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MV aktuell Immer mehr Rentner arbeiten weiter
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00:00 28.07.2018
Rostock

Von wegen Ruhestand: Immer mehr Senioren in Mecklenburg-Vorpommern müssen – oder wollen – sich zu ihrer Rente etwas dazuverdienen. Vor 15 Jahren waren bei der Arbeitsagentur 7994 über 65-Jährige mit geringfügiger Beschäftigung gemeldet, 2017 waren es 15716. Bei der Linkspartei und bei Sozialverbänden schrillen die Alarmglocken.

„Es ist skandalös, dass immer mehr Menschen in ihrem wohlverdienten Rentenalter dazuverdienen müssen.Torsten Koplin

Die Linke

„Es ist nicht verwunderlich, aber dennoch skandalös, dass immer mehr Menschen in ihrem wohlverdienten Rentenalter dazuverdienen müssen, um finanziell über die Runden kommen zu können“, sagt Torsten Koplin, sozialpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag. „Das ist die Folge einer verfehlten Arbeitsmarktpolitik von CDU und SPD. Viele waren oft und lange Zeit arbeitslos.

Zugleich haben sich zahlreiche Beschäftigte im Niedriglohnsektor geradezu arm gearbeitet.“

MV liegt bei der Entwicklung ganz im Bundestrend: Die Zahl der Menschen, die 65 Jahre und älter sind und einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, hat sich zwischen 2003 und 2017 auf über eine Million verdoppelt. Damit stellt diese Altersgruppe mittlerweile den größten Anteil an den geringfügig Beschäftigten.

Im Dezember 2017 gab es genau 1074689 Minijobber, die 65 Jahre und älter waren. Ende 2003 waren es dagegen nur 587046. Damals bildeten mit 687 565 noch die 35- bis unter 40-Jährigen die größte Altersgruppe bei den Minijobbern. Insgesamt blieb die Zahl der Minijobber nahezu konstant: 2004 waren es 6,84 Millionen, 2017 mit 6,67 Millionen sogar etwas weniger.

Auf die Daten hatte die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann aufmerksam gemacht. Zimmermann sagte der „Passauer Neuen Presse“, die meisten älteren Menschen dürften aus finanzieller Not weiter arbeiten. Dieser Entwicklung müsse Einhalt geboten werden.

Zimmermann erneuerte die Linken-Forderung, das Rentenniveau „auf mindestens 53 Prozent“ anzuheben und eine solidarische Mindestrente in Höhe von 1050 Euro einzuführen. Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn.

Koplin warnt: „Es steht zu befürchten, dass sich die Situation für die älteren Menschen hierzulande noch verschärft. Derzeit liegt die Altersarmutsquote in MV bei etwas über 20 Prozent, Experten gehen davon aus, dass diese Quote zu Beginn der 2030er Jahre auf über 35 Prozent ansteigt.“ Um das abzuwenden, sei neben der Grundsicherung im Alter auch eine aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig.

Der Landesvorsitzende des Sozialverbands MV, Helmhold Seidlein, sagt: „Der Anstieg der Minijobber verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit, zu einem lebensstandardsichernden Rentenniveau zurückzukehren, um die Rentnerinnen und Rentner an der Wohlstandsentwicklung der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Nur so kann der Gefahr von Armut im Alter wirksam begegnet werden.“

Der Sozialverband MV begrüße daher die aktuelle Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, Leistungsverbesserungen und eine Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung gesetzlich festzuschreiben. „Das geht in die richtige Richtung, reicht aber noch keinesfalls aus“, betont Seidlein.

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, wertet die Zahlen ebenfalls als Beleg dafür, dass viele Menschen im Alter mit ihrer Rente nicht mehr über die Runden kämen. „Es kann in einem so reichen Land wie Deutschland nicht sein, dass immer mehr Rentner nach einem langen Leben voller Arbeit auch im Alter noch nebenbei arbeiten müssen.“

Bentele fordert unter anderem ein Rentenniveau von 50 Prozent und eine ausreichende rentenrechtliche Anerkennung von Zeiten der Kindererziehung, Pflege und Arbeitslosigkeit.

Milliarden für die Sozialkassen

83 Milliarden Euro hat die Minijob-Zentrale seit ihrer Gründung 2003 an die Kranken- und Rentenversicherungen gezahlt (Stand 2017). Mehr als 78,5 Milliarden Euro wurden an Beiträgen für Minijobs im gewerblichen Bereich eingezogen. Hinzu kommen weitere 5,1 Milliarden Euro aus dem Einzug der einheitlichen Pauschsteuer. Der jeweilige Jahresbetrag ist dabei kontinuierlich gestiegen, obwohl die Zahl der Minijobber seit vielen Jahren nahezu konstant bleibt und sogar eher rückläufig ist. 2004 waren es 6,84 Millionen, 2017 nur noch 6,67 Millionen, darunter eine Million Beschäftigte im Rentenalter.

Axel Büssem

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