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MV aktuell Hohe Baukosten belasten Steuerzahler
Nachrichten MV aktuell Hohe Baukosten belasten Steuerzahler
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05:30 06.10.2018
Teurer und später fertig: Das 170 Jahre alte Polizeigebäude von Wismar wird zurzeit saniert. Quelle: Heiko Hoffmann
Rostock

Stark steigende Baukosten für öffentliche Gebäude werden in MV zunehmend zur Belastung. „Einerseits freuen wir uns natürlich, wenn es der Bauwirtschaft gut geht,“ sagt Landesfinanzminister Matthias Brodkorb (SPD). Allerdings sei die gute Konjunktur in der Branche ein Problem, weil die Kosten aus dem Ruder laufen. Die Steigerungen lägen deutlich über der normalen Preisentwicklung. „Das zahlt letzten Endes der Steuerzahler“, sagt Brodkorb.

Der SPD-Politiker nennt ein Beispiel: Der Neubau eines Verwaltungsgebäude, das 2007 noch 7,2 Millionen Euro gekostet hätte, würde inzwischen um mehr als 70 Prozent teurer ausfallen, nämlich 12,3 Millionen Euro. Grund für diese Kostenexplosion ist nicht nur, dass Firmen üppigere Rechnungen ausstellen als früher. Etwas mehr als die Hälfte des Preisanstiegs geht auf strengere Gesetzesvorgaben zurück, so Christian Hoffmann vom Landesbetrieb für Bau und Liegenschaften (BBL). Etwa für Brandsicherheit und Umweltschutz.

Die gute Konjunktur macht sich auch an anderer Stelle bemerkbar: Während sich vor wenigen Jahren noch viele Unternehmen um öffentliche Aufträge rissen, bleiben die inzwischen sogar manchmal mangels Nachfrage liegen. 28 Ausschreibungen des Landes für Bauleistungen von mindestens 50 000 Euro mussten 2017 aufgrund fehlender Angebote zurückgezogen werden. Hoffmann: „Das ist deutlich spürbarer als in den Jahren zuvor.“

Firma aus Brandenburg führte Auftrag einfach nicht aus

Manchmal passiert es, dass eine Baufirma auch trotz gewonnener Ausschreibung nicht loslegt: Etwa in Wismar, wo gerade die historische Polizeiinspektion saniert wird. Eine Brandenburger Firma, die die Innenräume verputzen sollte, ließ sich trotz Vertrag und Termin nicht auf der Baustelle nicht blicken. Ein Jahr verging, bis der Auftrag neu ausgeschrieben, vergeben war und andere Handwerker endlich loslegen konnten.

Wegen dieser und anderer Schwierigkeiten verschob sich die Fertigstellung. Ursprünglich sollte die Wismarer Polizisten bereits diesen Mai ihre Not-Container verlassen. Nun steht fest, dass sie dort noch mindestens bis Endes des Jahres untergebracht sein werden. Einen neuen Fertigstellungstermin nennt der BBL nicht. Die Kosten für die Sanierung des 170 Jahre alten Gebäudes kletterten zugleich um fast 900 000 Euro auf mehr als zehn Millionen Euro. 90 Baufirmen und 25 Planungsbüros sind beteiligt.

Der landeseigene Baubetrieb BBL wird zurzeit neu aufgestellt, teilt Brodkorb mit. Ziel soll es sein, dass die Behörde in Zukunft fertig abgeschlossene Planungen für Bauprojekte „in der Schublade liegen hat“, so der Finanzchef der Landesregierung, dessen Behörden auch für den Hochbau des Landes zuständig ist. Im Fall einer Konjunkturkrise könnten diese Pläne aus der Schublade gezogen werden und sofort umgesetzt werden. Das würde bedrohte Arbeitsplätze am Bau retten. Und der Staat müsste keine überteuerten Baupreise bezahlen. Das Prinzip eigne sich für neue Projekte, die nicht termingebunden sind, so Brodkorb.

Baufirmen: Neue Gesetze sind schuld an hohen Preisen, nicht wir

Der Landesbauverband weist den Vorwurf, die Unternehmen würde die Preise nach oben treiben, zurück. Neue und überzogene Verordnungen sowie Gesetze sorgten dafür, dass die Baukosten immer stärker steigen, teil der Verband mit. Noch um das Jahr 2000 steckte die Branche nicht nur in MV in einer tiefen Flaute. Tausende Bauarbeiter wurden arbeitslos oder wanderten ab. Nun gibt es so viele Aufträge wie lange nicht mehr, aber zu wenige Fachkräfte und Firmen.

Gerald Kleine Wördemann

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