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MV aktuell Hoffnung für Männer mit Prostatakrebs
Nachrichten MV aktuell Hoffnung für Männer mit Prostatakrebs
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00:13 14.06.2018
Vorher und nachher: Auf dem linken Bild ist deutlich eine Lungenmetastase bei einem Prostatakrebspatienten zu erkennen, die mit Hilfe der neu entwickelten Lutetium-177-PSMA-Methode sichtbar gemacht wurde (gelber Pfeil). Nach drei Behandlungszyklen hat sie sich vollständig zurückgebildet (rechtes Bild). BILDER: UNIKLINIKUM ROSTOCK
Rostock

Henning von Storch war verzweifelt: Mehrfach wurde der heute 83-Jährige nach einer Prostatakrebserkrankung wegen Lungenmetastasen operiert. Immer wieder kamen sie nach einigen Monaten zurück. Doch dann wies ihn sein Arzt auf eine neue Methode hin, die am Rostocker Uniklinikum mitentwickelt wurde: Mit einer innovativen strahlungsbasierten Therapie bekämpfte das Team um Professor Bernd Krause im August 2017 die Metastasen erfolgreich. Seitdem sind keine neuen entstanden. „Ich fühle mich wieder wohl“, sagt von Storch.

Prof. Bernd Krause (l.) und Prof. Oliver Hakenberg (r.) besprechen mit ihrem Patienten Henning von Storch dessen Fall. Von Storch ist jetzt seit fast einem Jahr krebsfrei. Quelle: Foto: Ove Arscholl

Dabei stand es schon ziemlich schlecht um ihn: Die sogenannte Lutetium-177-PSMA-Therapie von Professor Krause ist für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs gedacht, bei denen sonst nichts mehr hilft und alle herkömmlichen Methoden, wie Chemo- oder Antihormontherapie, gemäß den Vorgaben der medizinischen Leitlinien erfolglos waren, erklärt der Nuklearmediziner.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. „Meistens bekommt man den Krebs mit Operationen, Medikamenten oder Bestrahlung unter Kontrolle“, erklärt Krause. Wenn der Krebs dennoch in ein fortgeschrittenes Stadium übergeht – wie bei von Storch –, bilden sich häufig Metastasen, unter anderem in Knochen oder in Lymphknoten. Dann kommt nach gewissenhafter Prüfung die neue Therapie zur Anwendung. Diese ist zwar noch nicht zugelassen, kann aber vom Arzt „in Ausübung ärztlicher Heilkunde“, wie es offiziell heißt, angewendet werden.

Die lässt sich mit einer wärmesuchenden Rakete mit Sprengkopf vergleichen: Die Rakete selbst ist ein spezielles Molekül. Es sucht im Körper gezielt nach einem einzigartigen Merkmal der Prostatatumorzelle, dem prostataspezifischen Membran-Antigen PSMA.

Wenn es das entdeckt, dockt es daran an. Der Sprengkopf in diesem Vergleich ist dann das radioaktive Nuklid Lutetium 177, das an das Molekül angehängt wird und mit seiner Beta-Strahlung die Tumorzelle zerstört.

„Die PSMA-Therapie wurde in Deutschland entwickelt“, erklärt Krause. Zwölf Krebszentren haben sich in einem Konsortium zusammengeschlossen, darunter auch die Rostocker Klinik für Nuklearmedizin, deren Direktor Krause ist. Die Therapie wird drei Mal im Abstand von acht Wochen angewandt. „Zwei Drittel aller Patienten profitieren davon“, sagt Krause. „Die Metastasen gehen deutlich zurück, oder es wird zumindest ihre Ausbreitung gestoppt. Häufig lassen auch die Schmerzen nach, und die Patienten werden leistungsfähiger.“ Alleine in Rostock werden rund hundert Männer pro Jahr auf diese Weise behandelt.

„Das ist auch ein positives Beispiel für exzellente medizinische Forschung in Deutschland, mit dem wir weltweit Aufmerksamkeit erregen“, konstatiert Krause, der zugleich Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin ist und die Abstimmung des Projekts in den deutschen Zentren geleitet hat. Unter anderem war Deutschland 2017 wegen der PSMA-Therapie Partnerland beim weltgrößten Nuklearmedizin-Kongress in den USA. „Als Ergebnis unseres Auftritts dort wird sie jetzt wohl in vielen Ländern eingeführt.“

Große Stücke hält auch Professor Oliver Hakenberg, Direktor der Urologischen Klinik in Rostock, auf die neue Therapie: „Sie ist sehr vielversprechend. Ich habe mit meinen Patienten, die ich zu Professor Krause geschickt habe, gute Erfahrungen gemacht, sie haben gut darauf angesprochen.“ Hakenberg berichtet von einem 55-Jährigen, der infolge eines Prostatatumors bereits große Leber- und Knochenmetastasen hatte. „Eine Operation kam nicht mehr infrage, die Chemo hat nichts gebracht. Aber nach der PSMA-Therapie sind die Metastasen deutlich geschrumpft.“

Wie lange die Therapie tatsächlich das Leben der Betroffenen verlängern wird, müsse sich allerdings noch zeigen, ergänzt Hakenberg. Laut Professor Krause soll noch in diesem Jahr eine große internationale Zulassungsstudie unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Zentren beginnen, bei der die Verlängerung des Lebens der Patienten untersucht wird.

Henning von Storch kann heute schon sagen: „Für mich war die Behandlung ein voller Erfolg. Vorher hatte ich immer Angst, dass die Metastasen zurückkommen. Jetzt bin ich seit fast einem Jahr krebsfrei.“

Häufiger Krebs

26 Prozent aller neuen Krebsfälle betreffen bei Männern die Prostata. Damit ist der Prostatakrebs die häufigste Tumorerkrankung bei Männern überhaupt. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 70

000 Betroffene neu – Tendenz stark steigend. 12000 Todesfälle sind jährlich zu verzeichnen. Über die Ursachen der Zunahme wird noch geforscht. Statistische Erhebungen zeigen, dass Männer, die in ihrer Jugend oft Sex haben, seltener erkranken.

Axel Büssem

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