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Hunderiesen wehren den Wolf ab

Hunderiesen wehren den Wolf ab

Michael Witter aus Thüringen vermittelt Schäfern aus MV Wissenswertes über Wölfe und Herdenschutzhunde

Preten/Suhl Herdenschutzhunde sieht Michael Witter (53) als effektivsten Schutz vor Wölfen für Schafherden an. Der Hundetrainer und Wolfskenner aus Thüringen widmet sich seit vielen Jahren der Ausbildung von Herdenschutzhunden. Der Suhler hat schon in Nordschweden gelebt und Herdenschutzhunde in Rentierherden integriert. „Herdenschutz ist auch Wolfsschutz“ lautet seine Maxime. Nun möchte er sein Wissen mit Schäfern und Schafhaltern aus Mecklenburg-Vorpommern teilen. Im Bundesland gibt es seit gut zehn Jahren wieder dauerhaft freilebende Wölfe. Auf Einladung von Jürgen Lückhoff, dem Vorsitzenden des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes MV, spricht Michael Witter heute in Preten bei Hagenow nicht nur über Herdenschutzhunde – er bringt auch den 70 Kilogramm schweren Pyrenäenberghund „Ares“ mit und demonstriert dessen Fähigkeiten. Die OZ sprach mit Witter.

OZ: Knapp 300 Wölfe leben momentan in Deutschland. Einige Wissenschaftler rechnen zukünftig mit mehr als 1000 Wölfen. Ein Schreckensszenario?

Michael Witter: Der Wolf hat zu Unrecht einen schlechten Ruf. Er greift keinen Menschen an. Mit Ausnahme einiger neugieriger Jungtiere meidet der Wolf den Menschen. Der Wolf ist ein Raubtier, das 25 Kilogramm Fleisch pro Woche braucht. Wildtiere von Hirschen über Hasen bis hin zu Mäusen stehen auf seinem Speisezettel. Bei der Jagd geht er den Weg des geringsten Widerstandes. Er reißt junge, alte und kranke Tiere. Das ist Wolfs Aufgabe in der Natur.

OZ: Nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern sind Schäfer und Schafhalter aber in heller Aufregung

Witter: Das verstehe ich. Auf Nahrungssuche stoßen Wölfe auf Nutztierherden: auf Rinder, Pferde und Schafe. Letztere sind besonders in Gefahr. Ungeschützt sind Schafe für den Wolf leichte Beute. Der beste Schutz für Schafherden sind Herdenschutzhunde zum Beispiel der Rassen Slovensky Cuvac oder Pyrenäenberghund. Diese Riesen sind mehr als 50 Kilo schwer und signalisieren schon allein durch ihre imposante Erscheinung und ihr markdurchdringendes Bellen dem Wolf, dass hier keine leichte Beute zu machen ist. Herdenschutzhunde darf man nicht mit den Hütehunden verwechseln, die eine Schafherde zusammenhalten. Bei Wolfsattacken sind diese Hunde machtlos.

OZ: Die Schäfer schaffen sich zwei, drei dieser Riesen an, und schon ist eine Herde vor Wölfen sicher?

Witter: Ganz so einfach ist es nicht. Herdenschutzhunde müssen wenigstens zwei Jahre lang ausgebildet werden. Dabei ist die Sozialisation der Hunde besonders wichtig. Sie sollen die Schafe vor den Wölfen schützen und gegenüber Wanderern, Sportlern, Spaziergängern mit Hunden keinerlei Aggressivität zeigen. Ich möchte bei der Ausbildung der Hunde die Schäfer beraten. Ich verkaufe keine Herdenschutzhunde.

OZ: Braucht Deutschland den Wolf überhaupt?

Witter: Eine Wolfspopulation, die sich im Einklang mit den Begebenheiten in Deutschland befindet, hat Vorteile. Wölfe räumen nämlich den Wald auf. Sie fangen krankes und altes Wild weg. Wo der Wolf jagt, wächst der Wald.

Interview: Maik Ehrlich

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