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Kaffeekapseln und „to go“ – Immer mehr Verpackungsmüll

Rostock Kaffeekapseln und „to go“ – Immer mehr Verpackungsmüll

Über 100 Kilo produziert jeder Einwohner in MV jährlich / Das bedeutet einen Zuwachs um ein Drittel seit 1996 / Frische Waren werden meistens eingeschweißt verkauft

Rostock. Tomaten in Plastikschalen, Kaffee in Minikapseln, kleine Handys in riesigen Schachteln – in Mecklenburg-Vorpommern fällt immer mehr Verpackungsmüll an. 102 Kilogramm pro Einwohner und Jahr kamen nach der letzten Zählung des Statistik-Amts MV zusammen. Das waren 27 Kilogramm mehr als vor gut 20 Jahren – so viel wie niemals zuvor seit Beginn der Erhebung 1996. Der „Verpackungswahn“ hat geradezu „absurde Züge“ angenommen, kritisiert die umweltpolitische Sprecherin der Schweriner Grünenfraktion, Ursula Karlowski.

 

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Als Grund für die wachsenden Mengen Verpackungsmüll gilt etwa der Trend zu Kaffee und anderen Lebensmitteln für unterwegs. Wie der „Coffee to go“: Pro Stunde landen 320000 dieser Becher bundesweit im Müll. Zudem werden laut Bundesumweltministerium beim boomenden Versandhandel zunehmend Waren per Post verschickt – in Plastik eingeschweißt und in Kartons verpackt.

Klein und weniger drin: „Immer mehr Menschen wohnen allein oder in kleinen Familien und kaufen deshalb Verpackungen mit weniger Inhalt“, nennt Karlowski ein weiteres Beispiel. Die Folge: Der Absatz verpackter Kleinstportionen schnellt in die Höhe. So sei es „Irrsinn“, in Supermärkten zwei Zucchini in einer Plastik-Hartschale, Gurken in Folien oder zehn Gummibärchen in winzigen Plastiktüten zu verpacken.

Einer Studie des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) zufolge werden mittlerweile 63 Prozent des frischen Obsts und Gemüses nur noch verpackt verkauft. Auch Wurst, Käse und Fleisch landen immer häufiger in Plastikschalen, Netzen oder Folien. Nach Angaben des Nabu fallen in Deutschland inzwischen 17 Millionen Tonnen Verpackungsmüll pro Jahr an.

Massiv kritisiert werden auch Kleinstportionen mit Kaffeesahne oder die sogenannten Kaffeekapseln. So entstehe bei der Herstellung dieser Mini-Kapseln – die unter anderem im 2014 eröffneten Nescafé-Dolce-Gusto-Werk in Schwerin produziert werden – zu viel Müll. Sechs Gramm Kaffee werden dabei in drei Gramm Plastik eingepackt, moniert die Deutsche Umwelthilfe. Außerdem sei Kaffee in Minipackungen deutlich teurer: Ein Kilo Kapsel-Kaffee kostet mit etwa 30 Euro fast dreimal so viel wie sonst. Die Verbraucherzentrale MV verweist zudem auf „unerwünschte Stoffe“, die aus Verpackungen „in Nahrungsmittel eindringen“ können. Verpackungen mit wenig Inhalt – etwa einzeln verpackte Süßigkeiten – sollten daher auch aus gesundheitlichen Gründen vermieden werden. Geeigneter seien Verpackungen aus Glas, so wie Joghurt oder Milch aus Pfandflaschen, denn bei Glas sei „der Stoffübergang am geringsten“. Und Mehrwegflaschen können laut Umwelthilfe bis zu 50-mal wiederbefüllt werden.

Wer als Alternative zur Industrieverpackung Kunststoffmehrwegbehälter verwendet, sollte diese nach Angaben des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in MV sorgfältig auswählen. Bestandteile wie Weichmacher, PVC, Formaldehydharze oder Schwermetalle „sind giftig für Menschen und Umwelt und sollten nicht mit Lebensmitteln in Berührung kommen“.

Das Schweriner Umweltministerium weist in dem Zusammenhang auf den „Blauen Engel“ hin. Durch den Kauf von Produkten mit dem Zeichen könnten die Recycling-Fähigkeit etwa von Verpackungen sowie „müllvermeidende Verpackungstechnologien“ honoriert werden.

Mehr Kunststoff und Weißblech

163350 Tonnen Verpackungsmüll fielen in MV im Jahr 2014 nach den aktuellsten Daten des Statistischen Landesamts an. Als im Jahr 1996 erstmals die Menge des Verpackungsmülls im Nordosten erhoben wurde, waren es noch 135508 Tonnen. Dabei hat die Menge der Verpackungen aus der sogenannten Leichtstoff-Fraktion, wie Kunststoff, Aluminium oder Weißblech, zugenommen. Verpackungen aus Papier und Pappe sind weniger geworden.

Axel Meyer

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