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Jeder fünfte Berufsschüler bleibt in MV ohne Abschluss

Rostock/Schwerin Jeder fünfte Berufsschüler bleibt in MV ohne Abschluss

Linke fordert mehr Lehrer / Handwerk für stärkeren Praxisbezug in der Schule

Rostock/Schwerin. . Schlechte Noten für das Berufsschulsystem in MV: Rund jeder fünfte Schüler verlässt die Ausbildung ohne Abschluss, Tendenz steigend. Bei der Berufsvorbereitung, in der Jugendliche in Maßnahmen „geparkt“ werden, ist die Quote dramatisch schlechter: Hier schaffen nur etwa 40 Prozent einen Abschluss. Die Linke schlägt Alarm und fordert mehr Lehrkräfte.

„Anhaltend schlechte Ergebnisse“ in der Berufsausbildung kritisiert Simone Oldenburg, Chefin der Linksfraktion im Landtag. Zahlen des Bildungsministeriums bestätigen einen Negativ-Trend: Von 9918 Jugendlichen haben 2254 im Vorjahr keinen Abschluss an den Beruflichen Schulen des Landes erreicht, 7764 schafften es. Ein ähnliches Verhältnis gab es in den Abschlussjahrgängen 2013 und 2014. Dies liege „im Bundesschnitt“, sagt Henning Lipski, Sprecher von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Ursachen dafür, dass 20 Prozent der Schüler das Ziel nicht erreichen? Fehlanzeige. Diese seien „individuell bedingt und könnten nur durch Erhebung jedes Einzelfalls ermittelt werden“.

Bei berufsvorbereitenden Maßnahmen, die für Schüler mit starken Lernproblemen angeboten werden, ist die Bilanz weit schlechter. Hier sei MV „trauriger Spitzenreiter“, so Oldenburg. Im Vorjahr erreichten 709 Jugendliche einen Abschluss, 988 dagegen nicht. Heißt: Sechs von zehn (58,2 Prozent) rauschten durch. Nach Zahlen des Ministeriums stieg die Zahl der Jugendlichen ohne Abschluss weiter an: 2013 lag die Quote bei 43,8, im Jahr 2014 bei 56,7 Prozent. Dafür gebe es keine pauschale Erklärung, so Lipski: „Dieser Schülergruppe fällt es besonders schwer, das Ziel des jeweiligen Bildungsgangs zu erreichen.“

Oldenburg sieht ein Übel im System: Es müssten mehr Lehrkräfte an die Berufsschulen, Klassen verkleinert werden. In der Berufsvorbereitung drückten in MV 19 Jugendliche die Schulbank in einer Klasse.

Im Saarland seien es neun, in Thüringen fünf, in Hamburg elf. Lipski kontert: Strukturelle Faktoren wie Finanzen oder Klassengröße hätten einer neuseeländischen Studie zufolge „eher geringe Bedeutung für den Lernerfolg“.

Unternehmer klagen zunehmend über den geringen Wissensstand von Jugendlichen. „Nicht alle bringen die nötige Ausbildungsreife mit“, sagt Uwe Lehmkuhl, Chef einer Elektrofirma in Bentwisch bei Rostock und Innungsobermeister. Es fehle oft an „schulischen und sozialen Kompetenzen“. Lehmkuhl fordert mehr Verzahnung schulischer und beruflicher Bildung. Bereits in der Schule müssten Jungen und Mädchen besser auf die Berufsausbildung vorbereitet werden, etwa durch Praktika, sagt Claudia Alder, Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. „Qualität in der Bildung hat auch mit Geld zu tun“, sagt Pamela Buddenhagen, Unternehmerverband Mecklenburg-Schwerin. Es brauche mehr qualifizierte und motivierte Pädagogen.

Frank Pubantz

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