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MV aktuell Hunderte Liter Alt-Öl mitten auf dem Acker
Nachrichten MV aktuell Hunderte Liter Alt-Öl mitten auf dem Acker
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00:10 22.02.2017

Als Mitte der 1990er Jahre in Kenz-Küstrow bei Barth (Vorpommern-Rügen) ein Windpark aufgebaut wurde, war das noch eine kleine Sensation. Jetzt, mehr als 20

Jahre später, sorgt der Windpark wieder für Aufsehen – als Negativ-Beispiel für massive Umweltschlamperei ausgerechnet in der Ökostrom-Branche.

Auf zwei Äckern, getrennt von einer Straße, stehen die Reste von mindestens fünf abgebauten Windrädern. Wie gefällte Bäume liegen die mächtigen Beton-Türme am Boden. Flügel und Gondeln sind weg, auch die Boden-Technik wurde größtenteils ausgebaut. Zurück blieben viel Beton, Kabel und Müll. In zwei der Bodenhäuschen stecken noch die Transformatoren. Deren Gehäuse wurden aufgebrochen, unter ihnen schwimmt Öl in einer Betonwanne. Ungeschützt, mitten auf einem Feld. „Das sind bestimmt 300 Liter“, sagt Harald Reinecke, parteiloser Bürgermeister von Kenz-Küstrow, nachdem er einen Stock in die Flüssigkeit getaucht und die Menge überschlagen hat. Unter dem zweiten Trafo schwimmt etwas weniger von der einstigen Kühlflüssigkeit. Dafür ist diese Anlage noch maroder. Es gibt große Ritzen und Lücken, die Erde hat hier schwarze Flecken.

Mitbetreiber der stillgelegten Anlagen ist Andreas Jesse aus Sternberg, Windstrom-Unternehmer der ersten Stunde und Landeschef des bundesweiten Windenergieverbandes. Er macht Vandalismus für die Schäden verantwortlich. „Eigentlich sollten die Anlagen längst abtransportiert sein“, sagt er. Jesse hält Umweltschäden für unwahrscheinlich. „Die Betonwanne hält viel ab“, sagt er.

Laut Jesse wollte ein Käufer den Schrott entsorgen. Der sei aber abgesprungen, nachdem Metalldiebe die Trafos aufbrachen, um an die wertvollen Kupferspulen zu kommen. Das sei „2015 oder 2016“

gewesen, so Jesse. Bürgermeister Reinecke meint dagegen, die Anlagen seien bereits 2013 oder 2014 abgerissen worden. „Das hier erhöht bestimmt nicht die Akzeptanz für Windenergie“, sagt er. Den Behörden wirft Reinecke vor, lange nichts unternommen zu haben.

Betreiber Jesse kündigt an, der Schrott werde in den nächsten Tagen abgeholt. Er will Bodenproben entnehmen und gegebenenfalls den Boden tauschen lassen. Der Unternehmer räumt ein, dass er als Windkraft-Lobbyist eigentlich ein Vorbild sein sollte. Ob er Verbandschef bleibt, müssten die Mitglieder entscheiden, sagt er. „Das ist ein besonderer Fall und spricht sicher nicht für die Mehrheit“, meint eine Sprecherin des Windenergie-Bundesverbandes.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Bodenverunreinigung, nachdem der Stralsunder AfD-Landtagsabgeordnete Ralf Borschke von einem Anwohner einen Hinweis bekommen hatte und Strafanzeige stellte. Das Umweltamt des Landkreises Vorpommern-Rügen forderte Jesse inzwischen auf, das Gelände räumen zu lassen. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Stralsund ist für Genehmigungen und Rückbau von Windparks zuständig. Kontrollen, ob alte Anlagen tatsächlich verschwinden, sind nicht üblich, so Amtsleiter Matthias Wolters. „Wir sind davon ausgegangen, dass alles weg ist.“

Gerald Kleine Wördemann

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