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Herr Professor Weber, sind Sie ein Rechtsextremist?

Herr Professor Weber, sind Sie ein Rechtsextremist?

Umstrittener Greifswalder Jurist erklärt, warum er für die AfD ins Landtags-Präsidium will

Schwerin Eine heiß umstrittene Personalie: Die Alternative für Deutschland (AfD) schickt den Greifswalder Professor Ralph Weber ins Rennen um einen Posten im neuen Präsidium des Landtags. Der 55-Jährige stand wiederholt wegen rechter Ansichten in der Kritik. Die OZ sprach mit ihm.

Herr Professor Weber, warum wollen Sie ins Landtagspräsidium?

Ralph Weber: Weil es eine wichtige Position ist, weil ich Jurist bin, weil es auf die Fähigkeit ankommt, mit den Geschäftsordnungen umzugehen. Und weil es mich interessiert, in dieser Position Einfluss nehmen zu können. Ich habe viel Erfahrung über die Uni und in politischen Gremien, damals bei der CDU.

Kritiker warnen vor Ihren politischen Ansichten. Sind Sie ein Rechtsextremist?

Weber: Das, finde ich, ist eine große Unverschämtheit.

Wie würden Sie denn Ihre politische Position beschreiben?

Weber: Wertkonservativ und patriotisch. Das ist die Position, mit der ich vor fast 40 Jahren in die CDU eingetreten bin.

Sie waren oft in den Schlagzeilen. So gab es einen Disput an der Uni Greifswald, weil Sie Kleidung der Marke Thor Steinar trugen. Warum haben Sie das getan?

Weber: Weil es eine Hausordnung gab, in der berechtigt drinsteht, dass man mit Emblemen rassistischen oder menschenverachtenden Inhalts die Uni nicht betreten darf. Dann stand da auch die Marke Thor Steinar. Das hat mich dazu gebracht, solche Kleidung anzuziehen, einen Gürtel, übrigens nie in Vorlesungen. Da waren germanische Runen drauf. Ich weiß nicht, was daran menschenverachtend, rassistisch sein soll. Nur der Zusammenhang, dass diese Marke von bestimmten Menschen gerne getragen wird, reicht nicht.

War das Test, eine Provokation?

Weber: Keine Provokation. Ich bin verantwortlich für die Hausordnung. Was soll ich mit Menschen machen, die in meiner Vorlesung so etwas anhaben? Die muss ich rauswerfen. Das kann ich aber nicht, weil das viel zu unbestimmte Begriffe sind. Dass eine Marke mit einem solchen Makel belegt ist, dagegen habe ich mich gewehrt. Ich wollte zeigen, dass man mit solchen pauschalen Vorurteilen in einem rechtlichen Rahmen nicht agieren kann.

Zuletzt gab es Kritik an der Promotion von Maik B., einem früheren Neonazi.

Weber: Richtig ist, dass Herr B. vor Jahren wegen Volksverhetzung zu einer Jugendstrafe verurteilt wurde. Im polizeilichen Führungszeugnis gilt er als nicht vorbestraft. Dürfen sich frühere Rechte nicht geistig ändern? Ich habe jetzt 51 Personen erfolgreich promoviert. Darunter waren SPD-Mitglieder, ein Mitglied der Linkspartei, ein Türkischstämmiger, ein Syrer und eine Iranerin. Ich habe noch nie gefragt, wie die politisch denken. Mich hat nur interessiert, ob sie fachlich geeignet sind. Abgesehen davon, wusste ich von B.s Hintergrund nicht. Aber hätte ich alles gewusst, hätte ich ihn genauso promoviert.

Fühlen Sie sich in der Öffentlichkeit falsch dargestellt?

Weber: Ich fühle mich als Zielscheibe. Ich werde in eine Ecke gestellt. Rechts macht mir nichts. Ich bin wertkonservativ. Aber das rechtsextreme Milieu, das man mir andichtet, das stört mich gewaltig.

Dafür gab es Gründe. Einige Ihrer Studenten berichteten von umstrittenen Aussagen, die Sie gemacht haben sollen.

Weber: Angeblich hätte ich mich gegen die Homo-Ehe ausgesprochen. Dabei habe ich nur gesagt: Die gibt es überhaupt nicht, so wie im Grundgesetz und im Bürgerlichen Gesetzbuch definiert.

Ein Zitat lautete: Der Kniefall Willy Brandts ist Verrat an unserer historischen Heimat.

Weber: Das ist aus einem Vortrag vor einer Burschenschaft. Mit Kniefall war der Verzicht auf die Ostgebiete gemeint, ohne dass Brandt damals ein Bundestagsmandat hatte.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Burschenschaften?

Weber: Ich selber war nie in einer. Inhaltlich halte ich dies für geschichtlich gewachsene Studententradition. Das waren die Ersten, die politische Mitsprache an der Uni eingefordert haben.

Es gab auch den Vorwurf, Sie würden den sogenannten Reichsbürgern nahestehen.

Weber: Da hat man mir womöglich eine Falle gestellt. Aus den Reihen der Studierenden wurde mir vorgeschlagen, einen Dr. Thomas Mann einzuladen, der über die Geschichte Preußens reden konnte.

In einer Abendveranstaltung habe ich das als Ergänzung zu meiner Rechtsgeschichtsvorlesung angeboten. Er hat einen ordentlichen Vortrag gehalten. Dann hat er leider weitergemacht mit dem Satz:

Preußen ist nicht untergegangen, Preußen besteht fort. Ich habe mehrfach interveniert und dann abgebrochen. Man kann mir vorwerfen, ich hätte mich über Herrn Mann genauer informieren können. Mit den Reichsbürgern habe ich überhaupt nichts am Hut. Ich halte das für eine große Spinnerei.

Interview von Frank Pubantz

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