Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Horst-Besetzer bringen Pommernadler in Gefahr
Nachrichten MV aktuell Horst-Besetzer bringen Pommernadler in Gefahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:24 27.03.2014
Mit etwas Glück lassen sich in wenigen Wochen Schreiadler im Greifswalder Stadtwald beobachten. Quelle: Peter Wernicke

Noch ruft der Schreiadler in Mecklenburg-Vorpommern. Doch die Gefahr, dass der seltene Greifvogel für immer verstummt, ist groß. Denn geeignete Quartiere werden immer knapper.

Durch Entwässerung, intensive Land- und Forstwirtschaft verliert er Brut- und Lebensräume. „Das Land sollte deshalb künftig Mittel zum Schutz der Waldgebiete für den Schreiadler bereitstellen“, fordert Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung. Damit könnten Waldbesitzer einen Ausgleich für Einschränkungen bei der forstwirtschaftlichen Nutzung erhalten. Zeitgleich würden von den Schutzmaßnahmen andere seltene Tierarten profitieren, zum Beispiel Schwarzstorch, Mittelspecht oder Mopsfledermaus. „Ihre Ansprüche an den Lebensraum ähneln denen des Schreiadlers“, erklärt Kinser.

Im April werden die vom Aussterben bedrohten „Pommernadler“ im Nordosten zurückerwartet. Da er zu den Spätheimkehrern unter den Zugvögeln gehört, sind viele seiner angestammten Nester dann bereits besetzt — von Kolkraben, Mäusebussarden oder anderen Greifvögeln. Zwar haben Schreiadler in der Nähe ihres Vorjahres- Horstes ein Ausweichquartier. Doch sie sind sehr wählerisch. Und: „Bei der kleinsten Störung sind sie weg“, warnt Marcus Rudolf vom Naturschutzbund (Nabu) MV. Die Vögel bräuchten vor allem Ruhe, deshalb seien ihre Horste gut versteckt. 87 Brutpaare sowie vier Einzeltiere sind im vergangenen Jahr gezählt worden — zwei mehr als 2012. Doch die Zahl der Jungvögel ist stark gesunken. Von 49 auf 36. Was den Vögeln zu schaffen macht, sind stark gedüngte Landwirtschaftsflächen. „Sie brauchen naturnahe Waldgebiete mit angrenzenden feuchten Wiesen“, berichtet Rudolf. Dort würden die Vögel auf Beutejagd gehen — nach Fröschen, Käfern, Regenwürmern oder kleinen Säugetieren wie Mäusen. Oft jagen sie zu Fuß, aber auch aus der Luft. Deshalb sind auch Windräder eine Gefahr. Denn ihre Rotorblätter drehen sich in der idealen Schreiadler-Flughöhe. Und wenn sie nach Beute suchen, achten sie nicht auf die Umgebung, sondern schauen nur nach unten, erklärt der Vogel-Experte.

Gerade mal 105 Schreiadler- Brutpaare brüten in Deutschland. Davon 87 in MV, der Rest in Brandenburg. In den anderen Bundesländern gelten sie bereits als ausgestorben. Wenn die Tiere in den nächsten Tagen aus Afrika einfliegen, haben einige bis zu 10 000 Flugkilometer hinter sich. Im Norden bessern sie zuerst die Horste aus, dann startet die Balz. Später werden meist zwei Eier ausgebrütet.

Das Tragische: Das zuerst geschlüpfte Junge tötet nach wenigen Tagen das jüngere Geschwisterchen, so dass zumeist nur ein Vogel ausfliegt. 23 Jungvögel sind 2013 in MV beringt worden, zwei haben Sender bekommen. Mit denen werden die Flugrouten verfolgt. Insgesamt sind zwölf Schreiadler seit dem Herbst mit den kleinen Rucksacksendern unterwegs — darunter auch die Anna, Rainer, Jan und Dieter getauften Tiere. Aktuell sind alle auf dem Weg nach Nordafrika (siehe Karte).

In MV hat die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH dem Nabu 116 Hektar des 220 Hektar großen Naturschutzgebiets „Griever Holz“ bei Rostock übertragen, in dem viele Schreiadler brüten. Die restliche Fläche und andere Waldgebiete sollen gekauft werden, um den Bestand dauerhaft zu schützen. Mit Hilfe von Sponsoren konnten in den letzten Jahren 58,3 Hektar Brut- und Nahrungsflächen angekauft, drei Feuchtbiotope renaturiert und alte Horstbäume geschützt werden. Zudem werden im sogenannten Kain-und- Abel-Projekt die jüngeren Küken aus dem Nest genommen, aufgepäppelt und ausgewildert.

• Info:

www.schreiadlerschutz.de

www.nabu.de/adlerzug

Bedrohte Art
105 Schreiadler gibt es in Deutschland. Der Bestand ist stark rückläufig und vom Aussterben bedroht. Der bis zum Schlupf der Jungvögel häufig zu hörende Erregungsruf ist ein kräftiges „tjück“, das auch mit „jück“ oder „jüb“ wiedergegeben wird und meist zwei bis dreimal hintereinander ertönt. Beim Balzflug ruft das Männchen „wiiik“, der Ruf ähnelt einem langen Pfiff. Die Rufe der Jungvögel ähneln bereits im Alter von etwa 20 Tagen weitgehend denen der adulten Tiere.



Kerstin Schröder

29 Prozent aller Tierarten in Deutschland sind akut bedroht beziehungsweise von deutlichen Bestandsrückgängen betroffen.

27.03.2014

Die Unternehmen im Land melden kaum Schutzmarken an.

27.03.2014

Jugendliche brauchen nach Ansicht von Pädagogen Hilfe im Umgang mit Pornografie. „Die Kinder müssen Fragen stellen dürfen, ...

27.03.2014
Anzeige