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Hund beißt zu: Mädchen (3) schwer verletzt in Klinik

Schwaan Hund beißt zu: Mädchen (3) schwer verletzt in Klinik

Schreckliche Attacke in Schwaan: Ein Bullmastiff fällt ein Kind an

Schwaan. Nach einer schweren Beißattacke eines Hundes liegt ein dreijähriges Mädchen aus Schwaan schwer verletzt in der Rostocker Kinderklinik. Ein Bullmastiff hatte sich beim Gassigehen am Dienstagnachmittag von der Leine losgerissen und war „zielgerichtet auf das Kind zugelaufen, das im Garten seiner Eltern spielte“, teilte die Polizei gestern mit.

In der Nachbarschaft, einer Eigenheimsiedlung in Schwaan, sorgt der Vorfall für Bestürzung. Matthias Hallier, selbst Vater zweier Kinder (zwei und sechs Jahre alt) arbeitete zufällig im Garten, als er die lauten Schreie hörte. Er sah, dass die Mutter des Kindes und die Hundebetreuerin bereits versuchten, das Tier von der Dreijährigen loszureißen. Hallier sprang über den Zaun und warf sich von hinten auf den Vierbeiner, wie er gestern schilderte. „Das war ein riesiger Hund. Ich hatte Mühe, ihn vom Kind zu trennen“, beschreibt der 37-Jährige. Der Hund habe sich regelrecht in dem Kind verbissen. Hallier würgte den Bullmastiff und brachte ihn so dazu, von der Dreijährigen abzulassen.

Das Mädchen erlitt bei der Attacke schwere Verletzungen im Gesicht und am Ohr. „Glücklicherweise besteht aber keine Lebensgefahr“, sagte Christian Eckermann vom Polizeipräsidium Rostock gestern. Wie sich der Bullmastiff losreißen konnte, ist unklar. Gegen die Verwandte der Besitzerin, die mit dem Hund spazieren war, ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die Hundehalterin selbst war zwar bei dem Vorfall nicht dabei – ob eine Mitschuld vorliegt, wird aber ebenfalls ermittelt. „Im Laufe der Ermittlungen prüfen wir, ob es ein tragischer Zufall war oder bereits ein aggressives Verhalten des Hundes vorlag“, so Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Zudem wird vom zuständigen Amt ein möglicher Verstoß der Besitzerin gegen die Hundehalterverordnung untersucht.

In einigen Bundesländern sind Bullmastiffs als möglicherweise gefährlich eingestuft und dürfen nur unter bestimmten Bedingungen gehalten werden. In MV gehören sie aber nicht zu den gelisteten Rassehunden. „Die Rasselisten sind auch großer Unsinn und gehören abgeschafft“, kritisiert Kerstin Lenz vom Landesverband des Deutschen Tierschutzverbandes. Der tragische Vorfall in Schwaan verdeutliche erneut, dass es oft die nicht gelisteten Hunde sind, die Menschen verletzen. „Das zeigt die Beißstatistik. Auch ein Dackel kann zubeißen.“ Sie fordert, in MV einen Hundeführerschein einzuführen, den Neubesitzer erwerben müssen. In Niedersachsen sei das 2016 geschehen.

„Es ist immer menschliches Versagen und nicht die Natur des Hundes. Oft schaffen sich beispielsweise ganz junge Frauen sehr große Hunde an und kommen dann nicht mit ihnen klar“, betont Kerstin Lenz.

„Der Bullmastiff ist ein schwerer Hund, der darf an der Leine nicht die Führung übernehmen, und das muss man üben.“

Die Eltern des Mädchens hat die Redaktion für eine Stellungnahme gestern nicht erreicht.

Stefan Tretropp und Virginie Wolfram

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