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Jede achte Gaststätte im Land hat Hygiene-Mängel

Rostock Jede achte Gaststätte im Land hat Hygiene-Mängel

Verbraucherschützer fordern Ampelsystem / Gastronomen und Bäcker wehren sich

Rostock. Das dürfte so manchem den Appetit verderben: Von 6890 Gaststätten und Imbissbuden in MV fällt jede achte beim Hygiene-Check mit Mängeln auf. 851 Betriebe haben im Vorjahr den gesetzlichen Mindeststandard nicht erfüllt. 910 Lokale konnten hingegen mit tadellos sauberer Küche glänzen. Schmuddelig oder picobello? Damit Gäste und Kunden wissen, wie es in Lebensmittelbetrieben hinter den Kulissen zugeht, führt Nordrhein-Westfalen (NRW) als erstes Bundesland eine Hygiene-Ampel ein. Ab 2020 wird sie für Gaststätten, Bäcker, Fleischereien und Kantinen zur Pflicht. So ein Kontrollbarometer wünschen sich Verbraucherschützer auch für MV. Das Land aber will die Ampel nicht. Auch Gastrobranche und Bäckerinnung wehren sich dagegen.

Wie gut Restaurants und Co. in puncto Sauberkeit dastehen, erfahren Verbraucher in MV anhand im Internet veröffentlichter Hygienediagramme. Aber: Die Daten sind anonym. Wer wissen will, wie seine Stammkneipe abgeschnitten hat, muss den Inhaber fragen. Das System sei ein erster guter Schritt hin zu mehr Transparenz, sagt Uta Nehls von der Verbraucherzentrale MV. „Jetzt ist aber der Zeitpunkt gekommen, dieses Vorgehen, wie in NRW, weiterzuentwickeln.“ Verbraucher hätten ein Recht darauf, die „Ergebnisse der amtlichen Kontrollen, die mit Steuergeldern finanziert werden, zu erfahren.“ Auch die Organisation Foodwatch fordert, Schmuddelbetriebe beim Namen zu nennen. Johannes Heeg: „Es ist ein Schildbürgerstreich, dass in Deutschland zwischen Bund und Ländern zerredet wird, was in Dänemark seit 15 Jahren vorbildlich funktioniert.“ Dort zeigt ein Smiley an, wo der Gast gut schmausen kann.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kritisiert die Hygiene-Ampel. Sie böte nur „Pseudotransparenz“, bemängelt Dehoga-Landeschef Matthias Dettmann. Anhand des Barometers könne der Gast nicht erkennen, warum ein Betrieb auf der Ekelliste steht. Nur selten sei mangelnde Sauberkeit der Grund. Beispiel Rostock: Bei drei Viertel aller kontrollierten Gaststätten stellten die Inspektoren 2015 Hygienemängel fest. Oft beanstandeten sie, dass Produkte falsch gekennzeichnet wurden oder am Bau geschlampt worden war.

Der Dehoga setze sich strikt für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften ein, so Dettmann, werde sich aber gegen eine Veröffentlichung von Hygienekontrollergebnissen wehren, „notfalls auch juristisch“. Auch Thomas Müller, Landesinnungsmeister der Bäcker, will von der Ampel nichts wissen. „Damit werden Betriebe an den Pranger gestellt. Das ist tödlich.“ Uta Nehls: „Ein System wie in Dänemark hat gezeigt, dass mit Transparenz die Beanstandungsquoten gesenkt wurden.“ Aber: „Wir brauchen bundesweit einheitliche Standards.“ Solange es die nicht gibt, will Verbraucherminister Till Backhaus (SPD) am Prinzip Freiwilligkeit festhalten.

Antje Bernstein

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Eine Spielzeugampel leuchtet vor einem Restaurant-Logo in Schwerin (Symbolbild).

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