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MV aktuell Jedem zweiten Windrad in MV droht der Abriss
Nachrichten MV aktuell Jedem zweiten Windrad in MV droht der Abriss
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11:34 08.03.2019
Für viele alte Windenergie-Anlagen läuft bald die Förderung aus. Die Zukunft der Windräder ist ungewiss. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Rostock

Für hunderte Windräder in Mecklenburg-Vorpommern läuft die Zeit ab. Insgesamt steht für knapp 1000 ältere Anlagen der weitere Betrieb bis zum Jahr 2025 auf der Kippe – was somit gut die Hälfte aller Windräder im Nordosten betrifft; aktuell stehen hier 1920 Anlagen. Bis Ende kommenden Jahres könnten bereits bis zu 450 Windräder vom Netz genommen werden, wie aus einer Studie im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE) hervorgeht.

Keine Subventionen für alte Anlagen

Hintergrund: Die üppige finanzielle Förderung der Windenergie durch das sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war im Jahr 2000 auf eine Frist von 20 Jahren begrenzt worden. Das heißt: Für alle Anlagen, die bis zu dem Zeitpunkt zwischen Boltenhagen und Usedom errichtet wurden, gibt es ab dem Jahr 2021 keine Subventionen mehr. Und ohne staatliche Zuschüsse lassen sich Windräder nicht mehr rentabel betreiben.

Die Folge: Der Windenergie an Land (Onshore) droht ein massiver Rückgang; ihr Beitrag zur Energiewende könnte schrumpfen. Bundesweit seien bis 2025 rund 16 000 Megawatt (MW) Windenergie-Leistung betroffen, heißt es in der BWE-Studie. In MV sind derzeit Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3366 Megawatt installiert; durch Ablauf der Förderung droht demnach ein Ausfall von etwa 1000 MW in den nächsten Jahren.

Rückbau oder Weiterbetrieb?

Doch was geschieht mit den in die Jahre gekommenen Windenergie-Anlagen? Der BWE nennt drei Möglichkeiten: Weiterbetrieb, Rückbau der Windräder und Repowering, also das Ersetzen der Altanlagen durch modernere Anlagen mit mehr Leistung.

Die Chancen stünden gut, dass zumindest einige der alten Anlagen weiterbetrieben werden können, sagt BWE-Sprecher Christoph Zipf. Beispielsweise, wenn Betreiber den von ihnen produzierten Strom selbst nutzen. Oder den Strom nicht über ein öffentliches Netz, sondern direkt an einen Abnehmer verkaufen. Oder Anlagen an Industriekunden verpachten. Solche Modelle würden jedoch noch nicht häufig praktiziert.

Keine optimale Lösung fürs Recycling

Noch keine Antworten gibt es auf die Frage, auf welche Weise Tausende Windräder in Deutschland künftig zurückgebaut und umweltgerecht entsorgt werden können. Damit beschäftigen sich einige Entsorgungs- und Recyclingfirmen, aber eine optimale Lösung ist noch nicht in Sicht.

Während heutzutage die Ingenieure bei der Konstruktion einer Anlage auch den Abbau und das Recycling gleich mitbedenken, war das vor 20 Jahren noch nicht Standard. So gibt es nun etliche Probleme beim Rückbau von den Rotorblättern aus widerstandsfähigen Kunststoffen bis tief in den Boden, wo massive Stahlbaufundamente liegen.

Teure Gutachten

Problematisch für den Weiterbetrieb alter Anlagen ist zudem, dass der Betreiber zunächst per Gutachten die Betriebs- und Standsicherheit nachweisen muss, teilt die Fachagentur Windenergie an Land (Berlin) mit. Das koste erst einmal mehr als 10 000 Euro und sei eine Hürde.

E.dis ist größter Verteilnetzbetreiber in MV

Mit knapp 2,3 Gigawatt (GW) hat der Verteilnetzbetreiber E.dis AG in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg laut der BWE-Studie einen großen Anteil an den dort stehenden Anlagen, für die Ende 2025 die EEG-Vergütung endet.

In MV sind derzeit Windenergie-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3,4 GW installiert, davon betreibt die E.dis AG 2,322 GW.

Auch der Rückbau von Altanlagen, die dann durch neue Windräder mit mehr Leistung ersetzt werden, ist laut BWE vielerorts problematisch. Aufgrund neuer Richtlinien seien ausgewiesene Flächen „häufig nicht mehr als Windeignungsgebiete zulässig“, sagt BWE-Sprecher Zipf. Ein Repowering sei daher „nur begrenzt möglich“. Mit der Folge, dass viele Flächen für die Windenergie verloren gehen, wenn ein Weiterbetrieb nicht möglich ist.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema.

Axel Meyer