Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Kanuten finden alten Einbaum in der Warnow

Sagsdorf Kanuten finden alten Einbaum in der Warnow

Das Boot könnte bis zu 4000 oder auch nur 100 Jahre alt sein / Überführung ins Freilichtmuseum Groß Raden / Analyse geplant

Voriger Artikel
An die Leiter! Feuerwehr-Meisterschaften gestartet
Nächster Artikel
Was heute in MV wichtig wird

Sagsdorf. Es könnte ein Sensationsfund sein – aber es ist auf jeden Fall eine spannende Entdeckung: Kanu-Wanderer haben in der Warnow bei Sagsdorf (Kreis Ludwigslust-Parchim) durch Zufall einen alten Einbaum freigelegt. Nach einer ersten Expertenschätzung könnte das aus nur einem Baumstamm gehauene Boot bis zu 4000 Jahre alt sei – oder auch erst 100.

 

OZ-Bild

Die Kanu-Freunde stießen in einer Badepause auf das Boot und brachten es mit vereinten Kräften an Land.

Quelle: Carina Frenz

Carina Frenz und ihre Freunde machen seit einigen Jahren immer wieder gemeinsame Kanu-Ausflüge, so auch am vergangenen Sonnabend auf der Warnow. „Bei einer Badepause konnten wir plötzlich stehen, obwohl das Wasser eigentlich zu tief war“, erinnert sich die 45-Jährige. Die Kanuten gingen der Sache auf den Grund und zogen den Einbaum aus dem Schlick.

„Uns war zunächst gar nicht bewusst, um was es sich handelt, wir dachten, es sei wohl nur ein altes Boot“, sagt Frenz. Einige der Kanuten stellten sich sogar unbekümmert in den vielleicht Tausende Jahre alten Einbaum. „Aber als wir unsere Kanuverleiher anriefen und von dem Fund erzählten, wurden diese gleich hellhörig.“ sie schalteten das Landesamt für Denkmalpflege ein und der zuständige Experte ließ den Fund umgehend ins nahe Freilichtmuseum Groß Raden bringen, wo er wieder ins Wasser gelegt wurde.

Auch der oberste Landesarchäologe, Detlef Jantzen, hat sich des Einbaums bereits angenommen: „Wir konnten feststellen, dass er aus Eiche ist. Die Oberfläche ist leicht verwittert. Dennoch ist die Datierung schwer, denn die Bauweise der Einbäume hat sich über die Jahrtausende kaum verändert.“ Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein seien Fischer in Norddeutschland mit Einbäumen unterwegs gewesen.

Eine gewisse Eingrenzung des Alters sei jedoch möglich: „Die ältesten Einbäume, die in MV gefunden wurden, sind etwa 7000 Jahre alt. Sie bestehen aus Lindenholz, weil das leichter zu bearbeiten war“, erklärt Jantzen. Boote aus Eiche seien vor etwa 4000 Jahren aufgekommen. „Das ist auch das höchstmögliche Alter, das ich mir vorstellen kann.“

Und noch ein Indiz spreche zumindest nicht gegen ein hohes Alter: „Wir haben keine Eisenteile in dem Einbaum gefunden“, stellt der Experte fest. Ein solcher Fund hätte bewiesen, dass der Einbaum nicht ganz so alt ist. Endgültige Klarheit kann laut Jantzen nur eine wissenschaftliche Analyse des Holzes geben. Die soll es bei nächster Gelegenheit auch geben.

Dass der Einbaum tatsächlich aus der Jungsteinzeit stammt, wäre für Jantzen nicht verwunderlich: „Die Region war über die Jahrtausende nahezu durchgängig besiedelt. Die Flüsse waren die Transportwege dieser Zeit und wurden auch zum Fischen befahren.“ Die Fundstelle war jedoch zuvor nicht als archäologische Stätte bekannt.

Allerdings muss der Einbaum nicht immer dort gelegen haben, gibt Jantzen zu Bedenken. Das Boot könnte auch mit der Zeit von der Strömung bewegt worden sein. „Oder die Besitzer haben es einfach zurückgelassen.“

Die Kanu-Freunde wollen jedenfalls ihren Fund weiter im Auge behalten: „Wenn er ausgestellt wird, machen wir wir unsere nächste Tour wohl zum Freilichtmuseum Groß Raden“, sagt Carina Frenz.

Verfall droht

200 historische Einbäume gibt es in MV. Die meisten liegen noch an Ort und Stelle, wo sie gefunden wurden. Etwa 20 werden in Museen ausgestellt. Die ältesten entdeckten Einbäume waren etwa 7000 Jahre alt. Sie lösten einen Skandal aus: Drei Boote waren 2002 aus dem Schlick des Strelasunds geborgen und im damaligen Schweriner Landesamt für Bodendenkmalpflege zwischengelagert worden. 2009 wurde jedoch bekannt, dass die Boote wegen unsachgemäßer Lagerung unwiederbringlich zerfallen waren. Das heutige Landesamt für Kultur und Denkmalpflege bittet daher Hobby-Archäologen, Funde im Wasser nicht an Land zu bringen, da dort der Zerfall einsetzt. Vielmehr sollte man die Bergung Experten überlassen.

Axel Büssem

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Lausanne

Thomas Bach reagiert erzürnt auf die heftige Kritik von Diskus-Star Robert Harting. Der IOC-Präsident verteidigt vehement den Beschluss, Russland nicht komplett von den Rio-Spielen auszuschließen.

mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.