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MV aktuell Holter will als Minister nach Thüringen
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00:01 21.06.2017
Die Linken-Politiker Helmut Holter (l.) und Thüringens Premier Bodo Ramelow in Rostock. Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa

Noch in diesem Sommer könnte Helmut Holter (64), einstiger Vorzeige-Linker in MV, nach Thüringen wechseln. In der dortigen Landesregierung von Ministerpräsident Bodo Ramelow ist er seit Monaten als neuer Bildungsminister im Gespräch (die OZ berichtete). Jetzt verdichten sich die Anzeichen eines Wechsels. Holter soll ab August Ministerin Birgit Klaubert (alle Linke) ersetzen. Hinter den Kulissen heißt es: Erste Wahl ist Holter in Thüringen nicht.

Heute um 9 Uhr hat Helmut Holter einen offiziellen Termin mit Thüringens Ministerpräsident Ramelow. Er stellt die Ergebnisse einer Kommission zum Thema „Zukunft Schule“ vor, an der er mitgearbeitet hat. Möglich, dass Ramelow den Termin nutzt, um auch die Spitzen-Personalie im Erfurter Bildungsministerium zu klären. Dann wäre der Neue gleich da. Holter bestätigt seine Minister-Ambitionen. Die Entscheidung liege aber beim Ministerpräsidenten Thüringens. „Wenn es dazu kommt, werde ich dort meine Zelte aufschlagen“, sagt er. Fürs tägliche Pendeln wäre es „wohl zu weit“, scherzt er.

Bei den Linken in MV geht man seit längerem davon aus, dass Holter die Chance aufs Ministeramt ergreift. „Mitte, Ende August“, ist zu hören. Parteichefin Heidrun Bluhm sagt knapp: „Sollte es mit Helmut Holter und Thüringen klappen, wünsche ich gutes Gelingen“.

Im Februar schwappten die Gerüchte erstmals von Thüringen nach MV. Nun könnte es sehr schnell gehen. Ramelow wolle die über Monate kranke Ministerin Klaubert nun schnellstens loswerden, berichten Insider. Klaubert solle zurücktreten, dann müsste er sie nicht entlassen. Für die Nachfolge wollten Thüringens Linke demnach eine andere Frau aus dem eigenen Landesverband finden. Doch mehrere hätten abgesagt. Am Ende sei die Sprache wieder auf Holter gekommen – obwohl dieser kein Landeskind und Wirtschafts- statt Bildungsexperte sei. „Er ist eine Notlösung“, sagen Eingeweihte.

Das wiederum weist Holter zurück: Als Minister bringe er Erfahrung, „Macher-Qualitäten“ und Pragmatismus mit. „Ich verstehe mich nicht als Notlösung.“ Holter war jahrelang das Gesicht der Linken in MV. In der rot-roten Landesregierung von 1998 bis 2006 war er Arbeitsminister. Vor der Landtagswahl im Vorjahr empfahl er sich als Wirtschaftsminister in einer Regierung mit der SPD. Dazu kam es nicht. Die Linke ging unter Spitzenkandidat Holter mit 13,2 Prozent der Stimmen unter. Kurz darauf entmachtete ihn die eigene Fraktion; er ist jetzt einfaches Mitglied, verantwortlich für Wirtschaftspolitik.

Mit dieser Rolle komme Holter offensichtlich nicht klar, urteilen Parteifreunde unter der Hand. Daher überrasche es kaum, wenn er nun nach Thüringen strebt – „aus Ego-Gründen“. Holter könnte noch zweieinhalb Jahre Minister sein, „als Krönung seiner Karriere“. Ob das Thüringen wirklich helfe, sei dabei zweitrangig für ihn.

Von Unzufriedenheit mit seiner Rolle in MV will Holter wiederum nichts wissen. „Die Entscheidung ist getroffen worden, ich habe sie akzeptiert.“ Negatives sei wohl hinzugedichtet worden. Er habe sich korrekt verhalten.

Die Nachfolge Holters im Landtag wird bei den Linken bereits lebhaft diskutiert. Nachrücker auf der Landesliste wäre Henning Förster aus Schwerin. Menschlich und thematisch würde das „sehr gut passen“, war gestern zu hören. Bissiger Kommentar aus der Partei: „Wir verschlechtern uns nicht.“ Haken: Förster habe bei einer Gewerkschaft angeheuert.

Die Thüringer Regierung will die Personalie Holter bislang „nicht kommentieren“. Ein Dementi gab es von Sprecher Günter Kolodziej allerdings auch nicht.

Studium in Moskau

Helmut Holter, geboren am 22. Mai 1953 in Ludwigslust, hatte seit der politischen Wende 1990 mehrere Spitzenämter und -Posten seiner Partei Die Linke und deren Vorgängerorganisationen inne.

Bereits 1973 trat er in der damaligen DDR in die SED ein. Nach dem Abitur in Halle zog es ihn zum Studium an die Bauingenieurhochschule Moskau (1971 bis 1976). Abschluss: Diplomingenieur für Betontechnologie. Von 1991 bis 2001 war er Landesvorsitzender der PDS.

Im Schweriner Landtag sitzt Holter mit Unterbrechung (2002 bis 2006) seit dem Jahr 1994. Von 1998 bis 2006 war er Arbeitsminister der Landesregierung aus SPD und Linken, 2009 bis 2016 Fraktionschef der Linken im Landtag. Seither ist er einfacher Abgeordneter, gewählt bis zum Jahr 2021.

Holter ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt in Schwerin.

Frank Pubantz

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