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MV aktuell Hier wird scharf geschossen: Polizei weiht Übungsanlage ein
Nachrichten MV aktuell Hier wird scharf geschossen: Polizei weiht Übungsanlage ein
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00:05 01.02.2018
Güstrow

„Ich knall’ euch ab“, ruft der Mann hinter der Gartenmauer und richtet seine Pistole auf die Polizisten. Doch bevor er abdrücken kann, sinkt der Angreifer selbst von einer Kugel getroffen zu Boden. Blut fließt aber nicht, denn die Kugel landet in Wirklichkeit nur in einer Papierleinwand. Und der Mann sieht zwar echt aus, ist aber nur eine Projektion in der neuen Raumschießanlage, die gestern in der Polizeifachhochschule in Güstrow offiziell übergeben wurde.

6,3-Millionen-Euro-Bau mit modernster Technik in Güstrow übergeben

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz

Caffier (CDU) FOTO: BÜTTNER/DPA

Die Hälfte der Kosten von 6,3 Millionen Euro floss in die Technik. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nennt die Anlage „die modernste in Norddeutschland“. Sie sei notwendig für eine zeitgemäße Ausbildung der Polizisten. „Wir müssen intensiv ausbilden, da auch die Anforderungen an die Polizisten steigen“, so der Minister. „Wir beobachten eine Verrohung der Gesellschaft und eine weltweit veränderte Sicherheitsarchitektur. Darauf müssen wir reagieren.“

Um der Realität so nahe wie möglich zu kommen, wird in der Anlage ausschließlich scharf geschossen, erklärt der Projekt-Verantwortliche Sebastian Rathmann. Rund 40 Einsatzszenarien hat die Schule selbst entwickelt, abgestimmt auf die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzer, vom angehenden Polizisten bis zu Mitgliedern der SEK-Spezialkräfte.

Dafür wurden unter anderem ganze Straßenzüge abfotografiert, die auf die drei rechtwinklig angeordneten Leinwände projiziert werden. In diese Kulissen können dann Personen und Objekte eingefügt werden – wie der Todesschütze hinter der Gartenmauer. Der Schütze, der mit dem Rücken zur vierten Wand steht, hat also einen 180-Grad-Blick auf das Szenario. „Bis zu neun Schützen können gleichzeitig üben, drei in jede Richtung“, erklärt Rathmann.

Wenn heftig geschossen wird, besteht die Gefahr, dass im wahrsten Sinne des Wortes die Luft brennt: „Bei einer Übung sind maximal 3000 Schuss erlaubt, danach muss der Raum gereinigt werden, weil sich sonst zu viele unverbrannte Pulverreste ansammeln, die sich entzünden könnten“, sagt Rathmann. Um die mit Pulverdampf und Blei geschwängerte Luft auszutauschen, werden pro Stunde 73000

Kubikmeter Luft ausgetauscht. „Das entspricht etwa 1000 Lkw“, rechnet Rathmann vor. Die Lüftung nimmt alleine ein Drittel der gesamten Anlage ein.

Um die Bilder an die Wand zu werfen, sind in der Decke sechs Hochleistungsbeamer installiert. Die Schießleistung der Übungsteilnehmer wird mit Hilfe von 20 Kameras erfasst. „Hinter der Leinwand sind Infrarotscheinwerfer verbaut. Die Kameras erfassen dann das infrarote Licht, das durch das Einschussloch dringt“, erklärt Rathmann. Die Rechner können sich bis zu 1000 verschiedene Treffer merken.

Die Löcher in der Leinwand werden nach einer Übung einfach zugeklebt. Erst wenn sie einige tausend Treffer abbekommen hat, muss sie ausgewechselt werden. Trotz der vielen Kugeln, die durch den Raum fliegen, sei gewährleistet, dass sich die Schützen nicht versehentlich gegenseitig treffen, versichert Rathmann. „Jedem Schützen steht ein eigener Schießtrainer zur Seite.“ Zum Schutz tragen dennoch alle schusssichere Westen.

Geplant wurde die Raumschießanlage seit 2011. Die Direktorin der Fachhochschule, Marion Rauchert, sagte: „Damals war nicht absehbar, dass Terror oder Amokläufe – und damit auch die Anwendung der Schusswaffe durch die Polizei – so an Bedeutung gewinnen würden.“ Die neue Anlage sei ein entscheidender Baustein, um die Sicherheit zu verbessern, so Rauchert: „Nicht nur für den Bürger, auch für die Beamten im Einsatz“. Sie komplettiere zudem die moderne Ausstattung der Schule, die in den letzten Jahren bereits eine neue Sporthalle und ein Einsatz-Trainingscenter erhalten hatte.

25 Meter lang ist die zweite, klassische Schießbahn in der neuen Raumschießanlage der Polizeifachhochschule Güstrow. Anders als die 180-Grad-Anlage hat sie nur eine Leinwand, auf die Gefahrensituationen projiziert werden. Die Polizisten können vom einen Ende der Bahn auf die Leinwand vorrücken. Mobile Hindernisse erschweren den Weg.Bisher übte die Landespolizei MV auf herkömmlichen Schießständen und in Containern. Diese wurden jedoch nach Aussage des Schweriner Innenministeriums den wachsenden Anforderungen im Polizeialltag nicht mehr gerecht. Die neue Schießanlage sei auch nötig gewesen, weil die Zahl der Polizeischüler in den letzten Jahren gestiegen sei.

Axel Büssem

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