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Ist im Fahrradland MV die Luft raus?

Rostock Ist im Fahrradland MV die Luft raus?

Im Bundesländer-Ranking rutscht der Nordosten weit nach hinten / Service und Infrastruktur entlang der Radwege schneiden in Gästegunst schlechter ab

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Touristen mit Fahrrädern fahren auf einem Sturmflutdeich durch das Seebad Vitte auf der Insel Hiddensee.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Rostock. Mecklenburg-Vorpommern bekommt von Rad-Touristen schlechtere Noten. Im aktuellen Ranking der beliebtesten Radregionen Deutschlands landete der ostdeutsche Norden nur noch auf Platz sieben. Und auch das ist noch geschmeichelt. Denn Rang fünf ist mit Brandenburg und Baden-Württemberg doppelt besetzt, und auch Platz sieben muss MV sich mit dem Ruhrgebiet teilen.

Beide Regionen erreichten in der Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) gerade mal einen Wert von 2,7. Zum Vergleich: Spitzenreiter Bayern, der die Top Ten anführt, kam auf 9,8.

Dabei lag MV viele Jahre in der Gunst der Radtouristen ganz weit vorn. Siebenmal in Folge hatten die ADFC-Mitglieder die Region zur beliebtesten Radregion Deutschlands gewählt, im vorigen Jahr immerhin noch auf Platz drei.

Auf einer Radkonferenz unter dem Motto „Aufbruch oder Stillstand?“ wird am 26. April in Rostock über die Zukunft des Radtourismus diskutiert. Dabei werden auch Erfahrungen aus Brandenburg vorgestellt. Denn Brandenburg zog in der Gunst der Gäste an MV vorbei. Im Vorfeld der Konferenz hieß es bereits, das Radwegenetz müsse „ausgebaut und erweitert werden“. Der Präsident des Landestourismusverbandes, Jürgen Seidel, fordert dabei „konsequentes Handeln über einzelne Zuständigkeiten hinweg“. Beim Landestourismusverband weiß man, was auf dem Spiel steht. „Radurlaub ist die aktivste Urlaubsform, fast jeder zweite Gast will in den Ferien mindestens einmal aufs Rad steigen“, sagt Vize-Geschäftsführer Tobias Woitendorf.

Die ADFC-Analyse hat aber noch andere Facetten. So gilt der Ostseeküstenradweg zwar nicht als beliebtester Radfernweg. Dies ist nun schon zum zwölften Mal der Elbe-Radweg, vor denen an Weser und Ruhr. Trotzdem ist die Route entlang der Küste unter 251 genannten Strecken das Ziel, das 2016 die meisten der befragten Radtouristen ansteuern. Martin Elshoff vom ADFC-Landesvorstand in Rostock weiß, der Ostseeradweg ist auf vielen Abschnitten „irrsinnig belegt“, wie er sagt. Nicht nur Radfahrer, auch „Wanderer, Skater, E-Bikes und Hundebesitzer“ nutzen den Weg. Für Rad-Gruppen sei dann oft kein Durchkommen mehr. „Das macht dann keinen Spaß, und das merken sich die Leute natürlich“, sagt der Radfan, den das Ergenis der jüngsten Radreiseanalyse nicht überrascht hat. „Das liegt eindeutig an der unzureichenden Infrastruktur.“ Auch beim Service entlang der Radwege hätten andere Bundesländer den ostdeutschen Norden inzwischen überholt. Bessere gastronomische Angebote an den Strecken, mehr Schutzhütten — gerade in Brandenburg habe sich da in den letzen Jahren viel getan. Den Schweriner Ministerien wirft der Fahrrad-Club vor, zu wenig zu kooperieren. Elshoff: „Es gibt eine interministerielle Arbeitsgruppe, aber wir treten seit mindestens einem Jahr auf der Stelle.“ Auch der Landestourismusverband verlangt, dass Verkehrs-, Wirtschafts- und das für den ländlichen Raum zuständige Agrarministerium ihre Anstrengungen besser bündeln.

Wirtschafts- und Tourismusminister Harry Glawe (CDU) räumt ein, dass „noch Lücken im Radwegenetz zu schließen sind“. Glawe: „Wir werden weiter in den Ausbau des Radwegenetzes investieren.“ Land und Kommunen müssten dabei gemeinsam agieren. So erhält die Gemeinde Rankwitz auf Usedom heute einen Fördermittelbescheid für den Ausbau des Radrundweges im Lieper Winkel. Laut Glawe kostet jeder Kilometer Radweg rund 150000 Euro.

Der ADFC fordert eine bessere Vernetzung der Radfernwege mit dem Landesinneren. „Vom Darß kann man wunderbar einen Abstecher ins Recknitztal oder zu den Schlössern und Gutshäusern bei Laage und Teterow machen“, meint Verbands-Vize Elshoff.

Mehr als 6000 Teilnehmer stimmten ab

Beliebteste deutsche Radregion wurde 2016 zum fünften Mal in Serie Bayern, gefolgt vom Münsterland. Auf Platz 3 liegt die Ostsee, mit dem Ostseeradwanderweg trägt MecklenburgVorpommern einen Teil dazu bei. Allerdings: MV belegt nur Platz 7. Auch Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und die Bodenseeregion rangieren vor MV.

Die Radreiseanalyse ist eine Befragung von mehr als 6000 Teilnehmern. Seit 2001 führt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sie durch.

Von Elke Ehlers

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