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MV aktuell Katz und Maus mit der Polizei
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06:33 11.05.2018

Hunderte Demonstranten für Frieden und Erinnerung an die Befreiung Deutschlands von der Hitler-Diktatur, deutlich weniger Neonazis mit Fackeln, rund 800 Polizisten. Das waren gestern die Zutaten eines meist friedlichen Demo-Abends in Demmin. Jedes Jahr am 8. Mai findet dort der größte Neonazi-Aufmarsch in MV statt – die Gegendemonstranten waren wie immer lautstark und fantasievoll, setzten Friedensfest, Mahnwachen und einen Stadtspaziergang dagegen.

Rund 800 Teilnehmer sind zum Friedensfest des Bündnisses „Demmin Nazifrei“ an den Hafen gekommen. Linke, SPD- und Antifa-Leute sind da. Wenke Brüdgam, Landeschefin der Linken, trägt ein Blech Streuselkuchen herbei. Schüler des örtlichen Gymnasiums lassen Luftballons als Friedensbotschaft fliegen. Bier fließt an vielen Stellen in Kehlen. Volksfeststimmung.

Um 16.30 Uhr steigt die Punkband Feine Sahne Fischfilet auf die Bühne. Es gehe darum, Neonazis entgegenzutreten, ruft Sänger Jan „Monchi“ Gorkow den Zuhörern zu. Gorkow: „Demmin ist noch nicht im Arsch.“ Dies zeige die große Zahl an Gegendemonstranten zum NPD-Aufmarsch. Kritik gibt es mehrfach an Demmins Bürgermeister Michael Koch (CDU), der erklärt habe, nichts von „Krawalltourismus“ zu halten. Koch wolle nicht mitlaufen gegen Rechts, erklärt Gorkow. „Nicht wir sind das Problem, sondern Leute, die Nazis verharmlosen“, so Gorkow. Im Hintergrund steht die Polizei mit großem Aufgebot und Wasserwerfern.

Dann setzt sich der Zug der Demonstranten in Bewegung. 700 Leute, schätzen Polizei und Veranstalter. Friedlich geht es durch die Stadt. Ralf Mucha, SPD-Landtagsmitglied, ist wieder dabei. „Ich möchte hier ein klares Zeichen gegen Rechts setzen“, sagt er. Petra Clemens vom Demminer Museum kritisiert ihren eigenen Bürgermeister. Erstmals habe die Stadt in diesem Jahr keine eigene Kranzniederlegung für die Opfer des Faschismus organisiert, sagt sie. Am Marienhain erinnern Redner an den Einschluss der Stadt Demmin kurz vor Kriegsende 1945.

Dann geht der Zug zurück Richtung Hafen durch die Innenstadt. Der Greifswalder Chor „Chorthippus“ sorgt für einen ungeplanten Halt. Gemeinsam singen Chor und Demonstranten internationale Lieder. Kurz darauf beginnt der zivile Ungehorsam. Erste Demonstranten setzen sich einfach auf die Straße. Konfliktmanager der Polizei eilen herbei; weiter geht’s. Ohne große Probleme endet der „Stadtrundgang“ am Hafen. Die Party aber geht weiter. Die Polizei ist bis dahin zufrieden. „Entspannte Stimmung“ twittert sie vom Demoverlauf. Die Neonazis marschieren um 19.30 Uhr am Stadion der Jugend los. Die rechtsextremistische NPD nutzt seit mehreren Jahren jeden 8. Mai für ihre Propaganda und erinnert mit einem Zug durch Demmin an einen Massenselbstmord in der Stadt zum Kriegsende. Zwischen dem 30.

April und dem 3. Mai 1945 starben nach derzeitigen Erkenntnissen fast 1000 Demminer und Flüchtlinge.

Der für die Polizei anstrengende Teil kommt jetzt. Gut 150 Neonazis bewegen sich in einem sogenannten Trauermarsch quer durch die Stadt, darunter ehemalige NPD-Landtagsabgeordnete. Ein angekündigter Fackelmarsch fällt aus, denn Fackeln haben sie vergessen.

Immer wieder gibt es Sitzblockaden von Gegendemonstranten, ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Konfettikanonen schießen, doch der Abend bleibt bislang gewaltfrei. Viele Demminer hängen mit ihren Kindern an Fenstern, schauen dem Treiben zu. „Ihr habt den Krieg verloren“, rufen etwa 100 Linke am Luisentor den Neonazis zu.

Am Zugang zum Hafen wird es kurz brenzlig, aber die Polizei hat die Gegendemo mit Masse im Griff. Dann hat der Zug sein Ziel, den Hafen, erreicht. Wieder brüllen Gegendemonstranten.

Frank Pubantz

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