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MV aktuell Herzinfarkt hinterm Lenkrad: Mitreisende können Bus stoppen
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00:01 12.05.2016

Die Geistesgegenwart einer Mittfünfzigerin und eines 74-jährigen Mannes hat gestern auf Rügen womöglich eine Katastrophe verhindert. Beide brachten auf der Landstraße zur Anlegestelle nach Schaprode nahe Trent einen voll besetzten Reisebus zum Stehen, dessen Fahrerin gerade einen Herzinfarkt erlitten hatte.

In diesem Bus erlitt die Fahrerin den Herzinfarkt. Quelle: Jens-Uwe Berndt

Sie war engagiert, beliebt und mit Leib und Seele Busfahrerin.“Ralf Schwertheim, Inhaber des Busunternehmens aus Lippetal

Gegen 9.45 Uhr war die 58-Jährige überm Lenkrad zusammengesackt, was den Bus ins Schlingern brachte. Eine neben der Fahrerin sitzende Freundin hat nach Informationen der OSTSEE-ZEITUNG sofort ins Lenkrad gegriffen, ein 74-jähriger Mitreisender soll die Feststellbremse bedient haben. Die 30-köpfige Reisegesellschaft kam mit dem Schrecken davon, brach den Tagesausflug, der auf die Insel Hiddensee führen sollte, aber ab. Die Fahrerin verstarb trotz sofort eingeleiteter Rettungsversuche.

25 Jahre arbeitete die Frau für Schwertheim Touristik in Lippetal (Nordrhein-Westfalen). „Sie war engagiert, beliebt mit Leib und Seele Busfahrerin“, sagt Inhaber Ralf Schwertheim. Er führt das seit 92 Jahren existierende Unternehmen, zu dem 24 Busse gehören. „Wir sind sehr erschüttert.“ Die Verstorbene soll fit gewesen sein, habe lediglich eine Erkältung gehabt, meint der Geschäftsführer.

Die Reisegruppe hielt sich vier Tage auf Rügen auf und reist heute wieder ab. Vornehmlich Senioren waren auf die vom Lippetaler Touristik-Betrieb organisierte Tour auf die größte Insel Deutschlands gegangen. Sie wohnten im Sassnitzer Rügen Hotel.

Die Mitreisenden standen gestern unter Schock. Sie hatten nicht nur mit ansehen müssen, wie die Fahrerin einen Herzinfarkt erlitt, auch soll sie nach OZ-Informationen bei der Vollbremsung derart heftig gegen die Frontscheibe geschleudert worden sein, dass diese einriss. Der Rentner, der den Bus stoppte, hat sich laut Angaben der Polizei bei seiner Rettungstat leicht verletzt.

Nach der Tragödie sorgte die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) dafür, dass der Bus nach Bergen auf den Betriebshof des Nahverkehrsunternehmens gebracht wurde. Die Reisegesellschaft wurde von einem Bus zurück nach Sassnitz gebracht, der zu einem Touristikunternehmen in der Nähe von Lippetal gehört. Dieser hatte ebenfalls Urlauber nach Schaprode bringen wollen, und war durch Zufall an der Unglücksstelle vorbeigefahren.

„Ich bin so froh, dass der Bus nicht verunglückt ist“, sagt Ralf Schwertheim. Und ihm sei klar, dass ohne das beherzte Eingreifen der beiden Insassen viel Schlimmeres hätte passieren können. Wie er sich bei der Freundin der Verstorbenen und dem 74-Jährigen bedanken wird, wisse er noch nicht. Dazu sei das Ereignis zu frisch, meint Schwertheim.

An dem Bus entstand ein Schaden von rund 2000 Euro.

Von Jens-Uwe Berndt

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