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Heimspiel in Rostock für Klartext-Peer

Rostock Heimspiel in Rostock für Klartext-Peer

Peer Steinbrück empfiehlt sich dem Wahlvolk als Politiker, der sagt, was er denkt, und die Dinge beim Namen nennt. Für zwei Tage ist der SPD-Kanzlerkandidat jetzt in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs.

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (M.) redet „Klartext“. Der Saal in Rostock war gestern Abend überfüllt.

Quelle: Hannes Ewert

Rostock. Gestern Abend war er in Rostock.

Das fängt ja gut an. „Herzlich willkommen hier in Potsdam“, begrüßt die Moderatorin das Rostocker Publikum. Der „Ostseesaal“ im Hotel Radisson Blu johlt. „Nicht schon wieder Potsdam“, ruft ein Mann.

Steinbrück lacht, schüttelt den Kopf und nimmt Reißaus vom Stehpult. In Potsdam war in der Vorwoche Premiere seiner Veranstaltungsreihe „Klartext mit Peer Steinbrück“. Mit der Lästerei über die „Clowns“, die in Italien die Wahl gewonnen hätten, hatte er international Furore gemacht — und sich prompt neuen Ärger eingehandelt.

„Es beginnt schon mit Pannen, das ist schlecht“, verschlimmert die Moderatorin ihren Fauxpas noch. Steinbrück rettet die Situation. Der Abend in Potsdam habe eben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Heiterkeit, Beifall, erster Punkt für den Kandidaten.

Potsdam und die Clowns waren offenbar beste Werbung. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung, bei der das Publikum den Kandidaten nach Herzenslust zu allen Themen befragen kann, sind selbst die Stehplätze im Saal besetzt. Vereinzelt wird Unmut laut, als etliche Peer-Fans mit einer Leinwand vor dem Saal bleiben müssen. Über 500 Interessierte sind gekommen, doppelt so viele wie in Potsdam. Steinbrück nimmt den Andrang als gutes Omen. „Vielleicht mieten wir das nächste Mal ein Stadion.“ Wieder Lacher.

Der Strauß der Fragen ist bunt. Rente, Bildung, Patriot-Raketen in der Türkei, Löhne, Pflege, Europa. Viele stellen sich als Genossen vor. Steinbrück schafft es, in seinen Antworten fast das gesamte SPD- Wahlprogramm unterzubringen, ohne zu langweilen. Er spickt Antworten mit Anekdoten, Anspielungen, greift zu deutlichen Vokabeln.

In der Sache verspricht er einen gesetzlichen Mindestlohn „in alle Himmelsrichtungen“. Er bekennt sich zu Nato-Bündnis und restriktiven Waffenexporten. Er sagt Ja zum bundeseinheitlichen Bildungssystem und zur europäischen Einigung. „Das kostet Geld — und wir werden zahlen.“ Und jedem, der das Gegenteil behaupte, „trauen Sie nicht von hier bis zur Türklinke“, rät er seinen Zuhörern.

Ost-Renten will er schrittweise ans Westniveau angleichen, Steuern für einige Einkommen erhöhen, nämlich für Spitzenverdiener. Kritische Fragen erhält Steinbrück nicht. Dafür wird er gefragt, wie er Journalisten zu fairerer Berichterstattung über seine Person bewegen will. Aus „Selbsterhaltungstrieb“ will der Klartexter eigentlich nichts sagen, sagt aber doch: es sei eben einfacher über Persönliches zu schreiben als über Inhalte.

Seine erste Station war gestern Nachmittag Schwerin. In der Landeshauptstadt besichtigte der Sozialdemokrat den Stadtteil Dreesch und traf sich mit Vertretern des Vereins „Die Platte lebt“.

Heute ist Steinbrück auf Stippvisite in Greifswald. Er will ein Studentenwohnheim besuchen und mit Studierenden beim Mittagessen in der Mensa sprechen. „Wahlkampf von unten“ heißt das Konzept, das den Kanzlerkandidaten mit möglichst vielen Menschen in Kontakt bringen soll.

Vielleicht mieten wir das nächste Mal ein Stadion.“Steinbrück in Rostock

Arnold Petersen

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Schwerin/Rostock
Peer Steinbrück stellte sich am Mittwochabend den Fragen der Besucher im Rostocker Radisson Blu Hotel.

Gut ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in Mecklenburg-Vorpommern mit der Wählerwerbung begonnen. Die zweitägige Tour durch den Nordosten startete er am Mittwochnachmittag in Schwerin mit einem Besuch im Plattenbaugebiet Neu Zippendorf.

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Von Redakteur Arnold Petersen

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