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Hoffnung für Volkswerft: Nun schon drei Kauf-Interessenten

Stralsund/Schwerin Hoffnung für Volkswerft: Nun schon drei Kauf-Interessenten

Kommt der Investor aus Russland, Tatarstan oder Frankreich? Insolvenzverwalter Brinkmann: „Der Preis entscheidet.“

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Blick auf die Stralsunder Volkswerft: Vor zwei Wochen wurde hier das erste von zwei Spezialschiffen für die dänische Reederei DFDS getauft.

Quelle: Jens Koehler

Stralsund. Hoffnung für die Stralsunder Volkswerft: Ein Jahr nach der Pleite des traditionsreichen Schiffbaubetriebes werden bei der nächsten Sitzung des Gläubigerausschusses am 17. September die Konzepte von mindestens drei Interessenten auf den Tisch kommen. Neben Witali Jussufow, Eigner der Nordic-Yards in Wismar und Warnemünde, sind auch ein Staatsunternehmen aus der autonomen russischen Republik Tatarstan (OZ berichtete) sowie Investoren aus Frankreich interessiert.

Man sei auf „einem guten Weg“, sagt Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. Es gebe „mehr als zwei Interessenten“, will er nur bestätigen. Am Ende werde „der Preis entscheiden, welcher Kandidat das Rennen macht.“ Das Insolvenzrecht lasse „wenig Spielraum, volkswirtschaftlich zu denken. Erst dann, wenn die gebotenen Preise annähernd gleich sind, wird das Konzept entscheidend.“ Zu den Interessenten aus Frankreich wollte Brinkmann keine Auskunft geben.

Jürgen Kräplin, Betriebsratschef der Stralsunder Volkswerft, gibt sich zurückhaltend: Er kenne bisher kein einziges Konzept. „Es kommt darauf an, welches Papier am tragfähigsten ist“, erklärt er.

Ziel aller Bemühungen müsse sein, „die Volkswerft komplett zu erhalten — das heißt vom Vertrieb über die Konstruktion bis zur Ablieferung“, so Kräplin. Welche Konsequenzen es habe, wenn drei von fünf Werften in Mecklenburg-Vorpommern in der Hand eines russischen Unternehmers lägen, dazu wolle er sich derzeit nicht äußern. Nur so viel: „Es geht um 1500 Schiffbauer, da muss man genau gucken, welches Konzept dem Ziel am nächsten kommt.“

Ähnlich sieht es Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall Küste. Zunächst einmal sei er froh, dass es offenbar reges Interesse am Standort gebe. Für die Gewerkschaft sei aber vor allem wichtig:

Welche Perspektiven bietet der künftige Investor der Werft und den Mitarbeitern? Welche Pläne hat er? Daraufhin müssten die Konzepte abgeklopft werden.

Neben dem Preis sei entscheidend, dass es ein Zukunftskonzept mit entsprechenden Arbeitsplatzgarantien gibt, heißt es auch aus der Schweriner Staatskanzlei. Generell unterstütze „die Landesregierung die Anstrengungen des Insolvenzverwalters, einen neuen Investor zu finden“, so ein Sprecher.

Obwohl von Experten erwartet, spielte das Thema Verkauf der Volkswerft an Witali Jussufow bei den Gesprächen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem G20-Gipfel in St. Petersburg keine Rolle, sagte ein Sprecher der Bundesregierung.

Ein deutliches Engagement des Bundes und des Landes sei jedoch längst überfällig, kritisiert derweil Helmut Holter, Chef der Linksfraktion im Schweriner Landtag. „Bislang hielt sich das Bemühen der Landesregierung in Grenzen, die Arbeitsministerin des Landes hat ja bereits Prämien versprochen, sollten die Beschäftigten einen Arbeitsplatz außerhalb der Werft annehmen“, so Holter. Das zeuge von wenig Vertrauen in die Zukunft der Werft.

Die Zeit drängt: Ende Oktober läuft die Transfergesellschaft aus.

Ende Oktober läuft Transfergesellschaft aus
Die Agentur für Arbeit in Stralsund empfiehlt allen Werftarbeitern, einen Plan B in der Tasche zu haben. Denn: Dass unter einem neuen Eigentümer wieder 1200 Schiffbauer Beschäftigung finden, sei kaum zu erwarten. Weil Ende Oktober die Transfergesellschaft endgültig ausläuft, mussten sich ab Anfang August alle Mitarbeiter bei der Agentur arbeitsuchend melden. Fünf Mitarbeiter sind hier speziell für die Schiffbauer zuständig.

 

Thomas Luczak

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