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MV aktuell Internet: Glückssache im Schmalspur-Land
Nachrichten MV aktuell Internet: Glückssache im Schmalspur-Land
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00:05 30.01.2018

Nicht schon wieder. Bernd Krüger (75) spielt „Siedler“ im Internet. Silvia Brennführer (63) geht online shoppen. Zwei Rechner stehen im Wohnzimmer des Paars in Nakenstorf bei Neukloster, Seite an Seite. „Das ist unser Hobby“, sagt Krüger. „Wir machen viel am Computer.“ Wenn es denn nur ginge. Das Problem: Die Datenübertragung ist zu gering.

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Die Breitband-Versorgung in MV schwankt offiziell erheblich – in der Realität ist vieles schlechter

OZ-Serie zur Digitalisierung in MV

Wie viel Internet braucht ein Mensch? Dieser Frage geht die Serie „MVverNETZt“ nach.

Wir suchen Familien und Firmen, die gern flottes Netz hätten, darauf aber warten müssen. Rufen Sie an (03 81 / 36 53 83) oder schreiben Sie uns: reporter@ostsee-zeitung.de

MV abgehängt im Vergleich der Bundesländer

14 von 15 anderen Bundesländern haben laut Bundes- regierung bessere Internetverbindung als MV, nur in Sachsen-Anhalt steht es schlechter um den Breitband-Ausbau.

Zum Vergleich: 30 oder mehr Mbit pro Sekunde haben MV-weit 60,5 Prozent der Haushalte (Stand 2017). Spitze: Hamburg (98,1), Bremen (96,3) Berlin (95,6).

Nachbar Schleswig-Holstein verfügt über 81,9 Prozent.

Computerspiel oder Browser bleiben stecken, das Radio fällt aus, mehrfach am Tag. „Bis zu einer dreiviertel Stunde“, sagt Krüger. Die Internetversorgung sei schlecht. Mindestens 2 Mbit pro Sekunde hat die Deutsche Telekom per Vertrag zugesichert. Der Treibstoff für virtuelle Reisen. Doch nur 0,7 bis 1,2 kämen an, je nach Tageszeit. In Spitzen 1,6. „Wenn es gut läuft“, sagt Krüger. Doch gut laufe es fast nie.

Ärger, den landesweit viele Menschen mit ihrem Internetzugang haben. Offiziell sind laut Bundesverkehrsministerium fast 95 Prozent der MV-Haushalte mit mindestens sechs Mbit ausgestattet (Stand Mitte 2017). Bei höheren Raten zählt MV zu den Schlusslichtern unter den Bundesländern: 67 Prozent sollen 30, gut 60 Prozent mindestens 50 Mbit schnell surfen können. Der Breitband-Atlas (Grafik), in dem die Bundesnetzagentur den Ausbaustand der digitalen Welt darstellt, zeigt: Städte sind bevorteilt, das flache Land an vielen Stellen noch Breitbandwüste. „Im Sinne der EU-Leitlinien gilt ein Haushalt mit einer Datenrate von 30 Mbit im Download als versorgt“, erklärt Kathrin Heidinger vom Breitbandkompetenzzentrum MV, das Kommunen unterstützt. Demnach gehören Teile des Landes nicht zur EU.

Denn in der Realität ist es an vielen Stellen weit schlimmer. So wie in Nakenstorf. Von den 2 bis 6 Mbit, die die Telekom zusagt, komme nur ein Bruchteil an, erklärt Bernd Krüger. Ständig falle das Internet aus, auch das Telefon. Erfahrungen, die auch Nachbar Olaf Kruse ständig macht: „Nicht mal eine Online-Anzeige bei der Polizei kann man machen.“ Er wisse: Die schnelle Glasfaserleitung endet etwa in einem Kilometer Entfernung.

Krüger wendet sich an die OZ. Er hat den Aufruf zur Serie „MVverNETZt“ gelesen. Was jetzt folgt, grenzt für ihn an ein Wunder: Wenige Stunden nach der OZ-Anfrage bei der Deutschen Telekom wächst die Internetleitung in Nakenstorf über sich hinaus. „4893“ zeigt der Geschwindigkeitstest an, den Bernd Krüger durchführt. Fast 5 Mbit im Download. Das Fünffache des sonstigen Angebots. „Unglaublich“, sagt Krüger. „Es geht doch.“ Nachbar Stefan Czajka (61) kommt herein, kann es nicht glauben. „Ooaaah!“, entfährt es ihm nur. Er habe gerade 2 Mbit bei sich gemessen. Mangel an Breitband verbindet in Nakenstorf.

Der Zufall will es: In dem Moment ruft der Kundenservice der Telekom an. Man habe von seinen Problemen gehört, erfährt Krüger. Leider sei kein weiterer Ausbau geplant. „Aber ich will doch nur die vereinbarte Leistung“, sagt er. Schwierig, erklärt Telekom-Sprecher Malte Reinhardt gegenüber der OZ. Man werde prüfen, was geht. Bei langen Wegen sinke die digitale Übertragungsleistung leider.

Warum plötzlich doch 5 Mbit in Nakenstorf möglich sind, könne er nicht erklären. Bernd Krüger rät er, über einen Hybrid-Anschluss mit mobilem LTE-Netz nachzudenken. Möglich wäre auch, den Vertrag zu beenden. „Ich möchte doch nur Empfang“, sagt Krüger.

Den müsse der Anbieter gewährleisten, stellt Mathias Wins von der Verbraucherzentrale MV fest. Denn in Bernd Krügers Vertrag ist eine Mindestübertragung von 2 Mbit fixiert. Wins rät, mit regelmäßigen Messungen das Defizit zu belegen „und vom Anbieter die Einhaltung des Vertrages einzufordern“. Leider böten einige Firmen Verträge an, die gar nicht umzusetzen seien. Wins fordert mehr Information:

„Man sollte Kunden nicht die Katze im Sack verkaufen.“ Der digitale Ausbauzustand sei „ein Armutszeugnis für das Land“.

Gefallen lassen müssen sich Verbraucher nicht alles. Die vertraglich vereinbarte Mindestgeschwindigkeit müsse überwiegend eingehalten werden, erklärt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur.

Sinkt das Angebot innerhalb von zwei Tagen mindestens einmal auf unter 90 Prozent dieser Marke, könne man vom Anbieter mehr einfordern. „Wenn auf diesem Weg keine Lösung erzielt wird, können sich Verbraucher an die Bundesnetzagentur wenden“, so Reifenberg. Die Behörde schalte sich dann ein. Sein Rat: An zwei aufeinanderfolgenden Tagen sollten Betroffene vorher jeweils zehn Breitband-Messungen vom Computer aus durchführen. Möglich unter www.breitbandmessung.de.

Die Landesregierung hat den flächendeckenden Internet-Ausbau auf mindestens 50 Mbit als Ziel ausgegeben. 2018 könnte es auch in Nakenstorf Verbesserung geben, weiß Moritz Nalbach, Besitzer des „Seehotels am Neuklostersee“. Er sei noch skeptisch. Dorfbewohner sagten, sie glauben es erst, wenn es passiert ist. Den jetzigen Zustand hält der Hotelbesitzer für unzumutbar. „Für viele Leute ist Internet sehr wichtig.“ Kunden fragten danach. Bislang hat auch das Hotel nur Internet im Schneckentempo.

Bernd Krüger würde gern einfach nur weiter „Siedler“ spielen. Über 5 Mbit verfügt er jetzt. „Mal sehen, wie lange“, sagt er.

Frank Pubantz

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