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Herr der Segel: Holger Bellgardt

Rostock Herr der Segel: Holger Bellgardt

Seit dem Jahr 2005 leitet der heute 55-Jährige das große Rostocker Seglertreffen – und er weint immer noch Freudentränen, wenn sein Lieblingsschiff „Tre Kronor af Stockholm“ einläuft

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Wir haben Gäste aus vielen Ländern, erleben andere Sprachen und Kulturen. Ich empfinde es als sehr wertvoll.“ Hanse-Sail-Chef Holger Bellgardt

Rostock. Bei der Hanse Sail gibt es viele Kapitäne, aber nur einen Kommandanten: Holger Bellgardt ist der Leiter des Hanse-Sail-Büros und damit verantwortlich für das größte Volksfest in MV mit einer Million Besuchern und fast 200 Schiffen. Seit 2005 hat er den Job und noch immer macht er ihm Spaß. „Wir haben Gäste aus vielen Ländern, erleben andere Sprachen und andere Kulturen. Für mich und mein Team ist die Internationalität eine besondere Herausforderung. Aber ich genieße das und empfinde es als sehr wertvoll“, sagt der 55-Jährige.

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Seit dem Jahr 2005 leitet der heute 55-Jährige das große Rostocker Seglertreffen – und er weint immer noch Freudentränen, wenn sein Lieblingsschiff „Tre Kronor af Stockholm“ einläuft

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Vor allem die guten Beziehungen zu den Nachbarn im Osten sind Bellgardt wichtig. Beispiel Polen: „Fast alle Schiffe, die in Danzig oder Gdynia liegen, kommen zur Hanse Sail“, freut sich Bellgardt. Aber auch die Russen seien in Rostock willkommen – ungeachtet der weltpolitischen Entwicklung. „Die Hanse Sail ist ein Kind der Wende, sie war ein Ausdruck des neuen Freiheitsgefühls.“ Derzeit gebe es Anzeichen, dass die Freizügigkeit eingeschränkt wird: „Daher ist es ein gutes Zeichen, dass mit der ,Sedov’ und der ,Kruzenshtern’ wieder die größten russischen Segler kommen, um den Kontakt zu halten.“ Bellgardt ist selbst kein Segler. „Aber als Rostocker habe ich natürlich einen Bezug zum Wasser. Ich habe auch lange im Hafen gearbeitet.“ Gerade deswegen habe er einen gehörigen Respekt vor den Naturgewalten auf See. „Ich bin einmal bei einer Regatta auf der Nordsee in schwere See geraten. Das vergisst man nicht.“ Trotz dieser Grenzerfahrung würde der 55-Jährige jedem empfehlen, auch mal eine Tour auf hoher See zu machen: „Das ist auch ein Stückchen Selbstüberwindung und Selbsterfahrung – ein tolles Erlebnis.“

Bei der Hanse Sail fährt Bellgardt auch auf mehreren Schiffen mit, etwa bei einer Regatta auf der niederländischen „Tolkien“. „Da packe ich dann auch selbst mit an.“ Sein Lieblingsschiff sei aber die „Tre Kronor af Stockholm“, verrät der Sail-Chef. „Ich habe schon ihren Bau mitverfolgt und auch selbst gespendet.“ Die „Tre Kronor“ sei ein besonders schönes Schiff mit Holzrumpf und spektakulärer Takelage. „Wenn sie in Warnemünde unter vollen Segeln einläuft, bekomme ich eine Gänsehaut, es können sogar Freudentränen fließen.“

Solche Momente sind dann eine Entschädigung für die Arbeit, die Bellgardt das ganze Jahr über in die Hanse Sail steckt. Zudem engagiert er sich im Hanse-Sail-Verein, im Verbund der Ostsee-Seglerfeste, der Baltic Sail, im Verband der maritimen Feste in Deutschland und in der europäischen Organisation der Traditionsschiffe (EMH).

Auf die Frage, welchen Ausgleich er außerhalb der Arbeit findet, antwortet er: „Keinen.“ Aber dann fallen ihm doch Hobbys jenseits von Segeln und Planken ein: „Ich lese gerne mal ein Buch oder höre Musik – leider viel zu wenig.“ Auch der tägliche Weg zur Arbeit, den Bellgardt mit dem Fahrrad zurücklegt, sorgt für Ausgleich. „Das genieße ich sehr. In den Ferien mache ich auch mal längere Touren.“ So radelte er vor einer Weile zu seinem Bruder in Frankfurt (Oder). Weite Reisen unternehmen Bellgardt und seine Frau Marit nicht: „Ich bleibe am liebsten im Land.“

Jetzt gehört seine Aufmerksamkeit aber der Hanse Sail. Deren schönster Moment ist für Bellgardt der Sonntagabend, kurz vor dem Ende der Veranstaltung: „Wenn sich das Publikum zerstreut und es auf den Bühnen ruhiger wird, laufe ich noch einmal die Reihe der Schiffe ab. Wenn bis dahin alles geklappt hat, weiß ich, wofür wir ein Jahr lang gearbeitet haben.“

Axel Büssem

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