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Internet-Kriminalität: Bürger müssen sich selbst schützen

Rostock Internet-Kriminalität: Bürger müssen sich selbst schützen

Die wachsende Digitalisierung des Alltags bietet immer mehr und neue Möglichkeiten für Kriminelle. Innenminister Caffier sagt, dass der Staat dabei an seine Grenzen komme.

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OZ-Forum zum Thema Sicherheit: Innenminister Lorenz Caffier (CDU) war am Dienstagabend im Rostocker Medienhaus zu Gast.

Quelle: Frank Söllner

Rostock. Tatort Internet: Die wachsende Digitalisierung des Alltags bietet immer mehr und neue Möglichkeiten für Kriminelle. „Wir stehen ganz am Anfang“, sagte Lorenz Caffier (CDU), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, am Dienstag beim OZ-Forum zum Thema Sicherheit im Rostocker Medienhaus. Der Staat komme dabei an seine Grenzen. „Wir können noch so viele Polizisten einstellen, die Bürger müssen sich mehr selber schützen“, erklärte Caffier.

 

Innovationen wie vernetzte Häuser (Smart Homes), bei denen sich Türen und Fenster per Mobiltelefon öffnen lassen, führen zu völlig neuen Straftaten. Den Ordnungshütern falle es schwer, mit ihrer technischen Ausstattung mitzuhalten, räumte der Minister ein: „Kriminelle gehen einfach in den Laden und kaufen sich das Modernste, was es gibt. Wir müssen erst einmal einen Antrag stellen.“ Und bis zu 20 Monaten warten. Der öffentliche Dienst sei „ein träges Schiff“.

Caffier spricht sich bei der Strafverfolgung für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern aus. Auch das geplante Cyberzentrum der Bundeswehr sollte mit den Ermittlungsbehörden kooperieren. Dazu müsste aber das Grundgesetz geändert werden. Zudem bremse der Datenschutz: „Wir müssen bestimmte Zugänge erhalten.“ Sonst bekämen Betroffene, die Anzeige erstatten wollen, künftig öfter zu hören: „Wir können nicht ermitteln, weil wir nicht an die Daten kommen.“

Beim Kampf gegen die Internetkriminalität fehlen den Behörden zunehmend Fachleute: Obwohl der Stellenabbau bei der Polizei im Nordosten gestoppt ist, sei es nicht leicht, IT-Experten zu finden, räumte Caffier ein. Unter anderem wegen der geringeren Gehälter im Vergleich zur Wirtschaft.

„Wir dürfen uns nicht verängstigen lassen“, appellierte der Politiker. Prävention werde immer wichtiger. Der oberste Ordnungshüter verwies auf ein Modellprojekt auf der Insel Usedom, bei dem Beamte Häuser begutachten und auf Schwachpunkte beim Einbruchsschutz hinweisen.

Außer Körperverletzung gebe es im Netz mittlerweile alle Formen von Straftaten, sagte Jörg Bruhn, Dezernatsleiter für Cyberkriminalität beim Landeskriminalamt MV. Und nur ein Bruchteil aller Taten würde angezeigt. Weil das Netz immer mehr an Bedeutung gewinnt, sei der gut informierte Bürger am besten geschützt. Bruhn schlug einen „Siebten Sinn“ für Cybercrime vor, in Anspielung auf die beliebte TV-Sendung für den Straßenverkehr aus den 1970er-Jahren.

Dass die Angst vor Tätern aus der Welt der Bits und Bytes wächst, belegt eine aktuelle Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom. Demnach fühlen sich 85 Prozent der Bevölkerung zunehmend durch Internet-Kriminalität bedroht, 79 Prozent sagen, die Politik müsse die Polizei für diesen Bereich besser ausstatten.

Gerald Kleine Wördemann

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