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Jagd abgeblasen: Autobahn-Rehe werden vorerst nicht getötet

Sanitz Jagd abgeblasen: Autobahn-Rehe werden vorerst nicht getötet

Ministerien wollen unblutige Lösung finden, um die Tiere von der A 20 zu vertreiben

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Schonfrist: Für die Rehe an der A 20 soll nun eine andere Lösung als der Abschuss gefunden werden.

Quelle: Archiv

Sanitz. Die Nachricht kam spät, aber nicht zu spät für die Autobahn-Rehe an der A 20: Gestern Abend stoppte das Schweriner Umweltministerium den für heute geplanten Abschuss der Tiere, die seit mehr als einem Jahr am Fahrbahnrand leben. „Es soll doch noch versucht werden, die Rehe nachhaltig zu verscheuchen — und nicht zu erschießen“, erklärte der Sprecher des Verkehrsministeriums, Steffen Wehner. Wie das gelingen könnte, darüber wollen die Ministerien in der kommenden Woche beraten. Es soll sich um zwei Ricken und einen Rehbock handeln. Eine Abschussgenehmigung gab es aber für sechs Tiere. Für die Aktion hätte die A 20 zwischen Dummerstorf und Sanitz mehrere Stunden gesperrt werden sollen.

Gegen die Abschusspläne, die Mitte der Woche bekannt geworden waren, hatte es massive Proteste von Tier- und Umweltschützern gegeben. Auch zahlreiche Leser der OSTSEE-ZEITUNG reagierten empört.

Wolfgang Jacobs aus Sellin auf der Insel Rügen schrieb zum Beispiel: „Als engagierter Jäger kann ich nur den Kopf schütteln.“ Aus seiner Sicht verstieß das Vorhaben gleich gegen mehrere Verbote, die Jagd während der Schonzeit zum Beispiel. Auch die Jagd von Fahrzeugen aus sei nicht vertretbar. Jäger Jacobs hatte Zweifel daran, ob wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, die Tiere zu vergrämen — und bekam nun recht.

„Wir begrüßen, dass noch einmal nach anderen Möglichkeiten gesucht wird“, freute sich die Landesgeschäftsführerin der Umweltschutzorganisation BUND, Corinna Cwielag. Ihr Vorschlag: „Mehr Rücksicht durch die Autofahrer, runter mit der Geschwindigkeit.“ Bis zu Tempo 90 würden Rehe Autos so wahrnehmen, dass sie ausweichen könnten. Cwielag: „Das jedenfalls hat uns der Jagdverband versichert.“

Jäger Jacobs verwies ebenfalls auf mögliche Tempolimits. „Auf vielen Autobahnen kennt man die Wildwechsel-Beschilderung und die damit verbundene Geschwindigkeitsbeschränkung — warum nicht auf der A 20?“, fragt er.

Das Schweriner Verkehrsministerium hatte bis gestern den Abschuss verteidigt. Begründung: Trotz mehrerer Versuche hatten sich die Rehe nicht vertreiben lassen. Dass die Tiere eine Bedrohung für den Verkehr sind, daran hält auch der Landesjagdverband fest. „Es stellt definitiv eine Lebensgefahr dar, wenn man bei Tempo 130 oder mehr mit einem Reh kollidiert“, betont Verbandssprecher Henning Voigt. Pro Jahr gebe es rund 11000 Wildunfälle in MV — einige enden tödlich. Wie Ende 2015 der Zusammenprall mit einem Wildschwein bei Bobitz (Nordwestmecklenburg), bei dem zwei Männer ums Leben kamen.

Umweltschützerin Cwielag sieht das Problem darin, dass „Autobahnen den Lebensraum der Tiere zerschneiden. Deshalb fordern wir statt Autobahnen dreispurige Landstraßen, die sind für Wildtiere viel weniger eine Barriere“. Offenbar lockt die Autobahn Tiere sogar an. „Auf Randstreifen, im Bereich von Parkplätzen und Regenbecken finden Rehe mehr saftiges Grün als auf angrenzenden Feldern“, vermutet Cwielag. Außerdem enthalte die Lauge, mit der im Winter die Fahrbahnen eisfrei gehalten werden, Salze, die Rehe gern schlecken. Generell lehnt die Naturschützerin die Jagd auf Wildtiere aber nicht ab. „Rehe haben keine natürlichen Feinde mehr, die hat der Mensch ja ausgerottet.“ Dass auch auf Wölfe wieder geschossen wird, sieht sie aber kritisch. Am Mittwoch dieser Woche war in Niedersachsen der „Problem-Wolf Kurti“ erlegt worden. „Die Frage ist doch, warum das Tier sich so nahe an Menschen herantraute“, gibt die Naturschützerin zu bedenken. „Meistens steckt der Mensch dahinter, wenn Wildtiere Probleme machen.“

Autobahn sollte gesperrt werden

Eigentlich sollte die A 20 zwischen Dummerstorf und Sanitz heute von 11 bis 14 Uhr gesperrt werden. Geplant war, dass Jäger den Abschnitt abfahren. Einer sollte von einem rollenden Hochsitz Ausschau nach den Tieren halten, der andere sie von der Fahrbahn aus erlegen.

Mehrere Versuche die Tiere durch Nottore in den Wildschutzzäunen herauszutreiben, waren zuvor fehlgeschlagen. Nach Ansicht des Schweriner Verkehrsministeriums stellen die Rehe eine Verkehrsgefährdung dar.

Von Elke Ehlers und Axel Meyer

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