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Homosexualität: Für viele noch immer ein Problem

Rostock Homosexualität: Für viele noch immer ein Problem

Bekenntnis von Ex-Fußballstar Hitzlsperger löst kontroverse Debatte in MV aus.

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Roy Rietentidt, Landesverband der Lesben und Schwulen

Rostock. Viel Lob und Zuspruch erhält der Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger aus Mecklenburg-Vorpommern für sein Coming-out. Der 31-Jährige hatte am Dienstag erstmals öffentlich bekannt, schwul zu sein. Ein mutiger Schritt, sagt Roy Rietentidt vom Landesverband der Lesben und Schwulen „Gaymeinsam“. Im Sport sei Homosexualität noch immer ein großes Tabu-Thema. Da könne das Bekenntnis eines Profis helfen, Vorurteile abzubauen. Er selbst kenne viele Fußballer im Land, die sich nicht trauten, sich als schwul zu outen. Ihnen könnte Hitzlspergers Offenheit Mut machen, hofft Rietentidt.

Lob für Hitzlsperger gibt es auch von Mecklenburg-Vorpommerns Ex-Sozial- und der jetzigen Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD): „Es ist ein starkes Signal. Das macht deutlich:

Homosexualität gehört zur Normalität in Deutschland.“ Sportminister Lorenz Caffier (CDU) wollte sich gestern nicht zu dem Thema äußern. Auch beim Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock hieß es: Kein Kommentar.

Zuspruch für Hitzlspergers Bekenntnis gibt es hingegen vom Handball-Zweitligisten HC Empor Rostock. Sein Schritt sei couragiert. „Ich denke aber, dass die sexuelle Selbstbestimmung, insbesondere in der Altersgruppe unserer 1. Männermannschaft, mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden ist“, sagt der Empor-Vorsitzende Jens Gienapp. Homophobie sei ein gesamtgesellschaftliches Thema. „Unser Beitrag kann nur so aussehen, dass wir uns bereits im Nachwuchsbereich jede Form von Diskriminierung — ob hinter vorgehaltener Hand oder offen ausgetragen — verbieten und den Teamgedanken des Handballsportes leben.“ Das unterstreicht der Landesportbund. „Diskriminierung dulden wir nicht — egal welcher Art“, betont Geschäftsführer Torsten Haverland. Er fordert, dass die Gesellschaft das Thema Homosexualität vorurteilsfrei diskutiert. „Je mehr wir darüber reden und zeigen, dass es normal ist, desto eher sind Ängste Betroffener, sich zu outen, kein Thema mehr. Noch sind wir aber lange nicht an dem Punkt angelangt.“

Der Rostocker Eishockeyverein Piranhas geht schon lange offen mit dem Thema Homosexualität um. „Seit Jahren gibt es bei uns ein homosexuelles Paar, das vollkommen anerkannt am Vereinsleben teilnimmt.

Für uns ist das normal“, sagt der Vizevorsitzende Torsten Asmuß. Das sei leider keine Selbstverständlichkeit, bedauert Roy Rietentidt. Gerade in Sportmannschaften hielten viele Schwule ihre sexuelle Neigung geheim — aus Angst, ausgegrenzt zu werden. Das zeige das Beispiel Hitzlsperger. Dass er erst nach seiner aktiven Laufbahn den Schritt an die Öffentlichkeit wage, verdeutliche, dass ein Coming-out im Profisport oft das Karriereende bedeute. Hitzlsperger hatte gestern erklärt, er habe sich schon als Aktiver outen wollen, ihm sei aber abgeraten worden.

Auch in anderen Gesellschaftsbereichen sei Schwulsein noch immer ein Stigma, schildert Rietentidt. Ob bei der Polizei oder der Feuerwehr — gerade in vermeintlichen Männerdomänen sei es für Homosexuelle schwer, zu ihrer Neigung zu stehen. Er wünsche sich, dass Prominente wie Hitzlsperger helfen, ein Umdenken anzustoßen. Aber: „Ich habe kaum Hoffnung, dass aktive Fußballer sich outen werden.“ Rietentidt fordert mehr Aufklärungsarbeit, damit niemand Angst haben muss, zu seinen Vorlieben zu stehen.

Verbot für Info-Stand von Schwulen

2012 hatte ein Demo-Verbot für Homosexuelle in Binz auf Rügen für einen Aufschrei in der Schwulenszene gesorgt.

Binz hatte es dem Regenbogenverein aus Stralsund untersagt, einen Informationsstand auf dem Seebrückenvorplatz zu Christi Himmelfahrt zu organisieren. Die Gemeinde beharrte darauf, dass dort politische Kundgebungen jeglicher Art verboten seien.


Der Verein baute seinen Infostand schließlich vor einem Strandcafé an der Promenade auf.

 

Antje Bernstein

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