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Im Osten wird länger gearbeitet

Im Osten wird länger gearbeitet

Beschäftigte im Westen haben kürzere Arbeitszeiten / Leser kritisieren die Ungleichheit in Deutschland

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Mitarbeiter des Dachdeckerhandwerks erhalten ab 1. Januar 2016 einen tariflichen Mindestlohn von 12,05 Euro pro Stunde.

Quelle: fotolia

Rostock. Die deutlich geringere Tarifbindung im Osten Deutschlands ist laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) ein Grund dafür, weshalb Ostdeutsche länger arbeiten als Westdeutsche. Nur für jeden zweiten Erwerbstätigen gelte im Osten ein Tarifvertrag. Einer Untersuchung zufolge haben die Beschäftigten in Ostdeutschland 2015 zwei Wochen länger gearbeitet als ihre Kollegen in den alten Bundesländern. Die Erwerbstätigen im Osten kamen demnach auf 1436 Stunden, im Westen auf 1359. Die Gewerkschaft fordert deshalb, dass die Anzahl der Betriebe mit Tarifbindung deutlich steigen müsse. Die Leser der OSTSEE-ZEITUNG äußern sich über die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen kontrovers auf der Facebook-Seite der OZ sowie in Leserbriefen.

Für Peter Isso ist das „Jammern und feststellen, dass wir hier ärmer dran sind“ ein Unding. Ebenso, die Hände in den Schoß zu legen und sich auf die Altersarmut seelisch und mental vorzubereiten. „Man muss gemeinsam mit seinen Kollegen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen und das mit und in der Gewerkschaft“, erklärt er. Anders gehe es nicht. Menschen, die in Betrieben arbeiten würden, die nach Tarif bezahlt werden (gerade aufgrund starker Gewerkschaften), ergeht es meist um einiges besser. Das sieht Jürgen Sommer genauso: „Hört auf zu jammern, geht auf die Straße, kämpft für mehr Geld, nur so kann man was bewirken.“ Er fordert, dass Arbeitnehmer in die Gewerkschaften eintreten sollten, um die Kollegen, die ihre Interessen vertreten, zu unterstützen. Diejenigen, die ihre Interessen nicht vertreten, sollten dagegen abgewählt werden. Auch Robert Müller plädiert dafür, mit den Gewerkschaften zusammen zu kämpfen und die Bürokraten abzuwählen. Dirk Wesemann zweifelt an den Gewerkschaften: Die „sind mir in letzter Zeit zu regierungskonform geworden“, meint er.

Dass in den alten Bundesländern mehr verdient wird, ist für Ulrike Palm logisch: „Die Kosten hier im Westen sind auch höher.“ Im Durchschnitt hätten jedoch alle nicht genug Geld zum Überleben, egal ob im Osten oder Westen. Facebook-Nutzerin Caro La hält dagegen: „Irrtum“, in MV ist sogar der Strompreis höher. Mieten und Lebenshaltungskosten würden denen in einer westdeutschen Stadt in nichts nachstehen.

Diese regionale Einteilung stört Peter Schrader sehr: „Es ist immer noch die Rede von Ostdeutschen und Westdeutschen, das sagt mir, dass die Mauer noch da ist.“ Auch Britta Möller sieht das so. „Ich sage mal eher traurig dazu: Dass nach so vielen Jahren noch so viele Unterschiede da sind. Das nennt sich dann auch noch ein Deutschland!“ In Ostdeutschland verdiene man viel, viel weniger als im Westen, meint Jeannette Kehrrunde . Das sei leider immer noch wahr. Und Gisela Groß schreibt: „Es wird ja nicht einmal der Stundenlohn gezahlt wie im Westen und das nach 25 Jahren Einheit.“ Dazu gebe es im Osten noch die 40 Stunden-Woche. Und andere würden alles bezahlt bekommen und brauchen gar nicht zu arbeiten.

Für Peter Offermann steht fest: „Im Westen geht keiner für 8,50 Euro Stundenlohn arbeiten.“ „Im Osten auch nicht“, antwortet Hermann Steiner . „Ich jedenfalls hab‘ die Erfahrung gemacht: Weg vom Erzgebirge nach 25 Jahren, an die Ostsee“, berichtet er. „Nun verdiene ich wesentlich mehr als Koch, kann mir hier die Arbeitsstellen aussuchen und meinen Lohn gut aushandeln. Da bin ich nicht auf den Mindestlohn angewiesen wie vorher im Erzgebirge.“

Tarifverträge

50 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiteten im Jahr 2014 in Betrieben, für die ein Branchentarifvertrag galt. Das zeigen die Daten des IAB-Betriebspanels, einer jährlichen Befragung von mehr als 15000 Betrieben durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In Westdeutschland arbeiteten 1996 etwa 70 Prozent der Beschäftigten in Betrieben, in denen ein Branchentarifvertrag galt. Im Jahr 2014 waren es nur noch 53 Prozent.

In Ostdeutschland sank der Anteil der Beschäftigten im Tarif von 56 Prozent (1996) auf 36 Prozent (2014).

Von Bernhard Schmidtbauer

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