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Kamera ab: Im Gleichschritt, marsch!

Stralsund Kamera ab: Im Gleichschritt, marsch!

Mit der täglichen Dokumentation „Die Rekruten“ auf dem Videoportal Youtube sollen junge Leute als Soldaten geworben werden.

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Eine Ausbilderin empfängt die Rekruten in Stralsund.

Stralsund. „Passt!“ Jerome Demelius (18) ist mit seinem Gefechtshelm zufrieden. Der junge Mann aus Moers (Nordrhein-Westfalen) ist jetzt Rekrut an der Marinetechnikschule Parow bei Stralsund. Unter dem Titel „12 Rekruten. 12 Wochen. Ab November wird draußen gespielt“ ist Demelius gemeinsam mit elf weiteren Jung-Soldaten in einer täglichen Reality-Dokumentation zu sehen. Ab 1. November wird die dreimonatige Serie mit dem Titel „Die Rekruten“ auf dem Videoportal Youtube gesendet. Die Bundeswehr lässt sich die Doku 1,7 Millionen Euro kosten – um so Nachwuchs anzuwerben. Gedreht werden die Folgen auf dem Gelände der Marinetechnikschule Parow. Kritik an der Aktion kommt unter anderen von Hans-Peter Bartels (SPD), Wehrbeauftragter des Bundestages, den Bündnisgrünen und der Linksfraktion im Landtag.

OZ-Bild

Mit der täglichen Dokumentation „Die Rekruten“ auf dem Videoportal Youtube sollen junge Leute als Soldaten geworben werden.

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In Parow werden die zwölf Rekruten – zehn Männer und zwei Frauen – während ihrer Grundausbildung drei Monate lang mit der Kamera begleitet, heißt es von der Bundeswehr. Jeden Tag soll ab 17 Uhr eine neue fünf Minuten lange Folge ins Netz gestellt werden.

„Wir zeigen die Höhen und bewusst auch die Tiefen der Grundausbildung“, sagt Dirk Feldhaus, Kommunikationschef für die Arbeitgebermarke Bundeswehr. In den drei Monaten komme jeder Rekrut an seine Grenze. „Deshalb waren wir sofort dabei“, erklärt Michael Möding, Kommandeur der Marinetechnikschule. Denn: „Wir sehen ja auch bei uns an der Schule, dass immer wieder Kojen frei bleiben.“ Seit Aussetzung der Wehrpflicht müsse sich die Bundeswehr wie andere Unternehmen als Arbeitgeber darstellen und um Nachwuchskräfte werben, so Möding. Durch Werbung in den sozialen Medien können junge Leute heute am besten erreicht werden. An der Marinetechnikschule Parow würden vor allem Techniker und Elektroniker fehlen. Es sei gut, dass die Serie in Parow gedreht werde, sagt Möding. Seit Anfang Oktober stünden „ganz normale“ Rekruten, die sich für die Serie bewerben konnten, vor der Kamera.

„Auf solchen Blödsinn kann getrost verzichtet werden“, meint Peter Ritter, friedenspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Landtag. Nach „Bauer sucht Frau" komme nun eine neue Show: „Uschi sucht Soldaten“. Offenbar setze Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf den Unterhaltungsfaktor. Mit leichter Kost habe die Bundeswehr aber nichts zu tun. „Werbefilmchen fürs Sterben im Ausland braucht niemand“, sagt Ritter. Eine Werbeaktion für Pflegekräfte stünde dem Land besser zu Gesicht. Denn diese würden händeringend gesucht. Das Rostocker Friedensbündnis lehnt den „sehr teuren Versuch, unter medienbegeisterten Jugendlichen neue Rekruten zu gewinnen“, ab. Das Geld dafür sollte lieber Kindern gegeben werden, die in Armut leben müssen – in MV gebe es bundesweit immer noch mit die meisten.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), kritisiert die Ausstattung der Bundeswehr. „Es ist von allem zu wenig da“, sagt er. Wichtige Investitionen für die Bundeswehr müssten in die nächste Wahlperiode verschoben werden. Auch der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner bemängelt die Internet-Serie: „So lange die Ausrüstung der Bundeswehr so marode ist, nützen die teuersten Werbefilmchen nichts.“

• Web-Serie und Homestories:

www.youtube.com/DieRekruten

Die meisten Rekruten kommen aus MV

4250 Frauen und Männer aus Mecklenburg- Vorpommern traten zwischen 2011 und 2015 ihren Dienst bei der Bundeswehr an. Auf eine Million Einwohner waren es in MV 2654 Rekruten – Platz eins in Deutschland. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit Schleswig- Holstein (2172) und Niedersachsen (1767) ebenfalls Nordländer.

Deutschlandweit traten 103470 Rekruten von 2011 bis 2015 ihren Dienst bei der Bundeswehr an, davon 45651 als freiwillig Wehrdienstleistende.

Bernhard Schmidtbauer

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