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Kaum Wespen im Norden – aber massenhaft Mücken

Rostock Kaum Wespen im Norden – aber massenhaft Mücken

Kleine Blutsauger schlüpfen jetzt überall, weil Regen ihre Fressfeinde weggespült hat

Rostock. Gute Nachricht für Eisdielen-Gäste, Bäckereifachverkäufer und alle, die gern draußen schlemmen: Ihnen bleiben Wespen offenbar erspart. In diesem Jahr sei keine Plage mehr zu erwarten, sagt Katja Burmeister vom Naturschutzbund (Nabu) Mecklenburg-Vorpommern. Das liege einerseits am Wetter: Dort, wo es im Frühjahr viel geregnet hat, sei so manche Deutsche und Gemeine Wespe beim Nisten im Erdloch buchstäblich abgesoffen. Weit schlimmer hätten die Völker aber unter der immer intensiver betriebenen Landwirtschaft zu leiden, sagt Burmeister.

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Kleine Blutsauger schlüpfen jetzt überall, weil Regen ihre Fressfeinde weggespült hat

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Solche Eingriffe in die Natur hätten die Wespen-Bestände schon stark dezimiert. Die Quittung dafür bekommt der Mensch aber auch zu spüren: Weil weniger Wespen umherschwirren, fliegen umso mehr Mücken. Die Blutsauger zählen nämlich zu jenen Insekten, mit denen Wespen ihren Nachwuchs füttern.

Für Mücken könnte es momentan ohnehin kaum besser laufen: Sie schlüpfen massenweise. „Feucht und warm – das lieben sie“, sagt Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Vor allem in Süddeutschland und rund um Berlin hätten die Blutsauger derzeit ideale Bedingungen, um sich zu vermehren. Der Nordosten sei bislang relativ verschont geblieben, leide gefühlt dennoch mehr als sonst. „Wir sind verwöhnt von den vergangenen Jahren“, erklärt Walther. 2014 und 2015 seien sehr trocken und damit schlechte Mückenjahre gewesen.

Diese Zeiten dürften sich die Sylter zurückwünschen. Ihnen setzen die stechenden Biester gerade besonders heftig zu. Manche Mückenopfer kommen mit bis zu 40 Stichen am Körper in die Insel-Apotheken, um sich mit Kühlgels einzudecken. In Apotheken in MV sind Anti- Juckreiz-Salben und ähnliche Mittelchen bislang keine Verkaufsschlager. „Das könnte aber auch daran liegen, dass sich viele schon lange vor dem Sommer bevorraten oder online bestellen“, sagt Axel Pudimat vom Landesapothekerverband. Die meisten Mückenmittel würden den Schmerz zwar lindern. „Ein bisschen leiden muss man aber immer.“

Viele versuchen, mit Hausmitteln wie Spitzwegerich, Zwiebelsaft oder Schnapsumschlag den Juckreiz zu bezwingen. Körpersprays, die Mücken vergraulen sollen, bringen hingegen so gut wie nichts, sagt Doreen Walther. „Was sie anlockt, sind nicht unsere Ausdünstungen, sondern die Ausatemluft. Je mehr Kohlendioxid darin steckt, desto attraktiver ist sie für Mücken.“ Auch, dass durstige Blutsauger auf Licht fliegen, sei ein Irrglaube.

Stichhaltige Tipps gegen Wespen hat der Nabu parat. Der wichtigste: Ruhe bewahren. Wer nach Wespen schlägt, provoziert sie. Bietet man den Brummern hingegen an einer ungestörten Futterstellen überreife Früchte an, lassen sie die Kaffeetafel links liegen.

Insektenjäger

300 Eier legt ein Mückenweibchen im Schnitt. Aus denen schlüpft zwei Wochen später der Nachwuchs.

Nur zwei der acht in Deutschland heimischen Wespenarten fliegen auf Cola, Steak und Kuchen: die Gemeine und die Deutsche Wespe. Die anderen meiden Menschen. Ein Volk kann täglich rund ein halbes Kilo Insekten als Beute ins Nest tragen. Ein Wespenstaat lebt nur vom Frühjahr bis zum Herbst, dann stirbt er ab. Einzige Überlebende: die begatteten Jungköniginnen.

Antje Bernstein

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