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MV aktuell Jungwölfe auf Streifzug
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00:00 10.06.2017
Lübtheen

Zwei Wochen war „Naya“ unterwegs. Vom Jasnitzer Forst bei Hagenow lief die Wölfin weit nach Niedersachsen hinein. „Das war ihre erste Exkursion außerhalb des Reviers“, sagt Wildbiologe Norman Stier. Am 5. April zog „Naya“ los, erst am 19. April war sie zurück. Das elf Monate alte Tier durchschwamm die Elbe, tummelte sich in Niedersachsens ElbtalAue, interessierte sich für die Umgebung von Bad Bevensen. Erst im etwa 135 Kilometer entfernten Winsen an der Aller machte sie kehrt und lief „auf einer sehr ähnlichen, aber nicht identischen Strecke wieder zurück“, teilte das Schweriner Agrarministerium gestern mit.

Die Informationen liefert der Peilsender, mit dem die junge Wölfin im Herbst ausgestattet wurde. Ihre Schwester „Emma“ trägt ebenfalls ein Halsband mit GPS-Sender, außerdem ein Rüde aus dem Vorpommern-Rudel in der Ueckermünder Heide. „Das Peilsender-Projekt in Mecklenburg-Vorpommern ist bundesweit einzigartig“, sagt Norman Stier, der das Wolfsmonitoring betreut. Außer den drei Tieren in MV trägt derzeit nur in Sachsen-Anhalt ein Wolf einen Sender.

Das Besondere: In MV wird das Projekt vom Landesjagdverband unterstützt und weitgehend finanziert. „Die Telemetrie liefert uns wichtige Informationen zum Verhalten der Tiere“, sagt Stier. „Erst jetzt bekommen wir ein Gefühl dafür, wie Wölfe ticken.“

Denn die Rückkehr der Wölfe in die Kulturlandschaft verläuft nicht konfliktlos. Seit Anfang 2016 gab es allein in MV mehr als 20 Attacken auf Schafe, Kälber und Gatterwild, zuletzt im April bei Ramin (Vorpommern-Greifswald). „Schäfer können ihre Herden mit Zäunen und Hunden recht gut schützen, bei Rindern ist das nicht möglich“, weiß Stier. Auch mancher Jäger ist nicht begeistert, wenn Wölfe in seinem Revier Beute machen. Drei Wolfsudel gibt es inzwischen in MV, ein weiteres an der Landesgrenze mit Brandenburg.

In Wolfsgebieten sollten Hunde angeleint werden, rät der Biologe. Spaziergänger aber brauchten im allgemeinen keine Angst zu haben. „Wölfe sind scheu, lassen sich auch gut verscheuchen.“ Allerdings:

Wo Isegrim die Nähe zu Menschen sucht oder mehrfach auf derselben Weide räubert, werden Anwohner und Bauern unruhig. „In Ausnahmefällen kann ein Wolf geschossen werden“, stellt der Biologe klar.

Außerhalb der Lübtheener Heide war auch Jungwölfin „Emma“ schon auf Erkundungstour, drei Wochen früher als ihre Schwester, dafür aber nicht so lange und nicht so weit. „Emma“ machte zwischen 13. und 21. März einen Ausflug ins Brandenburgische und in den Norden von Sachsen-Anhalt. Es sei toll, dass die Telemetrie ein genaueres Bild über die Lebensweise der Wölfe liefere, würdigt Umweltminister Till Backhaus (SPD) das Projekt. „Unsere Experten leisten einen wichtigen Beitrag zur Wildtierforschung.“ Per Telemetrie soll auch die weitere Ausbreitung der Raubtiere erkundet werden.

Jungwölfe verlassen nach einem Jahr, spätestens aber nach 22 Monaten ihr Rudel. Insofern sei es interessant, dass „Naya“ und „Emma“ nach ihren Exkursionen zunächst in die Lübtheener Heide zurückkehrten, meint Norman Stier. „Naya“ hatte in Niedersachsen die Truppenübungsplätze Munster und Bergen durchquert und damit mehrere Reviere anderer Wolfsrudel. „Dort hätte sie einen Gefährten finden können“, meint Stier.

Als erster Wolf in Mecklenburg-Vorpommern hatte der Rüde „Arno“, der ebenfalls aus dem Lübtheener Rudel stammte, im Herbst 2015 ein Sender-Halsband erhalten. „Arno“ wurde vor einem halben Jahr tot aufgefunden – erschossen. Die Kriminalpolizei verfolgt den Fall, hat den Täter bisher aber nicht ermittelt. Dem Schützen drohen eine hohe Geldstrafe und der Verlust des Jagdscheins, denn Wölfe stehen unter Naturschutz.

2016 hatte das Lübtheener Rudel mindestens vier Welpen. Doch nicht alle haben überlebt. Zwei der Geschwister von „Emma“ und „Naya“ wurden im März bei Hagenow bzw. Ratzeburg (Schleswig-Holstein“

überfahren.

Inzwischen dürfte sich neuer Nachwuchs eingestellt haben – vermutlich bei allen drei Rudeln in MV. Wie viele Welpen geboren wurden, kann Norman Stier noch nicht sagen. „Vor Juli bekommen wir sie nicht zu sehen.“ Seite 6

Elke Ehlers

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