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MV aktuell Ja zum Meisterbrief — nein zum Kammerzwang
Nachrichten MV aktuell Ja zum Meisterbrief — nein zum Kammerzwang
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00:10 10.03.2016

Rostock. Meisterpflicht statt Freibrief: In Mecklenburg-Vorpommern wird zunehmend gefordert, die Meister-Qualifikation wieder zur Pflicht zu machen. Meisterbriefe schaffen dauerhafte und sichere Arbeitsplätze, heißt es von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaft IG Bau Mecklenburg sieht den Meisterbrief als wichtiges Mittel gegen den Fachkräftemangel. Die Leser der OSTSEE-ZEITUNG äußern in Leserbriefen sowie auf der Facebook-Seite ihre Meinung zur Stärkung des Meister-Titels.

Der Meisterbrief eines Tischlermeisters. Quelle: Patrick Pleul/dpa

Für Eberhard Kalus gilt der alte Spruch: „Ein Lehrling ist jedermann, ein Geselle ist, wer was kann, ein Meister ist, der was ersann.“ Leider seien wegen der Abschaffung des Meisterzwangs für alle, die mal irgendwo im Handwerk tätig waren, Tür und Tor für eine Selbstständigkeit geöffnet. Patrick Warnke schreibt: „Übrigens sind es die Meisterbetriebe gewesen, die vor zehn Jahren die Leute in die Selbstständigkeit geschickt haben, um Lohnkosten usw. zu sparen.“ Ja zu Qualität, aber Qualität hat nichts mit einem Meisterbrief, der Nationalität und „Geiz ist geil“ zu tun. Sarah Amalia von Thünen nennt die Kehrseite der Medaille: „Als unser Meister weg war und nicht auf die Schnelle ein neuer verfügbar war, musste unsere Firma nach 30 Jahren geschlossen werden.“ Die Handwerkskammer sei keine Hilfe gewesen, um die Arbeitsplätze zu retten. Mike Tuscher sagt, dass die Meisterpflicht für Gewerke, in denen Gefahren für die Gesundheit oder das Leben von Dritten durch die Arbeiten drohen könnten, weiter Bestand haben sollte. Aber: „Es ist nicht wirklich erklärbar, dass ein Fliesenleger einen Meisterbrief haben muss, um sein Gewerk selbstständig auszuüben.“ Das Schlimmste an der ganzen Geschichte sei jedoch der Kammerzwang. „Die Kammern müssen weg!“, meint dazu Olaf Wild. Es brauche nur drei Dinge: Wissen, Können, Wollen. Qualität zeige sich dadurch, dass die Kunden wiederkommen. Regional vergebene Aufträge würden mehr Arbeitsplätze sichern als Brief und Kammer. Robin Zumpe gibt ihm in puncto Kammern vollkommen recht. „Selbstverständlich ist ein Meistertitel kein Garant für Qualität.“ Aber ein Meistertitel bringe ja nicht nur die fachliche Qualität mit, sondern auch das Wissen, einen Betrieb führen zu können: die Ausbildung von Lehrlingen, das betriebswirtschaftliche Wissen und das unternehmerische Denken. „Die Meisterpflicht gänzlich abzuschaffen ist gleichzeitig das Ende des deutschen Handwerks“, meint er.

Auch Sebastian Jette ist für die Beibehaltung der Meisterpflicht, da Freunde und Bekannte schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht hätten mit dahergelaufenen Firmen ohne Meister.

„Ich habe in so einer Firma schon selbst gearbeitet und wurde regelrecht zum Pfusch gezwungen“, schreibt er.

„Entweder bist du Meister oder nicht“, meint Halina Burzynski. Nur ein Meister sollte Inhaber eines Geschäftes oder Firma sein können. Das erklärt auch Mathias Buhse: „Jeder, der sich selbstständig macht, sollte einen Meister haben. Egal, ob Gastronomie oder Bau.“ Meister hätten das Wissen, eine Firma anspruchsvoll zu führen. Jeder Kunde würde sich sicherer fühlen. Dann würden auch viele Scheinfirmen verschwinden. Joachim Wölfel sieht das ganz anders. Der Meisterbrief sollte nur für sicherheitsrelevante Arbeiten vorgeschrieben sein — für Gas, Elektrik, Hochbau, Kfz und ähnliches.

Meisterbrief

41 statt 94 Handwerke sind seit dem 1. Januar 2004 in Deutschland nur noch meisterpflichtig. Damit sind 53 Handwerke zulassungsfrei.

Zulassungspflichtige Handwerksberufe sind Maurer, Betonbauer, Maler, Lackierer, Zimmerer, Dachdecker, Klempner, Installateur, Heizungsbauer, Elektrotechniker, Bäcker, Konditor sowie Fleischer.

Zulassungsfreie und handwerksähnliche Berufe (ohne einen Meisterbrief) sind u.a. Fliesen- und Parkettleger, Rollladen- und Jalousiebauer, Raumausstatter und Gebäudereiniger.

Von Bernhard Schmidtbauer

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