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Hohe Mieten und geringe Löhne belasten Studenten

Rostock Hohe Mieten und geringe Löhne belasten Studenten

Hochschüler müssen fast 36 Stunden im Monat arbeiten, um ihre Miete zu bezahlen.

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Rostock. Mecklenburg-Vorpommern ist das zweitteuerste Bundesland für Studenten, gleich nach Hamburg. Das hat die Studie „Fachkraft 2020“ — eine Analyse der Universität Maastricht — ergeben. Demnach müssten Studierende hierzulande 35,82 Stunden pro Monat arbeiten, um ihre durchschnittliche Miete von 288 Euro zu erwirtschaften. Zum Vergleich: Im für Studenten günstigsten Bundesland Thüringen sind es für 248 Euro Miete nur 30,39 Stunden.

Besonders beansprucht werden Studenten in Rostock. „Hier treffen im Vergleich zu anderen ostdeutschen Städten überdurchschnittlich hohe Mieten auf unterdurchschnittliche Stundenlöhne“, bilanziert die Studie. 38,14 Stunden pro Monat müssen Rostocker für ihre WG-Zimmer und Wohnheimplätze arbeiten. 7,84 Euro Stundenlohn stehen einer Monatsmiete von 299 Euro gegenüber. Lediglich Studierende in Hamburg (38,57 Stunden) und im bayerischen Bamberg (38,32 Stunden) müssen noch mehr schuften. In Flensburg (Schleswig-Holstein) sind Studenten hingegen nur 27 Stunden pro Monat gefordert.

Auch Greifswald schröpft seine Studenten: Die Hansestadt rangiert auf Platz 18 der teuersten Unistädte. 34,65 Stunden bei einem Durchschnittsstundenlohn von 8,08   Euro müssen Studenten einem Nebenjob nachgehen, um sich die im Schnitt 280 Euro für ihre Studentenbude leisten zu können.

Die Studie sei besorgniserregend, sagt der hochschulpolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion, Johannes Saalfeld. „Die Untätigkeit der Landesregierung in der Wohnungspolitik macht unsere Hochschulstädte teuer.“ Er kritisiert, dass der soziale Wohnungsbau für Studenten seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gefördert worden sei. Auch die vom Bund hierfür zur Verfügung gestellten Mittel würden nicht eingesetzt.

Das Missverhältnis zwischen Mieten und Löhnen bemängelt auch Regine Lück von der Linksfraktion. „Das ist hochgradig ungerecht, denn die Zeit, in denen die jungen Leute arbeiten müssen, geht ihnen für das Studium verloren. Hier bestätigt sich, dass der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn endlich kommen muss.“

Die Studie „Fachkraft 2020“ zeigt: In keinem anderen Bundesland werden so geringe Löhne an Studenten gezahlt wie in MV: 8,02 Euro pro Stunde. In Rostock sind es gar nur 7,84 Euro. Nicht nur die Linke, auch die SPD sieht sich in ihrer Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn bestärkt. Sie fordert zudem eine Preisbremse für Bestands- und Neumieten. Auch kreative Lösungen seien gefragt.

„Ich halte das Projekt ‚Wohnen für Hilfe‘ für eine ausgezeichnete Idee. Bei diesem bereits in vielen Uni-Städten praktizierten Projekt leben Studenten mit älteren oder hilfsbedürftigen Menschen in einer Wohngemeinschaft und bezahlen dafür weniger Miete“, so Rainer Albrecht, wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Eine Alternative zur Mietwohnung bieten die Wohnheimplätze der Studentenwerke. Das Problem: Sie sind zwar deutlich preiswerter, allerdings auch begehrte Mangelware. Obwohl die Zahl der Studierenden deutlich angestiegen ist, sank die Zahl der Wohnheimplätze: Habe es 1998 landesweit noch über 5000 Plätze für rund 21 600 Studenten gegeben, so lag diese Zahl 2011 bei unter 4000 für fast 40

000 Studierende, rechnet Linken-Sprecherin Lück vor. „Der Bund steht in der Pflicht, ein Bund-Länder-Programm für Wohnheimplätze aufzulegen.“

Die aktuelle Studie offenbart einen weiteren Negativ-Trend: Von 100 Studenten wollen 46 nach ihrem Abschluss Mecklenburg-Vorpommern den Rücken kehren. Das ungünstige Lohn-Miet-Verhältnis dürfte dazu beitragen.

 

Antje Bernstein

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