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Investoren drängen auf Hochhäuser am Ostseestrand

Börgerende/Schwerin/Rostock Investoren drängen auf Hochhäuser am Ostseestrand

In Börgerende bei Rostock will ein Unternehmer hoch hinaus – er ist nicht der Einzige

Börgerende/Schwerin/Rostock. Neue Träume vom Hochhaus am Ostseestrand: Der Windkraft-Unternehmer Carlo Schmidt will in Börgerende bei Rostock ein 67 Meter hohes Gebäude errichten, wenige hundert Meter entfernt vom Wasser. Es wäre nach dem Rostocker Wiro-Hochhaus (77 Meter) das zweithöchste Haus in Mecklenburg-Vorpommern. Die bisherige Nummer zwei, das Hotel Neptun in Warnemünde, ist drei Meter kleiner. Die Gemeinde will morgen über die nötige Änderung des Bebauungsplans entscheiden. Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos) kündigt einen Bürgerentscheid an.

Erst vor zweieinhalb Wochen kippte eine Mehrheit der Einwohner in Prora auf Rügen die Pläne eines Investors für ein 104 Meter hohes Hochhaus, das wie ein riesiger Bücherstapel aussehen sollte.

In Schwerin wurde Anfang des Jahres wochenlang über Hochhaus- Projekte am Ziegelinnensee gestritten. In Rostock plant die Wohngenossenschaft Union einen 66 Meter hohen Wohnturm.

„Für ein Hochhaus braucht man sehr gute Argumente“, sagt Joachim Brenncke, Präsident der Architektenkammer MV. Die fehlten meist im dünn besiedelten Nordosten. Flächenmangel sei in Metropolen ein Grund für vielgeschossige Bauten, nicht jedoch in MV. Zudem müsse man sich klarmachen, wie sich ein Hochhaus in das Umfeld einpasst, wie es den Ort verändert und was die Gesellschaft davon hat, warnt Brenncke.

Auch in Börgerende gibt es Gegenwind für das geplante „Haus der Energien“. Neben Gastronomie soll ein Forschungsinstitut für Alternative Energie einziehen, bestätigt Uwe Ritschel, Inhaber der Nordex-Stiftungsprofessur für Windkraft an der Uni Rostock. Er betont, dass es sich um ein neues Institut handelt, das noch gegründet werden muss, die Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Verlegung von Einrichtungen der Uni nach Börgerende sei nicht geplant.

Wann das Haus gebaut werden kann, blieb gestern offen. Investor Schmidt, Chef der Börgerender Firma Wind-Projekt, stellte seine Pläne am Abend im Bauausschuss der Gemeinde vor. Doch die will dazu einen Bürgerentscheid organisieren.

Im Ort sorgt das Vorhaben für Diskussion. „Ein Hochhaus würde den Charakter des Dorfes dominieren“, kritisiert Einwohnerin Petra Benkenstein. Die Straßen seien viel zu schmal für den zu erwartenden Verkehr. Sie kenne kaum jemanden, der das Projekt befürworte. „Es wäre eine Bereicherung“, findet dagegen Einwohnerin Gisela Steinhagen-Schneider. Der Gemeinde täten zusätzliche Steuereinnahmen und eine Forschungseinrichtung gut. „Es wird nichts gegen den Willen der Bürger entschieden“, verspricht Bürgermeister Hagemeister. Seiten 2, 5 und Lokales

Gerald Kleine Wördemann

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