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MV aktuell „Hier kann man sich die Nachbarn aussuchen“
Nachrichten MV aktuell „Hier kann man sich die Nachbarn aussuchen“
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00:01 04.06.2016

Rostock Ein Haus mit 20 Wohneinheiten bauen, mit 20 künftigen Eigentümern, und ganz ohne Investor und Makler? Was sich anhört wie ein schier aussichtsloses Unterfangen, ist das Spezialgebiet von Heike Lachmann und Martin Paetzold. Die beiden freien Architekten  haben mit ihrem Büro cubus architekten in Rostock und Berlin  mittlerweile acht Baugemeinschaftsprojekte verwirklicht. Aktuelles Arbeitsfeld: die Baugemeinschaft „Altstadtkieker“ im Rostocker Petriviertel. Die Häuser der „Bröker“, einer Baugemeinschaft gleich nebenan, sind bereits fertig.

Was ist denn normalerweise zuerst da – die Interessenten, das Grundstück oder das Bauprojekt?

Heike Lachmann: Zumeist das Grundstück, und dann sucht man sich die potenziellen Bauherren.

Die sind doch sicher oft ganz unterschiedlich – wie bekommt man deren Interessen unter einen Hut?

Martin Paetzold: Das genau ist die Kunst: Leute zusammenzuführen.

Und das klappt?

Paetzold: Ja, bisher immer.

Wie kommt man dazu, sich auf Baugemeinschaften zu spezialisieren?

Paetzold: Erste Projekte haben wir schon während unseres Architekturstudiums kennengelernt – in den Niederlanden und Dänemark.

Lachmann: Dort war der Wohnungsmarkt schon länger auf solche Gemeinschaftsprojekte eingestellt. Dies hat uns inspiriert. Wir sehen unsere Aufgabe im Wohnungsbau darin, die Generationen wieder zusammenzubringen. Auf nachbarschaftlicher Basis – ohne Zwang.

Paetzold: Als wir uns 2003 mit cubus architekten in Rostock selbstständig gemacht haben, begann die Idee der Baugemeinschaften in Berlin gerade Fuß zu fassen. Dort haben wir dann auch unser erstes Projekt verwirklicht.

Welche Vorteile bietet eine Baugemeinschaft?

Paetzold: Es entstehen keine Zufallsgemeinschaften, man kann sich seine Nachbarn aussuchen. Die ticken oft ähnlich, haben oft Wohngemeinschafts-Erfahrungen. Zudem bietet solch ein Projekt  die Chance, als Familie eine bezahlbare, zentrumsnahe und große Wohnung zu bekommen. Und: Bei den „Altstadtkiekern“ zum Beispiel gibt es durch den gemeinschaftlich genutzten Innenhof tolle Möglichkeiten für Kinder.

Lachmann: Es wird zum Selbstkostenpreis gebaut, Bauträger- und Maklergebühren entfallen. Dazu kommt: Ein Bauherr hat mehr Gestaltungsspielräume als einer, der nur eine Wohnung kauft.

Hier lassen sich oft auch Wohnungszuschnitte ändern, es gibt Gemeinschaftsräume und – Beispiel „Altstadtkieker“ – auch eine kleine Werkstatt und eine Gästewohnung.  

Was ist nicht verhandelbar?

Lachmann: Statik, Fassadengestaltung, Fenster und Lage der Schächte können nicht verändert werden.

Wie werden Partner ausgesucht?

Lachmann: Die Bauherren bilden eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Will man GbR-Mitglied werden, muss man sich den bisherigen Gesellschaftern vorstellen und entsprechende Finanznachweise erbringen. Die GbR entscheidet dann, ob der neue Bewerber einsteigen darf. Da geht es dann auch um solche Fragen, ob die Wohnung selbst genutzt werden soll.

Wie läuft die Finanzierung?

Lachmann: Es gibt eine finanzierende Bank, bei der alle Bauherren eine individuelle Finanzierung abschließen. In unserem Fall ist das die Umweltbank, die auf die Finanzierung von Baugruppen spezialisiert ist. Mit dem Eintritt in die GbR ist ein Eintrittsgeld zu zahlen. Die ersten Gesellschafter brachten das Geld für den Grundstückskauf aus Eigenmitteln auf – und noch bevor der Bau startet, braucht man ja auch Geld.

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