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Hetzjagd auf Ausländer

Schwerin Hetzjagd auf Ausländer

Eskalation in Schwerin war laut Polizei in der rechten Szene gut vorbereitet

Schwerin. Erst war es ein gewalttätiger Zusammenstoß zwischen Deutschen und Ausländern, nun eine organisierte Hetzjagd: Rechtsextreme aus vielen Teilen Mecklenburgs waren an den Ausschreitungen gegen Migranten am Schweriner Marienplatz vergangenen Freitag beteiligt, bestätigt die Polizei. Gezielt hätten sich die rechten Schläger verabredet; sie stammen auch aus Rostock und Wismar.

„Einige sind eindeutig der rechten Szene zuzuordnen“, sagt Sophie Pawelke, Sprecherin des Rostocker Polizeipräsidiums. Die Tatverdächtigen seien schon vorher aufgefallen – wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch oder Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Ein Teil stamme aus dem „Umfeld des Thinghauses“ in Grevesmühlen, ein Neonazi-Treff. Dass sie am Freitag zu einem gewalttätigen Mob am zentralen Marienplatz in Schwerin verschmolzen, den junge Flüchtlinge als Treffpunkt nutzen, war wohl alles andere als Zufall. Die Schweriner Polizei gehe davon aus, dass sich die Gewalttäter gezielt verabredet hätten, sagt Sprecher Steffen Salow. Übers Internet? „Wohl eher über What’s app“, eine digitale Nachrichten-Plattform. „In geschlossene Gruppen haben wir leider keinen Einblick.“

Auch die Zahl der Teilnehmer war wohl deutlich höher als bisher bekannt. Zunächst war von 30 die Rede. Dies allerdings sei die Zahl der Personen gewesen, „deren Identität wir überprüft haben“, sagt der Polizeisprecher. Weitere seien in Seitenstraßen verschwunden, als die Polizei auftauchte. Salow räumt ein, dass die Polizei beim Einsatz personell nicht sehr stark vertreten gewesen sei.

Die späteren Schläger hatten sich wohl im Schlosspark getroffen und seien dann zum Marienplatz gezogen. Dort gingen sie auf eine Gruppe von etwa zehn Flüchtlingen los, die in der Falle saßen. Die Deutschen schlugen und traten auf die Ausländer ein, ein Jugendlicher wurde dabei verletzt.

Für die Polizei ist der Marienplatz zunehmend Konfliktzone. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen und Straftaten. Vor zwei Wochen soll bei einem Streit ein Messer gezogen worden sein, ein Unbeteiligter wurde geschlagen. Anwohner beklagen Lärm und Raufereien von Flüchtlingen.

„Der Marienplatz wird weiter in den Mittelpunkt rücken“, glaubt Marc Brandstetter von der Initiative Endstation Rechts, die Rechtsextremisten landesweit beobachtet. Denn die rechtsextreme Szene in MV sei in Bewegung, nicht zuletzt wegen des Ausscheidens der NPD aus dem Landtag. Neu in der Landeshauptstadt gebildet hat sich eine Gruppe, die sich „Nationale Sozialisten Schwerin“ nennt. Nach den Pöbeleien gegen Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden verschickte sie die Nachricht: „Deutschland ist stolz auf seine Sachsen.“ Die Polizei erklärt: Sie habe ein Auge drauf.

Frank Pubantz

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