Widders“, meint Verbandschef Kalugin.

Widderkaninchen waren ursprünglich in Frankreich beheimatet. Um 1870 seien sie erstmals nach Deutschland gelangt, wissen die Züchter. „Vermutlich brachten Soldaten sie aus dem Deutsch-Französischen Krieg mit“, sagt Kalugin. Heute werden fünf Widder-Rassen gezüchtet, deren schwerste Vertreter – die Deutschen Widder – bis zu neun Kilogramm wiegen dürfen. „Die sind auch als Wirtschaftsrasse anerkannt wegen ihrer beträchtlichen Fleischmenge.“

Eine Besonderheit sind die Englischen Widder, deren „Schönheitsmerkmal“ früher überlange, breite Ohren waren. Spannweiten über 70 Zentimeter wurden gemessen. Inzwischen setzt der Tierschutz Grenzen.

Von Ohrspitze zu Ohrspitze sind heute maximal 60 Zentimeter erlaubt. Kalugin: „Die Ohren sollen die Tiere ja nicht behindern.“ Bei Hobbyzüchtern am beliebtesten sind ohnehin Zwergwidder, die nur knapp zwei Kilo wiegen. „Deren Fleisch ist auch besonders gut – sehr zart und kurzfaserig“, weiß Kalugin. Die Züchter würden ihre Hasen natürlich gern zur Zucht verkaufen, hätten aber auch kein Problem damit, „dass sie irgendwann im Kochtopf landen“.

Stolz sind die Rassekaninchenzüchter auch darauf, dass es in ihrem Landesverband einen Spezialclub der Widderzüchter gibt. „Die schneiden nicht nur bei Landesschauen, sondern auch bei Bundesvergleichen immer gut ab“, sagt Kalugin. Erfolgreichster Mecklenburger Widderzüchter ist Bernd Adam (49) aus Neubukow bei Bad Doberan, der auch Vorsitzender des Widderclubs ist. Viermal ist er schon Deutscher Meister geworden, außerdem Europameister.

„Wir sind 27 Züchter im Widderclub“, erzählt Bernd Adam begeistert. Zusammen mit seinem Sohn Erik (24) will auch er auf der Mela seine besten Tiere ausstellen. „Sechs Zuchtgruppen und zwei Häsinnen mit Jungen“ haben sie angemeldet, insgesamt rund 30 Tiere. Neben gelb-weiß gescheckten Deutschen Widdern zeigen sie auch Albinos.

Seltene Rassen stehen im Mittelpunkt

Eine Tierrasse steht auf der Agrarmesse Mela immer besonders im Mittelpunkt. Zumeist handelt es sich um seltene Rassen, die außerdem einen speziellen Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern haben. „Tier der Mela“ waren zum Beispiel die Pommernente (2004), das Rauhwollige Pommersche Landschaf (2006), die Honigbiene (2010), Rostocker Tümmler-Tauben (2011) und die Holstein-Kuh (2015). Nach den Mecklenburger Schecken (2009) sind es dieses Jahr zum zweiten Mal Kaninchen – Widderkaninchen.

Rund 280 Aussteller zeigen auf der Mela Tiere, darunter Pferde, Schweine, Schafe, Rinder, Geflügel. Erstmals fehlen Milchkühe – eine Reaktion der Bauern auf die schlechten Milchpreise.

Elke Ehlers

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