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Herzkreislauf-Probleme sind in MV häufige Todesursache

Herzkreislauf-Probleme sind in MV häufige Todesursache

400 Herz-Spezialisten aus aller Welt beraten ab heute in Rostock / Tagungspräsident Prof. Felix betont Rolle der Gentechnik in der Therapie

Rostock Im Kongresszentrum Hohe Düne in Rostock-Warnemünde beginnt heute eine Tagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Bis zum Sonnabend beraten im Ostseebad 400 Ärzte und Forscher aus aller Welt. Über Ziele und Schwerpunkte der Konferenz, die zum Thema Herzmuskelerkrankungen tagt, sprach die OSTSEE-ZEITUNG mit dem Tagungsleiter Prof.

 

OZ-Bild

Prof. Stephan Felix

Quelle: P. Binder

Stephan Felix, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B an der Universitätsmedizin Greifswald.

Die wichtigste kardiologische Fachgesellschaft in Europa – sie vereint rund 40000 Ärzte und Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Kardiologie klinisch und in der Grundlagenforschung arbeiten – tagt erstmals in MV. Was gab den Ausschlag dafür, den Nordosten als Austragungsort zu wählen?

Prof. Stephan Felix: Ich wurde von der Arbeitsgruppe für Herzmuskelschwäche und Herzbeutelerkrankungen des ESC gefragt, ob ich Tagungspräsident sein möchte. Und die Veranstaltung könnte doch in München oder Frankfurt am Main stattfinden. Doch ich bin Klinikchef in Greifswald und habe erklärt, dass dieser bedeutsame Kongress erstmals in MV stattfinden sollte.

Die Herzspezialisten diskutieren aktuellste Diagnose- und Therapieverfahren von Herzmuskelerkrankungen und Herzmuskelentzündungen bis hin zur Herzmuskelschwäche. Wie steht es um die Herzgesundheit der Europäer?

Prof. Felix: Insgesamt haben die Risikofaktoren für Herzerkrankungen abgenommen. Die Prognose für Herzmuskelschwäche aber ist noch immer mit einer sehr schlechten Prognose behaftet.

Was bedeutet das konkret?

Prof. Felix: Das heißt, sie befindet sich im Bereich bösartiger Krebserkrankungen. Die mittlere Lebenserwartung eines Patienten, der wegen einer akuten Herzmuskelschwäche stationär aufgenommen werden muss, liegt bei circa zwei Jahren, wie eine kürzlich publizierte europäische Studie zeigt.

Sie und Ihre Greifswalder Kollegen forschen seit Jahren erfolgreich zu Herzmuskelerkrankungen und sind ein Standort des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK). Hat MV besonders viele Herz-Patienten?

Prof. Felix: Ja. Herzkreislauf-Probleme sind bundesweit und gerade in MV die Erkrankung Nummer 1, die dazu führt, dass Patienten stationär behandelt werden müssen.

Wie lange dauert ein Klinikaufenthalt im Schnitt?

Prof. Felix: Bei einem Patienten, der mit einer schweren Herzmuskelschwäche aufgenommen wird, kann ein Aufenthalt von mehreren Wochen nötig sein, um ihm zu helfen.

Die in Ihrer Klinik seit 1997 durchgeführte Gesundheitsstudie SHIP – Study of Health in Pomerania – ist ein Langzeitprojekt. Rund 9000 Frauen und Männer wurden bisher intensiv untersucht. Welche Erkenntnisse gibt es hinsichtlich der Herzmuskelschwäche?

Prof. Felix: Die Ergebnisse der kardiologischen Untersuchungen von Probanden aus der SHIP-Studie lassen sich im Zeitverlauf exzellent vergleichen mit Untersuchungsbefunden unserer in Greifswald betreuten Patientengruppe mit Herzmuskelschwäche. Diese Gruppe umfasst mehr als 2000 Personen.

Ihre Forschungsergebnisse sind europaweit von Bedeutung.

Prof. Felix: Das kann man wirklich so einschätzen. Es ist ein Grund dafür, dass die Universitätsmedizin Greifswald als ein DZHK-Standort von einem internationalen Gutachtergremium ausgewählt wurde.

Erkrankungen des Herzmuskels stören die Funktion des Herzens. Der Körper wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folgen sind Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Herzrhythmusstörungen, die oft lebensbedrohlich sind. Werden neue Diagnosemethoden auf der Tagung vorgestellt?

Prof. Felix: Es wird unter anderem einen Workshop geben, der die diagnostischen Möglichkeiten des Erkennens der Herzmuskelschwäche mittels bildgebender Verfahren und neuer sogenannter Biomarker zum Inhalt hat.

Was sind das für Biomarker?

Prof. Felix: Das sind Marker, die bei Herzinsuffizienz freigesetzt werden. Also Stoffwechselprodukte – Hormone und Eiweiße – , die im Blut nachweisbar sind. Sie zeigen den Schweregrad der Herzmuskelschwäche an.

Welche Erwartungen hinsichtlich neuer Therapieverfahren verbinden Sie mit dem Kongress?

Prof. Felix: Bei den neuen Therapieverfahren wird auch die Gentechnik eine Rolle spielen. Dazu gehört das Einschleusen von Genen in Herzmuskelzellen. Andere Therapieverfahren setzen Botenstoffe von Genen zur Behandlung von Herzmuskelerkrankungen ein.

OZ-Aktion „Herzkiller“

Das menschliche Herz vollführt täglich rund 100000 Schläge – eine Top-Leistung. Unser Supermuskel wird aber durch Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen extrem gestresst. Höchste Zeit, über die unterschätzten Risiken aufzuklären.

Die OSTSEE-ZEITUNG startet in der kommenden Woche mit Experten der Unimedizin Rostock und Greifswald, des Klinikums Karlsburg, den Helios Kliniken Schwerin und des KMG Klinikums Güstrow die vierwöchige Ratgeberserie „Herzkiller“. Fachleute geben Tipps, erläutern Hintergründe und antworten auf Leserfragen.

Interview von Volker Penne

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