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MV aktuell „Ich fühle mich als Sündenbock“
Nachrichten MV aktuell „Ich fühle mich als Sündenbock“
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04:02 14.03.2013
Wei�e Stadt in wei�er Kulisse: Blick auf das Kurhaus (l.) und das Haus Mecklenburg in Heiligendamm.

OSTSEE-ZEITUNG: Herr Jagdfeld, was denken Sie, wenn Sie in diesen Tagen durch Heiligendamm spazieren?

Anno August Jagdfeld: Einerseits ist Heiligendamm für mich nach wie vor eine wunderbar schöne Anlage von europäischem Rang. Ganz persönlich bin ich aber frustriert, dass wir trotz des enormen Einsatzes noch nicht weitergekommen sind. Es sind zu viele Steine in den Weg gelegt worden.

OZ: Im Jahr 1999 wurde Ihnen das Bundesverdienstkreuz verliehen — unter anderem für Ihre „Aufbauleistung“ in Heiligendamm. Nun scheint es, als würde man Sie aus dem Ort jagen wollen. Was, glauben Sie, ist der Grund dafür?

Jagdfeld: Das ist schwierig zu beantworten. Entweder ist man der Erlöser oder der Sündenbock. Ich habe mein Bestes gegeben. Als Unternehmer wollte ich mehr unternehmen. Aber das war bislang leider nicht möglich.

 

OZ: Sie fühlen sich als Sündenbock?

Jagdfeld: Ja. Es gibt viele, die sagen, der Mann hat viel geleistet, und ohne Jagdfeld sähe Heiligendamm heute aus wie das einsturzgefährdete alte Moorbad in Bad Doberan. Andere tun sich schwer mit mir und Heiligendamm. Heiligendamm ist elitär. Und das Elitäre hat es schwer in unserer Gesellschaft.

 

OZ: Welche Sünden wirft man Ihnen denn vor?

Jagdfeld: Viele haben vielleicht erwartet, dass ich alle Probleme allein löse. So war es ja zu DDR-Zeiten auch. Da sollte die Partei alles lösen. Zudem ist Heiligendamm eine der größten unternehmerischen Aufgaben in Deutschland, für die es kein Vorbild gibt, und auch die schwierigste Aufgabe in meinem Leben. Und die zu bewältigen, geht nur mit Unterstützung der Politik. Die hatte ich zu manchen Zeiten, zu manchen aber auch nicht.

 

OZ: Das Grand Hotel ist pleite, kein Baurecht mehr für die „Perlenkette“, es droht auch der Verlust des Baurechts für die neue Villen-Siedlung. Was wird aus Ihrem Traum einer weißen Stadt am Meer?

Jagdfeld: In Heiligendamm gab es schon immer ein Auf und Ab. Aber das Grand Hotel hatte noch nie eine solche Qualität wie heute. Ich hoffe immer noch, dass es bald weitergeht. Denn eine Blockade schadet uns allen.

 

OZ: Mit Blockade meinen Sie, dass Ihnen das Baurecht für die Sanierung der klassizistischen Villen in der „Perlenkette“ entzogen wurde?

Jagdfeld: Ja, auch. Wir wurden jahrelang attackiert, dass sich dort nichts tut. Und jetzt nimmt man uns das Baurecht weg. Fakt ist, wir wurden ständig an der Sanierung gehindert. Im ursprünglichen Vertrag zwischen uns und der Stadt ist festgelegt, dass wir erst das Hotel wiederaufbauen, dann die „Perlenkette“ sanieren und schließlich die unbebauten Flächen entwickeln. Daran haben wir uns gehalten.

 

OZ: Aber das Hotel war bereits 2003 fertig …

Jagdfeld: Wir mussten aber feststellen, dass der ursprüngliche Plan für die Villen keine Zukunft hatte. Der hätte nämlich ein zweites Hotel vorgesehen. Aber wenn das eine Hotel auf der Intensivstation liegt, baut man kein zweites daneben. Zugegeben: Da ist vieles unglücklich gelaufen, aber es hat fünf Jahre gedauert — bis 2010 — bis wir endlich passendes Baurecht hatten. Wenn es die Verzögerungen nicht gegeben hätte, wäre die „Perlenkette“ längst fertig — schon aus unserem ureigenen Interesse.

OZ: Es gab Gerüchte, Russlands Präsident Wladimir Putin wolle eine der Villen kaufen.

Jagdfeld (lacht): Ich kann bestätigen, dass es diese Gerüchte gab.

OZ: Warum ist es Ihnen in all den Jahren nicht gelungen, Geld mit dem Grand Hotel zu verdienen?

Jagdfeld: Der ehemalige Hotelbetreiber, die Kempinski-Gruppe, hat das jüngst sehr deutlich zusammengefasst: In der Anfangszeit fühlten sich die Hotelgäste von den Massen an Tagestouristen gestört. Bundesweit schrieben die Zeitungen vom „Klassenkampf am Ostseestrand“. Das alles hat dem Image des Hotels geschadet. Das ist der zentrale Grund für die Misere. Erst 2006 haben dann Land und Stadt entschieden, die Flächen des Hotels zu sperren.

 

OZ: Aber können Sie den Wunsch nicht nachvollziehen, dass die Menschen das von Ihnen restaurierte tolle Ensemble sehen wollen?

Jagdfeld: Ja, natürlich. Aber das können sie ja auch. Jeder kann jedes Haus von der Promenade oder der Kühlungsborner Straße bewundern. Niemand braucht dafür einen Stichweg, der durch das Hotelgelände geht.

OZ: Seit einem Jahr sucht der Insolvenzverwalter einen Käufer für das insolvente Grand Hotel. Weshalb hatte er noch keinen Erfolg?

Jagdfeld: Dafür gibt es drei Gründe. Erstens: Es wird kein Konzept vorgelegt, wie ein Käufer mit Heiligendamm Gewinn machen könnte. Zweitens: Seit zehn Jahren macht Bad Doberan bundesweit mit seiner wirtschaftsunfreundlichen Einstellung von sich reden. Jeder Investor weiß: Wie mir würde es auch ihm ergehen. Und drittens: Der Markt für Luxushotels liegt am Boden. Sie können derzeit zehn Luxushotels für weniger Geld kaufen als das Grand Hotel — und diese Häuser machen sogar Gewinn.

 

OZ: Was ist mit Ihnen selbst als Käufer? Sie haben das Hotel mal als die Tochter bezeichnet, die Sie nie hatten...

Jagdfeld: Man soll nie nie sagen, aber ich habe hier mehr als neun Jahre ums Überleben des Hotels gekämpft. Ich würde es sehr begrüßen, wenn jemand anderes sich jetzt dieser Aufgabe stellt.

Ich will nicht ewig gegen Windmühlen kämpfen. Aber ich bin bereit, mit jedem Investor zusammenzuarbeiten, der die mit der Stadt gemeinsam erarbeitete Entwicklung Heiligendamms unterstützt. Eine Zerfledderung kann ich aber nicht unterstützen.

OZ: Die dürfte ja — zumindest aus Ihrer Sicht — bereits im Gange sein. Die Orangerie, die bislang zum Grand Hotel gehört, soll an die Median-Gruppe verkauft werden, die Burg Hohenzollern wohl auch.

Jagdfeld: Die Orangerie zum Ramschpreis von wohl nur 1200 Euro pro Quadratmeter zu verkaufen, wäre ausschließlich im Interesse der Median Kiniken. Ich halte das aber auch grundsätzlich für falsch und brandgefährlich, denn Heiligendamm würde so erst recht unverkäuflich: Niemand amputiert sich ein gesundes Bein, um dann für viel mehr Geld eine Prothese zu kaufen. Im Übrigen hat der Gläubigerausschuss selbst erklärt, eine Zerfledderung sei mit ihm nicht zu machen. Ich kann den Sinneswandel nicht nachvollziehen.

  

OZ: Wird sich Heiligendamm jemals zu einem internationalen Anziehungspunkt entwickeln?

Jagdfeld: Das ist schwer. Ein Engländer fährt mal nach Berlin, aber ansonsten eher ans Mittelmeer. Dorthin, wo das Wetter schön ist. Das Hotel muss 95 Prozent seiner Gäste im deutschsprachigen Raum generieren. Da dort aber 100 Millionen Menschen leben, reicht das auch vollkommen aus.

 

OZ: Rund um den G 8-Gipfel 2007 erreichte das Hotel weltweite Bekanntheit. Konnte Heiligendamm davon nicht profitieren?

Jagdfeld: Doch. Das Grand Hotel ist nach dem Adlon das bekannteste Hotel in Deutschland. Der Gipfel hat geholfen — vor allem aber dem Land, das noch heute mit seinem Flaggschiff Heiligendamm wirbt.

 

OZ: Sie sprachen über Ihren Frust, den Sie haben. Wie lange machen Sie noch weiter?

Jagdfeld: Ich bin 66 und möchte langsam nicht mehr 70 Stunden pro Woche arbeiten. Ich lebe gerne hier und mag die melancholische Grundstimmung in Mecklenburg. Ich habe fünf Söhne, und jeder wird einen Teil der Unternehmensgruppe übernehmen. Mein Sohn Julius wird sich um Heiligendamm kümmern.

 

OZ: Werden Sie sich weiter in Heiligendamm engagieren?

Jagdfeld: Natürlich engagiere ich mich weiter. Es muss uns jetzt gelingen, die Konstanten im Ort an einen Tisch zu bringen. Und neben Stadt und Land sind wir das, die wir uns seit 1996 hier engagieren. Diese drei haben natürlicherweise ein nachhaltiges Interesse an Heiligendamm. Diese drei Konstanten müssen wieder fair, ohne Drohungen und auf Augenhöhe miteinander reden — und den gemeinsamen Nenner finden. Wenn uns das gelingt, wird es wieder bergaufgehen mit dem Ort. An mir scheitert das nicht.

• Das komplette Interview:

www.ostsee-zeitung.de

Jagdfelds ECH
Die Entwicklungs Compagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG (ECH) — ein zur Dürener Fundus-Gruppe gehörendes Unternehmen — kaufte 1996 den baufälligen Ortskern des ältesten deutschen Seebades von der Bundesvermögensverwaltung — für 18 Millionen D-Mark. Mit dem Fundus-Fonds Nummer 34 sammelte Projektentwickler und Fundus-Chef Anno August Jagdfeld Kapital für den Ausbau von fünf der historischen Gebäude zum Kempinski Grand Hotel Heiligendamm. An dem geschlossenen Immobilienfonds beteiligten sich 1900 Anleger mit 135 Millionen Euro. Weitere 50 Millionen Euro soll die öffentliche Hand beigesteuert haben. Fundus beziffert das Invest auf „mehr als 220 Millionen Euro“.

Die 5-Sterne-plus-Hotelanlage öffnete im Frühjahr 2003 und hatte von Anfang an Probleme mit der Auslastung. Anfang Juni 2007 fand der G8-Gipfel in Heiligendamm statt.

In den Jahren danach geriet die Entwicklung Heiligendamms ins Stocken. Im Februar 2009 stieg die Kempinski-Gruppe aus dem Projekt aus. Seitdem wurde das Hotel von Jagdfeld selbst betrieben.

Ende Februar 2012 meldete die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG beim Amtsgericht Aachen Insolvenz an.

Ein Käufer für die Luxus-Herberge hat sich seither nicht gefunden. Die Fondsanleger haften mit ihren Anteilen für die Schulden. Dass sie ihr Geld wiedersehen, ist unwahrscheinlich.

Heiligendamm ist eine der größten unterneh- merischen Auf- gaben in Deutsch- land, für die es kein Vorbild gibt, und auch die schwie- rigste Aufgabe in meinem Leben.“

Anno August Jagdfeld

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