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MV aktuell Höhere Pacht droht: Können bald nur noch Reiche jagen?
Nachrichten MV aktuell Höhere Pacht droht: Können bald nur noch Reiche jagen?
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00:05 15.11.2016

Ist die Jagd in Mecklenburg-Vorpommern künftig nur noch was für Reiche? Die Jagdgenossenschaften befürchten genau das. Denn ihre Verwaltungskosten sind extrem gestiegen – so sehr dass sie kaum noch Gewinne machen und deshalb vermutlich die Pachten dramatisch erhöhen müssen. „Das dürfte das Ende der Jagdpachtvergabe an nicht so finanzkräftige Jäger bedeuten“, befürchtet Marcus Schwarzer, Vorsitzender des Arbeitskreises der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden MV. Auch der Jagdverband ist besorgt: „Wird die Pacht erhöht, fallen die bodenständige Jagd und wichtige Ansprechpartner für die Menschen vor Ort weg“, sagt Pressesprecher Ulf-Peter Schwarz. Damit würden nur noch reiche Jäger zum Schuss kommen.

Schon jetzt drängen immer mehr Jäger aus anderen Bundesländern ins Wildparadies Vorpommern-Rügen. Oft seien es Gutverdiener, die versuchen, sich hier in die Jagd einzukaufen, sagt Kreisjägermeister Holger Nebel (die OZ berichtete). Die würden viel zahlen und damit die Pachten hochtreiben. Es gäbe Fälle, da würden locker 70 Euro pro Hektar gezahlt. Dann werde auf Trophäenjagd gegangen. Das habe mit Waidgerechtigkeit nichts zu tun, kritisiert Nebel.

Damit nicht jeder Grundstückseigentümer auf seinem Besitz wild umherschießen darf, gibt es Jagdgenossenschaften. Nur sie dürfen alle bejagbaren Flächen einer Gemeinde (in der Landwirtschaft, im Forst und auf dem Wasser) an die Jäger verpachten. Die Flächen müssen mindestens 150 Hektar groß sein. Die Vorstände arbeiten ehrenamtlich. Aktueller Kostentreiber für die Genossenschaften ist die Datenbeschaffung: Laut Gesetz müssen die Vorstände regelmäßig aktuelle Kataster vorlegen. Die weisen die Informationen aller Landeigentümer aus, die ihre Flächen für die Jagd zur Verfügung stellen.

„Die Kosten, um diese Daten zu bekommen, sind vor zwei Jahren in für uns unbezahlbare Höhen geklettert“, sagt Marcus Schwarzer. Aus ehemals 10 Cent pro Flurstück seien bis zu 2,30 Euro geworden. Für große Jagdgenossenschaften mit mehreren Tausend Hektar Land bedeutet das Ausgaben im hohen vierstelligen Bereich. „Es kann doch nicht sein, dass die Verwaltungskosten so hoch wie die Einnahmen sind und die Landesregierung nur mit den Schultern zuckt“, kritisiert Schwarzer. In vielen Bundesländern seien Sonderregelungen getroffen worden, zum Beispiel mit finanziellen Ermäßigungen bis zu 50 Prozent. Doch in MV habe die Regierung bislang nicht auf die Sorgen der Genossenschaften reagiert. Viele ehrenamtliche Jagdvorstände seien deshalb enttäuscht und würden mit dem Gedanken spielen, ihre Ämter niederzulegen. Würden sie das tatsächlich tun, müssten die Bürgermeister der betroffenen Ländereien die Aufgabe der Datenbeschaffung übernehmen. Das Kuriose: Sie müssen dafür nichts bezahlen.

Das Innenministerium, das für die Katasterämter zuständig ist, sieht derzeit keinen Spielraum für finanzielle Ermäßigungen: „Nach gegenwärtiger Rechtslage können Jagdgenossenschaften nicht von Verwaltungsgebühren befreit werden“, teilt eine Pressesprecherin mit. Um das zu ermöglichen, müsse der neue Landtag eine Gesetzesänderung beschließen. Darüber werde mit den Fraktionen geredet.

Kerstin Schröder

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