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MV aktuell Homo-Ehe: Bisher wenige Hochzeiten
Nachrichten MV aktuell Homo-Ehe: Bisher wenige Hochzeiten
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04:19 16.10.2017
Die Nachfrage nach der „Ehe für alle“ ist in MV gering. (Symbolfoto) Quelle: Rohavideo/pixelio
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Rostock

Die Nachfrage nach der „Ehe für alle“ ist in MV gering. Nur wenige Paare haben sich bisher entschlossen zu heiraten oder ihre Lebenspartnerschaft umschreiben zu lassen. In einigen Standesämtern sorgt die Software für Probleme. Denn sie kennt nur Mann und Frau.

„Ein Run ist ausgeblieben“, sagt Michaela Christen, Sprecherin des Schweriner Rathauses. Aber: Bei einer Veranstaltung am 27. Oktober können verpartnerte Paare im Alten Ratssaal des Rathauses kostenlos standesamtlich heiraten. Zumindest für einige Paare scheinbar Anreiz genug. „Die Zahl der Anmeldungen ist auf 16 gestiegen“, sagt die Sprecherin.

Andere Hochzeiten gleichgeschlechtlicher Paare gab es in Schwerin seit dem 1. Oktober nicht. Seit diesem Tag können Homosexuelle in Deutschland heiraten. Dafür hatten sie jahrelang gekämpft. Bundestag und Bundesrat hatten die Öffnung der Ehe schließlich kurz vor der parlamentarischen Sommerpause überraschend auf den Weg gebracht.

In Warnemünde haben sich kürzlich Kathrin Plaschke und Daniela Janussek das Ja-Wort gegeben – und einige andere wollen es ihnen in der Hansestadt Rostock gleichtun. Ein weiteres Pärchen hat sich zum Heiraten angemeldet, bisher fünf weitere wollen ihre Lebenspartnerschaft zur Ehe umwandeln lassen. Das Rostocker Standesamt rechnet mit rund 20 Eheschließungen pro Jahr. „Hier ist noch kein erhöhter Andrang im Standesamt zu merken“, sagt Ulrich Kunze, Pressesprecher in Rostock.

So auch in Wismar: „Derzeit ist nicht ersichtlich, dass die Gesetzesänderung große Auswirkungen auf die Zahl der Eheschließungen in unserem Standesamt hat“, teilt Stadtsprecher Marco Trunk mit. In Wismar habe es bisher gar keine Eheschließungen homosexueller Paare gegeben.

Und in Stralsund? Eine Anmeldung für den 30. Oktober – zur Umwandlung der Lebenspartnerschaft. Sprecher Peter Koslik: „Im Stralsunder Standesamtsbezirk ist keine vermehrte Nachfrage bezüglich der ,Ehe für alle’ zu verzeichnen.“

Warum ist das Interesse so gering? Oliver Stoll vom Rostocker Verein für Schwule und Lesben „Rat + Tat“ erklärt: „Wir möchten die gleichen Rechte haben. Das bedeutet aber nicht, dass gleich alle losrennen und heiraten.“ In Großstädten nehmen das neue Recht laut Stoll mehr Paare in Anspruch – weil dort auch mehr Homosexuelle leben als in MV. Gerade bei Umschreibungen erwarte er jedoch, dass im Laufe der Zeit mehr Paare zum Standesamt gehen werden.

Software kennt nur Mann und Frau

Die Software, die dort beim Ausstellen der Heiratsurkunde verwendet wird, funktioniert allerdings noch nicht überall. Das bundesweit eingesetzte Programm erkennt keine Paare mit gleichen Geschlechtern an. Ein Partner müsste mit einem anderen Geschlecht in dem Dokument leben. In etwa einem Jahr soll das Problem endgültig behoben sein. Schwerin leistet bereits Abhilfe: Man habe „eine Übergangslösung gestrickt“, heißt es aus dem Rathaus. Ob dann alles reibungslos läuft, zeige ich nach dem ersten Testlauf am 27. Oktober.

Auch im Wismarer Amt gebe es solche „geringen Softwareprobleme“, die sich aber nicht auf die Beurkundung auswirkten, so Trunk. Immerhin „Ehegatte 1 und 2“, stehe nun erst mal auf den Dokumenten. Rostocks Sprecher Kunze erklärt auf Anfrage: „Im digitalen Eheregister werden zunächst noch die Begriffe ,Ehemann’ und ,Ehefrau’ genutzt.“ „Deshalb gehen viele Paare in kleine Gemeinden wie Gelbensande“, sagt Stoll. Dort gebe es solche Probleme oft nicht.

Dass es ein Jahr dauert, bis man in die Computer zum Beispiel Mann und Mann eingeben kann, könnte aus Sicht des „Rat + Tat“-Vorstands Stoll beabsichtigt sein – „aus Angst vor einen Run“. Vielleicht habe man etwas Zeit gewinnen wollen.

Philip Schülermann

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