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MV aktuell Bluthochdruck wird oft viel zu spät erkannt
Nachrichten MV aktuell Bluthochdruck wird oft viel zu spät erkannt
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17:54 12.10.2018
Professionelles Blutdruckmessen in der Stralsunder Ratsapotheke: Mareen Darmer misst bei ihrem Kunden Volker Busch mit einem modernen Blutdruckmessgerät, ob bei ihm Anzeichen einer Hypertonie  vorliegen. Diesen Service bieten in der kommenden Woche rund 50 Apotheken auch im Nordosten an. Quelle: CHRISTIAN RÖDEL
Rostock

Durch den wachsenden Alltagsstress haben es viele von uns verlernt, sich selbst wahrzunehmen und die Signale des Körpers richtig zu deuten. Der 61-jährigen Internistin Dr. Annegret Schlicht begegneten bei ihren Patienten die immer gleichen Verhaltensmuster. Sie, die unter anderem zehn Jahre als Chefärztin im Bereich Innere Medizin der Boddenkliniken Ribnitz-Damgarten gearbeitet hat, beschreibt einen Teufelskreis.

Klar sei den Erkrankten oft, dass zu wenig Bewegung, zu viel tierische Fette und Zucker in der Nahrung und regelmäßiger Alkoholkonsum Übergewicht verursachen und dadurch einen hohen Blutdruck und häufig zugleich auch einen Diabetes mellitus Typ 2 bedingen. Dauerstress und Rauchen fügen sich in den Reigen der Risikofaktoren ein.

Tatsächlich befinden sich die Betreffenden aber oft in einer Art „Hamsterrad“. Durch den zunehmenden Druck  auf Arbeit fühlen sie sich am Abend ausgelaugt. Statt noch einen  Spaziergang zu machen, gibt es abends einen Mix aus Fettem und Kohlenhydraten. Alkohol zur Entspannung ist keine Seltenheit.i“. „Für kurze Zeit entsteht  ein Glücksgefühl, obwohl bekannt ist, dass sich zum Beispiel die übermäßige Kalorienzufuhr zu später Stunde schädlich auswirkt. Es scheint, als habe die Vernunft Dauerurlaub“, sagt die erfahrene Ärztin.

Nicht selten klagen die Betroffenen über Schlafstörungen und wachen nachts zwischen zwei und drei Uhr auf, um neben der schweren Abendmahlzeit auch noch ihre täglichen Sorgen zu verdauen. Der nächste Morgen beginnt dann bereits unentspannt mit einem höheren Blutdruck. Sie selbst spricht sich dabei nicht frei von solchen Freveln, in hektischen Arbeitsphasen mitunter in einen solchen Trott gefallen zu sein.

Bereits heute leiden bis zu 20 Prozent aller Bundesbürger an einer arteriellen Hypertonie, also an Bluthochdruck. „In etwa 90 Prozent der Fälle finden wir keine bestimmte oder einzelne auslösende Ursache. Vielmehr vermischen sich vererbliche Faktoren und vor allem die besagten schädlichen Lebensgewohnheiten“, analysiert das Mitglied des Vorstandes des Ärztekammer MV. Bei nur fünf bis zehn Prozent der Hypertoniker sei Bluthochdruck eine Folge beispielsweise hormoneller Störungen oder Nierenerkrankungen.

„Das Gefährliche ist, dass diese Erkrankung oftmals viel zu spät erkannt wird. Denn Bluthochdruck verursacht anfänglich keine Schmerzen“, so  Dr. Schlicht. Erfolgt jedoch keine Behandlung, kommt es häufig zu massiven Schäden an den Blutgefäßen. Die stetige Druckbelastung der Innenwände der Blutgefäße begünstigt die Einlagerung von Kalk und Fetten in die Gefäßwände. Dadurch wird eine vorzeitige Gefäßverkalkung – die Arteriosklerose – begünstigt.

Dramatisch stellt sich hier die Situation im Nordosten dar. Nahezu jedes siebte Vorschulkind in MV ist zu dick. Bei den Schuleingangsuntersuchungen im Schuljahr 2016/17 stellten die Ärzte bei 13,5 Prozent der Kinder Übergewicht fest. Im Jahr davor lag der Anteil noch bei 12,1 Prozent. Die bereits im Kindesalter verfestigten Verhaltensmuster später abzulegen – etwa das natürliche Sättigungsgefühl zu ignorieren –, erweist sich als verdammt schwer. Alleine schaffen es viele gar nicht.

Denn die Chance sei groß, alleine durch eine Veränderung des Lebensstils den Bluthochdruck zu bekämpfen. „78 Prozent der an einer primären Hypertonie Erkrankten –  also  einem Bluthochdruck, dessen   Ursache nicht bekannt ist – können ihren Wert so um vier bis neun mmHg senken.“ Eine Reduktion des Körpergewichts um fünf Kilogramm könne den Blutdruck Wert um bis zu fünf mm Hg verringern, erläutert Dr. Annegret Schlicht. Das entspricht der Wirkung einer täglich eingenommenen Tablette eines Präparates zur Blutdrucksenkung. Ein völliger Verzicht auf blutdrucksenkende Medikamente ist indes nur bei rechtzeitigem Handeln denkbar, wenn es beim Patienten noch nicht zu bleibenden Schäden am Herzen, den Nieren und am Gefäßsystem gekommen ist.

Jeder muss seinen eigenen Weg finden, etwas zu verändern. Zunächst sollte aber jeder Betroffene die Diagnose einer Hypertonie ernst nehmen und seine Lebensweise analysieren und sich vom Hausarzt beraten lassen. Die Mecklenburgerin empfiehlt  Betroffenen viele kleine, aber beharrliche, Schritte beim Bekämpfen dieser tückischen Erkrankung.  Dazu zählen eine zehn- bis 15-minütige morgendliche Gymnastik, das Erlernen von Entspannungstechniken, das Hören klassischer Musik sowie ausgiebige Spaziergänge an der frischen Luft. Der Einkauf von Lebensmitteln sollte mit Bedacht erfolgen.

„Ich selbst verzichte seit geraumer Zeit zum Beispiel auf verarbeitete Wurstprodukte und überhaupt auf Fertigprodukte, Auszugsmehle und Zucker, arbeite viel im Garten, bin täglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und werde meine Qigong-Kenntnisse auffrischen. Meine guten Gene werden mich auf Dauer bei einigen Kilogramm Übergewicht auch nicht vor Hypertonie und Diabetes schützen, das ist mir bewusst.“ Bei der Anwendung der  Traditionellen Chinesischen Medizin legt die Ärztin im Ruhestand  vor allem Wert auf die Konzentrations- und Entspannungstechniken sowie das Wiedererlernen der Körperwahrnehmung.

Risikofaktor Bluthochdruck

500 000 Menschenwerden jährlich bundesweit wegen einer Herzschwäche im Krankenhaus behandelt. Bei mehr als zwei Dritteln sind die Ursachen Durchblutungsstörungen des Herzmuskels oder Bluthochdruck. Das Risiko für eine Herzschwäche oder einen Schlaganfall ist für Patienten mit einem unbehandelten Bluthochdruck 2,5-fach höher als für Patienten ohne Hypertonie. Etwa 400 000 Menschen sterben jährlich in Deutschland in Folge der durch Bluthochdruck verursachten Erkrankungen.

Dr. Annegret Schlicht (61) ist Mitglied des Präventionsausschusses der Ärztekammer MV, Internistin und führende Chefärztin im Bereich Innere Medizin der Boddenkliniken Ribnitz-Damgarten. Quelle: Christian Rödel

Stichwort Bluthochdruck

Von einem Bluthochdruckwird hierzulande gesprochen, wenn bei verschiedenen Messungen in der ärztlichen Praxis an unterschiedlichen Tagen Werte von 140 zu 90mmHg oder höher auftreten. Bei Selbstmessungen zu Hause liegt laut Aussage der Experten die Obergrenze bei 135 zu 85 mmHg. Der Grund für die unterschiedlichen Werte liegt darin, dass sich bei einigen Menschen in der Sprechstunde infolge einer inneren Anspannung höhere Werte ergeben als bei der Selbstmessung in vertrauter Umgebung.

Aufgepasst: Für die Diagnose Bluthochdruck müssen nicht beide Grenzwerte des Blutdrucks überschritten sein. Auch wenn nur einer erreicht ist, liegt ein Bluthochdruck vor.

Primärer Bluthochdruck

Bei rund 95 Prozent aller Menschen, die an Bluthochdruck leiden, ist die Ursache unbekannt. Die primäre oder essenzielle Hypertonie resultiert aus dem Zusammenspiel vererblicher Faktoren sowie multipler Umwelteinflüsse. Als häufige Ursachen für diese Hypertonie gelten starkes Übergewicht, Rauchen, Stress, hoher Alkohol- und Salzkonsum, sowie Bewegungs- und Mineralstoffmangel.

Die Einheit der Blutdruckwerte ist „Millimeter Quecksilbersäule“, „mmHg“ oder mm Hg“. 1 mmHg ist der Druck, den eine Quecksilbersäule von 1 mm Höhe ausübt.

Sekundärer Bluthochdruck

Unter dem sekundären Bluthochdruck leiden rund fünf Prozent aller Menschen. Bei ihnen gibt es eine bekannte Ursache für die Erkrankung. Sie ist oft die Folge einer etwa einer Nieren- oder Herzerkrankung bzw. Störung im Hormonhaushalt.

Volker Penne

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