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MV aktuell Hirsch stirbt qualvoll – Vorwürfe an Jäger
Nachrichten MV aktuell Hirsch stirbt qualvoll – Vorwürfe an Jäger
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00:01 27.07.2016

Die Bilder lassen Dieter und Martina Schlange aus Marlow nicht mehr los. Sie benutzen Worte wie „barbarisch“ und „grausam“, wenn sie das Erlebnis vom vergangenen Sonnabend schildern, das schließlich mit einer Anzeige bei der Polizei wegen Tierquälerei und des grausamen Todes eines Hirsches endete. Zuvor hatten offenbar der zuständige Jäger und auch die Polizei keine gute Figur abgegeben.

Alles begann mit einem dumpfen Geräusch, das Martina Schlange in der Nacht zu Sonnabend gegen 1 Uhr geweckt hatte. Sie blickte aus dem Fenster und sah ein parkendes Auto vor ihrem Schlafzimmerfenster an der Landstraße 181 zwischen Marlow und Allerstorf. „Zwei Menschen leuchteten mit Taschenlampen, als suchten sie etwas. Dann fuhren sie mit ihrem Auto davon“, erinnert sich die Anwohnerin. Gewundert habe sie sich, aber nichts Auffälliges entdecken können. Am nächsten Morgen gegen 9.30 Uhr, als Dieter Schlange mit seinem Hund „Buddy“ Gassi ging, machte er einen Fund. Der Grund für den Knall in der Nacht: ein Wildunfall. „Der ausgewachsene Hirsch lag angefahren auf der Wiese nahe unseres Grundstücks. Seine Hinterläufe waren gebrochen, er robbte auf dem Boden entlang und muss schreckliche Schmerzen ausgestanden haben.“ Dieter Schlange rief umgehend einen Jäger an, schilderte die Situation und gab eine Wegbeschreibung durch. „Er sollte ihn mit einem tödlichen Schuss erlösen“, erklärt Schlange.

Eine Dreiviertelstunde wartete das Ehepaar bei dem verendenden Tier auf den Jäger – doch niemand kam. „Es war schrecklich anzusehen. Man hätte ihm nicht mehr helfen können“, sagt auch Martina Schlange traurig. Doch noch war kein Ende der Quälerei abzusehen. Gegen 17.30 Uhr lag der Hirsch noch immer da. „Er lebte und seine Hinterläufe waren stark angeschwollen und blau verfärbt. Krähen hatten sich um ihn geschart“, schildert Martina Schlange. Dem Ehepaar reichte es. Die Schlanges riefen die Polizei, die umgehend eintraf. Doch nach drei abgefeuerten Schüssen aus der Pistole eines Beamten lebte der Hirsch offenbar noch immer. Laut Polizeiprotokoll sei das Tier zwar tot gewesen. Doch trotzdem holten sich die Beamten Hilfe bei dem erfahrenen Jäger Werner Voss. Der sagt: „Ich habe ihn gegen 20 Uhr mit einem Schuss in den Hals von seinen Qualen befreit, obwohl es gar nicht mein Jagdrevier ist. Wahrscheinlich haben unsere Polizisten wenig Erfahrung, wie man einen so großen Hirsch erledigt.“

Werner Voss war entsetzt, dass der zuständige Revierjäger Helmut Becker das Tier so lange leiden ließ, obwohl er bereits Samstagmorgen informiert worden war. Doch Becker, seit 1981 Jäger, möchte sich keine böse Absicht vorwerfen lassen. Zwei Stunden lang hätten er und sein Sohn nach dem Tier gesucht, es aber nicht gefunden. „Es geht mir sehr nahe, dass der Hirsch sich so quälen musste.“

Sein Jagdkollege Voss meint: „Es war nicht so schwer, das Tier zu finden. Ich habe es ja auch sofort entdeckt.“ Morgen will Voss sich Helmut Becker bei der Jagdversammlung „vorknöpfen“. „Denn hier steht der Ruf der Waidmänner auf dem Spiel“, erklärt er.

Carolin Riemer

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