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MV aktuell Jugendlichen im Nordosten fehlt das „Wir-Gefühl“
Nachrichten MV aktuell Jugendlichen im Nordosten fehlt das „Wir-Gefühl“
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07:37 29.08.2013
Christof Eichert, Chef der Herbert- Quandt- Stiftung.
Schwerin

Die Vereine in Mecklenburg-Vorpommern drohen den Anschluss an die Jugend zu verlieren. So lautet ein Ergebnis einer Studie der Herbert-Quandt-Stiftung, die gestern in Schwerin vorgestellt wurde. Forscher des Instituts Infratest Dimap hatten in fünf ausgesuchten Gemeinden Gruppeninterviews mit 81 Teilnehmern geführt. Die Antworten zeigen große Unterschiede in den Landesteilen. Während sich Ehrenamtler in den Ostseestädten Greifswald und Wismar zufrieden äußerten, überwog in Anklam, Demmin und Lalendorf (Landkreis Rostock) der Frust.

Größtes Problem der Hinterland-Gemeinden ist der Wegzug junger Leute. „Die Jugend (...) geht quasi nach der Realschule weg“, sagte ein Teilnehmer in Lalendorf. Es fehlen Jobs und Perspektiven. „Wenn sich nicht bald Industrie ansiedelt, haben wir nur noch Altenpflegeheime“, hieß es in Anklam. „Die Stimmung ist richtig mies“, sagte Studienautor Uwe Meergans zu seinen Eindrücken aus Demmin und Anklam.

Gerade in den immer dünner besiedelten Regionen würden Vereine und Ehrenamt immer wichtiger — als der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält und ein „Wir-Gefühl“ erzeugt. „Die Antworten auf die Probleme liegen vor Ort“, sagte Christof Eichert, Vorstand der Quandt-Stiftung. Die Schweriner Landesregierung habe bisher „keine guten Antworten“ geliefert. Die Organisation für das Ehrenamt liegt auf Landesebene laut Eichert im von Manuela Schwesig (SPD) geführten Sozialministerium — in einer Stelle, die sonst für Renten- und Seniorenpolitik zuständig ist. Tausenden, die sich bei Freiwilligen Feuerwehren oder im Umweltschutz engagieren, fehle damit die „Schnittstelle“ zum Land.

Als Gegenmaßnahmen schlägt Forscher Meergans die Gründung von Bürgerzentren als Anlaufstellen vor. Der Staat müsse zudem wieder mehr in Kinder- und Jugendarbeit investieren, anstatt ausgerechnet hier zu sparen. Auch die Lehrer seien gefordert, so der Sozialforscher: „Demokratische Verhaltensweisen müssen schon im Kindesalter eingeübt werden, dass ist Aufgabe der Schulen.“ Für den Politikwissenschaftler Nikolaus Werz von der Uni Rostock sind Ehrenamt und Vereine eine Säule der Demokratie. „In den Kleingartenvereinen wird demokratisches Verhalten gelernt“, sagte Werz, der einen Text zu der Studie beisteuerte.

Die großen Parteien genießen laut Studie im Nordosten oft nur noch wenig Vertrauen. In Gemeinden, in denen SPD, CDU und Linke nicht mehr präsent sind, nutze die rechtsextreme NPD die Lücke.

Die Studie entstand im Rahmen des Programms „Bürger.Innen.Land MV“, das die Herbert-Quandt-Stiftung 2012 auflegt hat. Das bis 2016 laufende Projekt soll Zusammenhalt und Demokratie stärken — als Antwort auf die großen Probleme im Land: Überalterung und Abwanderung. Insgesamt gibt die Stiftung dafür eine Million Euro aus. Praxisprojekte sind in Greifswald, Anklam, Demmin und Lalendorf geplant. Vergangenes Jahr eröffnete mit Hilfe der Stiftung in Greifswald die „Bürgerakademie“. Herbert Quandt (1910 - 1982) begründete eine der reichsten Industriellen-Dynastien Deutschlands (BMW, Varta). Seine Tochter Susanne Klatten ist Großaktionärin beim Rostocker Windrad-Hersteller Nordex. Seite 2

Viele Vereine
1 von 3 Einwohnern in MV engagiert sich in seiner Freizeit ehrenamtlich. Die Bedingungen dafür sind an der Ostseeküste gut, so eine Studie der Quandt-Stiftung. In insgesamt 666 Vereinen können sich die 55 000 Einwohner von Greifswald engagieren. Im Binnenland häufen sich dagegen die Probleme. Obwohl es auch hier nicht an Angeboten mangelt: In der 11 700 Einwohner-Stadt Demmin gibt es 102 Vereine, im vorpommerschen Anklam sind es sogar 154 Vereine für 13 000 Menschen. Aber es fehlt an Nachwuchs.

Gerald Kleine Wördemann

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